Ascoli Piceno, eine Stadt zum Wiederkommen

Piazza del Popolo

Mein Spaziergang durch die Altstadt

Ascoli Piceno war für mich eine dieser Städte, bei denen sich ein Aufenthalt nicht auf ein schnelles „anschauen und weiterfahren“ reduzieren lässt. Ich gebe es zu: Ascoli Piceno hat mich überrascht!

Und ich kann euch versichern: Ascoli Piceno ist eine der schönsten Städte, die mir auf meinen Reisen untergekommen ist. Wir waren schlichtweg verzaubert!

Die Stadt des Travertin

Ascoli Piceno liegt im Süden der Marken, nur ca. 25 km von der Adriaküste entfernt. Bekannt ist die Stadt vor allem für ihren hellen Travertin, einen Kalkstein, der aus Ablagerungen entsteht. Bereits das Kolosseum und die St. Peterskirche in Rom wurden daraus gebaut.

Stadt des Travertins

…und dieser Travertin ist wirklich überall. Die Stadt wird deshalb auch gerne als Stadt des weißen Steins bezeichnet. Gewonnen wurde er unter anderem in dem kleinen Städtchen Acquasanta Terme, das wir auch besucht haben.

Unser Spaziergang beginnt beim alten Lavatoio

Am Weg zu unserer Unterkunft Antico Borgo Piceno sahen wir gleich ein ungewöhnliches Gebäude, von dem ich inzwischen weiß, dass es sich um den Tempietto di Sant’ Emidio Rosso handelt. Diese kleine Kirche ist dem Stadtheiligen gewidmet, der genau hier enthauptet worden sein soll.

Tempietto di Sant' Emidio Rosso
Tempietto di Sant’ Emidio Rosso
Lavatoio pubblico
Lavatoio pubblico

Unser B&B lag direkt neben dem Lavatoio pubblico, dem ehemaligen öffentlichen Waschplatz. Viel besser hätten wir für unseren ersten Ascoli-Besuch eigentlich gar nicht wohnen können.

Von hier aus gingen wir über die Brücke über den Fluss Castellano und durch die Porta Solestà in die historische Altstadt.

Blick von der Ponte Augusteo
Porta Solesta

Schon dieser erste Weg hat mir gefallen. Kein großes „Jetzt kommt die Sehenswürdigkeit“, sondern einfach losgehen und schauen.

…und schauen sollte man immer und überall genau! Denn hier über dem Tor seht ihr die Stadtwappen von Ascoli und Fermo, die an den Frieden von 1450 erinnern sollen. Wobei das Tor selbst schon 1230 errichtet wurde.

Stadtwappen von Ascoli und Fermo

Doch geht nicht gleich weiter, sondern seht euch in den Gassen hinter dem Tor zuerst einmal um. Ein perfekter Foto-Spot!

Collage Ascoli Piceno Borgo Solesta

Piazza Ventidio Basso

Nach dem Stadttor kamen wir zur Piazza Ventidio Basso. Der Platz ist nach dem römischen Feldherrn Ventidius Bassus benannt, der aus Ascoli stammte und im 1. Jahrhundert v. Chr. zu einem bedeutenden Heerführer aufstieg.

Collage Ristorante Il capriccio degli dei
Ristorante Il capriccio degli dei

Heute geht es hier gemütlich zu. Rund um den Platz findet ihr eine Cocktailbar mit Restaurant sowie die Kirchen S. Pietro Martire und SS. Vincenzo e Anastasio. In letzterer sollen in den 64 Kassetten der Fassade Fresken gewesen sein.

Piazza Ventidio Basso

Wir haben uns hier einfach umgesehen und sind anschließend weiter Richtung Piazza del Popolo, dem Hauptplatz, gegangen. Jedoch nicht ohne vorher noch den Eingang vom hiesigen Theater bewundert zu haben, das ebenso nach dem römischen Feldherrn benannt ist.

Teatro in Ascoli Piceno

Piazza del Popolo

Der Platz ist das Herz der Altstadt und gehört für mich zu den Orten, bei denen man sich ruhig ein wenig Zeit lassen darf. Rundherum stehen die Kirche San Francesco, die Loggia dei Mercanti und der Palazzo dei Capitani del Popolo. Die einheitlichen Travertin-Portiken geben dem Platz sein charakteristisches Aussehen.

Piazza del Popolo by night

Ich habe das rege Treiben wirklich genossen und würde mir wünschen, dass das in meiner Heimatstadt am Abend auch so wäre…

Chiesa di San Francesco

Direkt an der Piazza del Popolo steht die beeindruckende Franziskanerkirche | San Francesco. Der Bau begann Ende des 13. Jahrhunderts und wurde über mehrere Jahrhunderte erweitert.

Besonders markant sind die drei gotischen Portale (um die Ecke an der Via del Trivio) und ein Seitenportal direkt an der Piazza. Die elegante Loggia dei Mercanti, die sich an der Südseite der Kirche und Kloster anschließt, dürft ihr auch nicht übersehen.

Für mich gehört San Francesco zu den Gebäuden, die man bei einem ersten Rundgang durch Ascoli einfach gesehen haben muss.

San Francesco Collage

Wenn ihr beim Haupteingang im unteren Bereich auf die dekorativen Säulen, die wie Orgelpfeifen aussehen, klopft, sollen doch tatsächlich Töne erklingen. Ich habe es nicht versucht und falls ihr das macht, nehmt nur die Hand, denn alles andere ist zum Schutz des Materials verboten.

Palazzo dei Capitani

Der Palazzo dei Capitani hat dabei eine ziemlich bewegte Geschichte. Er geht auf mehrere mittelalterliche Gebäude zurück und wurde im Laufe der Jahrhunderte immer wieder verändert. Heute erkennt man noch die mittelalterliche Struktur mit dem markanten Turm.

Palazzo dei Capitani

Im Inneren gibt es sogar einen archäologischen Rundgang, bei dem verschiedene historische Bodenschichten sichtbar gemacht wurden.

Palazzo dei Capitani del Popolo Collage

Im Grunde könnt ihr euch in die Mitte des Platzes stellen und einmal um die eigene Achse drehen. Es ist wirklich in jeder Richtung garantiert, dass ihr Schönes seht!

Auch wenn man sich nicht ausführlich mit seiner Geschichte beschäftigt, lohnt sich eine Pause hier schon allein wegen des Platzes selbst. Und dann gibt es noch das berühmte Kaffeehaus, das bis zum nächsten Tag auf unseren Besuch warten musste.

Loggia der Händler
Elena auf Piazza del Popolo

Bevor wir am Abend unseren Spaziergang beendet haben, stand noch etwas ganz Wichtiges auf dem Programm: Abendessen. Wir waren im “C’era una volta” und haben dort sehr gut gegessen. Falls ihr das Lokal sucht, es ist genau links hinter den Arkaden vom Sala Cola dell’Amatrice.

Lokale Sala Cola Dell Amatrice

Doch auch nach dem Abendessen gab es noch eine Überraschung für uns: Im großen Kreuzgang der Kirche San Francesco gab es eine Darbietung, die wir nicht ignorieren konnten. Die beiden Männer waren wirklich gut!

Shopping und weiter durch die Altstadt

Am nächsten Vormittag sind wir noch einmal losgezogen. Diesmal ging es zunächst durch die Einkaufsstraßen von Ascoli Piceno. Auch das gehört für mich zu einer Stadtbesichtigung dazu. Schließlich möchte ich nicht nur die historischen Plätze sehen, sondern auch ein bisschen den italienischen Mode-Alltag erleben und das ist in den Gassen rund um den Hauptplatz Piazza del Popolo sehr einfach.

Stirnseite Piazza del Popolo

Aber natürlich führte unser Weg wieder vorbei an einigen der wunderbaren historischen Gebäude.

Prefettura di Ascoli Piceno
Prefettura di Ascoli Piceno
Palazzo del Governo
Palazzo del Governo

Unser nächstes wichtiges Ziel war quasi um die Ecke.

Piazza Arringo und die Kathedrale

Der Dom ist dem Heiligen Emidius von Ascoli geweiht.

Duomo di Sant Emidio e Battistero

Ihr müsst unbedingt nicht nur hineingehen, sondern auch hinUNTER.

Krypta Duomo Ascoli

Die Krypta ist sensationell – eine der bedeutendsten in Italien. Es gibt Reliquien des Namensgebers Emidio,

Sarkophag von Costanzo Malaspina

aber mich hat der Sarkophag von Capitano Costanzo Malaspina mehr interessiert. Frauen mit Kinderwunsch sollen seine Lenden berührt haben, um rascher schwanger zu werden.
Der damalige Bischof hat dann die heikle Stelle etwas abflachen lassen, was man auch heute noch gut erkennen kann.

Gänge in der Krypta von Ascoli
Gerne wäre ich auch in die abgesperrten Gänge gegangen, aber ich musste meine Neugier zügeln.
Schutz und Segen
Wie in vielen Kirchen findet ihr auch hier eine Box mit Bitt-Zetteln um Schutz und Segen für die Familie.

Überrascht hat mich die Krippe, die hier offensichtlich ganzjährig zu bewundern ist.

Krippe im Dom von Ascoli

Aber blickt unbedingt auch zur Decke, nehmt euch Zeit für einen Rundgang und besonders beim Polyptychon von Carlo Crivelli seht ihr ausgesprochen viele Details.

Kreuzgewölbe im Dom Ascoli
Polittico di Ascoli Piceno

Sant’Emidio ist übrigens nicht irgendein Heiliger für Ascoli. Er ist der Stadtpatron und wird besonders mit dem Schutz vor Erdbeben verbunden.

Der Dom steht an der Stirnseite der Piazza Arringo, dem ältesten Platz der Stadt.

Piazza Arringo

Rund um den Platz befinden sich weitere bedeutende Gebäude, darunter der Palazzo dell’Arengo mit der städtischen Pinakothek. Ebenfalls hier auf dem Platz befindet sich das Museo archeologico statale. Besonders gefallen hat mir aber der Brunnen mit ganz besonderen Seepferdchen!

Wer sich für Kunst interessiert, sollte dafür etwas Zeit einplanen. Zu den Beständen gehören unter anderem Werke der venezianischen und der Marken-Schule.

Innenhof vom Palazzo dell Arengo
Kutsche im Palazzo dell Arengo

⇒ Hier findet ihr auch die Touristen-Information.

Für uns war dieser Platz ein wichtiger Punkt auf unserem Vormittagsspaziergang. Und spätestens hier wurde mir klar, dass ich Ascoli Piceno nicht einfach mit einer Liste von Sehenswürdigkeiten abhaken möchte. Dafür gibt es zu viel zu entdecken.

Trotz meiner Liebe zur Kunst, Architektur und Geschichte(n) verlasse ich eine Stadt selten ohne Kaffeepause.

Das Caffè Meletti

Das historische Kaffeehaus im Liberty-Stil wurde 1907 eröffnet und ist bis heute eine der bekanntesten Adressen der Piazza. Drinnen könnt ihr Thonet Stühle und eine sensationelle Wendeltreppe bewundern. Draußen könnt ihr das Treiben auf dem Platz beobachten und nebenbei daran denken, wie viele Generationen hier schon ihren Kaffee getrunken und die kleinen Leckereien genossen haben.

Das Caffè ist außerdem für den Anislikör Anisetta Meletti bekannt, aber den habe ich nicht getestet.

Meletti Collage

Natürlich gehören zu Ascoli Piceno auch die berühmten Olive all’ascolana. Die gefüllten und frittierten Oliven sind eine der bekanntesten Spezialitäten der Stadt. Die könnt ihr quasi an jeder Ecke verkosten und das zu einem moderaten Preis.

Die Quintana: Wenn Ascoli ins Mittelalter reist

Wer Ascoli Piceno im Sommer besucht, kann mit etwas Glück eine ganz besondere Seite der Stadt erleben: die Quintana. Die historische Veranstaltung wurde 1955 wiederbelebt und wird von den sechs Sestieri, den historischen Stadtteilen Ascolis, getragen.

Wappenbanner der Sestieri

Im Mittelpunkt stehen zwei große Ritterturniere im Juli und August. Sechs Reiter, jeweils einer für einen Sestiere, treten dabei gegeneinander an und versuchen, mit ihrer Lanze möglichst präzise den Schild des Sarazenen zu treffen. Dazu gehört ein großer historischer Umzug mit rund 1.500 Mitwirkenden in aufwendig gestalteten Kostümen.

QuintanaDie Quintana besteht allerdings aus weit mehr als den beiden Turniertagen. Schon ab Juni gibt es Veranstaltungen und die Stadt wird damit über mehrere Wochen zur Bühne für ihre mittelalterliche Geschichte.

Besonders gut durchdacht finde ich, dass dabei nicht nur irgendwo auf einem Festplatz etwas aufgeführt wird. Der historische Umzug startet in der Piazza Ventidio Basso und zieht durch die Altstadt zum Campo dei Giochi. Genau dort sind auch wir bei unserem ersten Spaziergang unterwegs gewesen.

Wenn ich nach Ascoli zurückkomme, möchte ich die Stadt deshalb einmal zu dieser besonderen Zeit erleben.

War das wirklich schon alles?

Nein, definitiv nicht, aber ein Anfang! Viele der Sehenswürdigkeiten müssen auf meinen nächsten Besuch warten. Ich möchte euch auch nicht vorenthalten, dass es selbst für ältere Gäste Möglichkeiten gibt, diese wunderbare Stadt zu besichtigen.

Ascoli Tour

Zum Beispiel möchte ich mir unbedingt Zeit für die Forte Malatesta nehmen. Wir haben bei diesem Besuch nichts erkundet, was sich außerhalb des eigentlichen Zentrums befindet.

Ankunft in Ascoli PicenoUnd es gibt noch zahlreiche kleinere Straßen, Plätze und Gebäude, bei denen man vermutlich erst beim zweiten oder dritten Durchgang merkt, was man beim ersten Mal übersehen hat.

Falls ihr einen Tipp habt, was ich in Ascoli Piceno beim nächsten Besuch auf keinen Fall übersehen darf, dann schreibt es mir bitte in die Kommentare.

Tanti Saluti
Elena


Offenlegung:

Dies ist ein rein redaktioneller Beitrag ohne Gegenleistung oder Auftrag. Über das hilfreiche Informationsmaterial, das ich bei der Touristeninformation erhalten habe, bin ich sehr dankbar. Es hat mir das Schreiben des Artikels sehr erleichtert.


 

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