Eine Stadt am Hügel und ein Heiliger, der Assisi bis heute prägt
Assisi sieht man schon von Weitem.
Wenn man sich der Stadt nähert, liegt sie am Hang des Monte Subasio und hebt sich deutlich von der umbrischen Landschaft ab. Helle Häuser ziehen sich den Hügel hinauf, dazwischen Türme und Kirchen. Und natürlich erkennt man immer deutlicher die mächtige Basilika San Francesco.

Ich war gemeinsam mit meiner Mutter zu ihrem 80. Geburtstag dort. Und vielleicht habe ich die Stadt gerade deshalb ein wenig anders erlebt als bei einem Besuch, bei dem man möglichst viele Sehenswürdigkeiten an einem Tag unterbringen möchte. Wir sind es langsam angegangen.
Denn Assisi ist keine Stadt, die man einfach abhakt.
Auch wenn die Basilika des heiligen Franziskus zweifellos der Höhepunkt eines Besuchs ist, möchte ich Euch zuerst die Stadt zeigen.

Assisi: mehr als eine Pilgerstadt
Assisi ist heute untrennbar mit Franziskus und Klara verbunden. Menschen aus aller Welt kommen hierher, um die Kirchen zu besuchen, zu beten oder auf den Spuren der beiden Heiligen durch die Stadt zu gehen.

Aber Assisi ist viel älter. Schon die Römer hinterließen hier ihre Spuren. Das antike Asisium entwickelte sich später zu einer mittelalterlichen Stadt, deren Struktur bis heute gut erkennbar ist. Wer durch die Gassen geht, begegnet deshalb nicht nur Franziskus, sondern vielen Jahrhunderten Geschichte.

Mit der Rolltreppe hinauf ins Zentrum
Wir waren mit dem Auto unterwegs und hatten eine Parkgarage beim Zentrum gewählt. Mit meiner Mutter war das für mich eine wichtige Überlegung. Assisi liegt nun einmal am Hang und die mittelalterlichen Gassen sind nicht unbedingt das, was man bequem nennen würde.


Umso mehr hat mich überrascht, wie gut die Stadt mit diesem Höhenunterschied umgeht. Von der Garage ging es mit Aufzug beziehungsweise Rolltreppen weiter in Richtung Zentrum.

Man steigt aus dem Auto und muss nicht erst einen steilen Anstieg bewältigen, bevor der Stadtbesuch überhaupt beginnt.
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Gerade für ältere Menschen ist das etwas, das einen großen Unterschied machen kann.
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Für uns jedenfalls war es angenehm, und schon kurz darauf standen wir mitten in Assisi.
Die Piazza del Comune
Das Herz der Stadt ist die Piazza del Comune. Hier zeigt sich besonders schön, wie viele Jahrhunderte in Assisi übereinanderliegen.
Mitten auf dem Platz steht der Tempio di Minerva, ein römischer Tempel aus dem 1. Jahrhundert vor Christus. Seine sechs korinthischen Säulen sind erstaunlich gut erhalten und bilden einen faszinierenden Kontrast zu den mittelalterlichen Gebäuden rundherum.


Auch Santa Maria sopra Minerva hat mich innen überrascht.

Neben dem Tempel befinden sich unter anderem der Palazzo del Capitano und der Torre del Popolo.

Das Tourismusbüro befindet sich ebenfalls an diesem Platz. Auch wenn Ihr kein Informationsmaterial braucht, schaut ruhig hinein. Schon die Räume selbst sind sehenswert.


Wer Assisi nur als Wallfahrtsort betrachtet, übersieht schon hier einen wesentlichen Teil seiner Geschichte.
Fontana dei Tre Leoni
Mitten auf der Piazza del Comune steht ein Brunnen, den man leicht übersieht. Vielleicht sitzt Ihr gerade im Café daneben, schaut auf das Treiben rundherum und habt ihn trotzdem nicht wirklich im Blick: die Fontana dei Tre Leoni.
Ihre heutige Form bekam die Brunnenanlage im 18. Jahrhundert, eine öffentliche Quelle gab es hier aber schon seit kurz nach 1300. Und auch die drei steinernen Löwen sind nicht einfach nur Dekoration. Sie erinnern an die drei Stadtviertel, in die Assisi im 16. Jahrhundert geteilt wurde.

Ich mag solche kleinen Dinge, die man bei einem ersten Besuch fast übersieht und erst später richtig wahrnimmt. Gerade auf einer Piazza wie dieser, wo die großen Bauwerke unweigerlich die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Dabei lohnt es sich manchmal, einfach kurz stehen zu bleiben und sich einmal um die eigene Achse zu drehen. Man weiß nie, was einem sonst entgeht.
Durch die Gassen von Assisi
Am schönsten ist Assisi für mich dort, wo gerade keine große Sehenswürdigkeit auf dem Programm steht: in den Gassen.


Zwischen den Häusern aus dem hellen Stein des Monte Subasio, an kleinen Plätzen und vor liebevoll dekorierten Türen und Fenstern kann man sich wunderbar treiben lassen, wenn man nicht gerade einer Reisegruppe hinterherläuft.
Allerdings muss ich sagen, dass mich die vielen Menschen gestört haben. Und das, obwohl wir im April unterwegs waren.

Vielleicht war es naiv, mir Assisi etwas ruhiger vorgestellt zu haben.
Vor allem rund um die großen Sehenswürdigkeiten waren die vielen Touristen deutlich zu spüren.
Das gehört natürlich zu einem Ort, der so viele Menschen anzieht.
Trotzdem hätte ich die Stadt gerne einmal in einem ruhigeren Zustand erlebt.
Klara von Assisi
Wenn von Assisi gesprochen wird, fällt fast automatisch der Name Franziskus. Mir ging es da nicht anders. Dabei gehört zu dieser Stadt noch ein zweiter Name, den ich mindestens genauso wichtig finde: Klara.

Klara von Assisi wurde 1193 in eine wohlhabende Adelsfamilie geboren. Mit gerade einmal 18 Jahren entschied sie sich gegen das Leben, das für eine junge Frau ihrer Herkunft vorgesehen war. Sie wollte weder eine standesgemäße Ehe noch den damit verbundenen Wohlstand, sondern ein Leben nach dem Evangelium in Armut und Hingabe an Christus.

Ein neuer Orden wird gegründet
Von Franziskus ließ sie sich inspirieren, doch Klara war weit mehr als eine Gefährtin. Sie gründete in San Damiano ihre eigene Gemeinschaft, aus der später der Orden der Klarissen hervorging. Gemeinsam mit ihren Schwestern kämpfte sie darum, ihr Leben tatsächlich in radikaler Armut führen zu dürfen.
1253, kurz vor ihrem Tod, wurde ihre eigene Ordensregel von Papst Innozenz IV. bestätigt. Klara war damit die erste Frau in der Kirchengeschichte, die eine eigene Ordensregel verfasste.

Das beeindruckt mich auch ganz persönlich. Als Frau und Katholikin sehe ich in Klara nicht einfach eine Frau an der Seite des berühmten Franziskus.
Sie hatte ihren eigenen Weg, ihre eigene Überzeugung und offenbar auch die nötige Hartnäckigkeit, diesen Weg gegen Widerstände zu verteidigen.
Vielleicht wird sie deshalb bis heute manchmal unterschätzt. Für mich gehört sie genauso zu Assisi wie Franziskus.
Die Kirche entstand im 13. Jahrhundert und gehört mit ihrer gestreiften Fassade zu den markanten Bauwerken der Stadt.

Ich durfte auch innen fotografieren und konnte mir die Basilika dadurch sehr genau ansehen.

Ihr Grab und das berühmte San-Damiano-Kreuz solltet Ihr auf keinen Fall auslassen.

Weiter geht's zu San Francesco
Nachdem wir nun durch die Stadt spaziert sind, kommen wir wie ALLE irgendwann zur Basilika des heiligen Franziskus. Doch darüber berichte ich Euch schon demnächst in einem eigenen Artikel!
Souvenir
Nachdem wir nun durch Assisi spaziert und auch in der Basilika gewesen sind, darf natürlich eine kleine Erinnerung an den Besuch nicht fehlen. In den Geschäften findet Ihr religiöse Souvenirs in allen möglichen Varianten und Preisklassen.

Ich persönlich nehme allerdings lieber etwas Essbares mit nach Hause: Vino, Pasta oder Kekse. Zum Beispiel Mostaccioli, die der heilige Franziskus besonders geliebt haben soll.

San Pietro und Umgebung
Auf dem Rückweg von der Basilica di San Francesco zu unserem Parkhaus bin ich an der Piazza San Pietro vorbeigekommen. Und plötzlich hatte ich wieder diesen Moment, den ich nicht nur an Assisi so mag: Man ist eigentlich schon auf dem Weg zum Auto und entdeckt trotzdem noch etwas, das man unbedingt fotografieren möchte. Die romanische Kirche San Pietro hat mir sofort gefallen.

Die Abbazia di San Pietro gehört zu den älteren Kirchen von Assisi. Bereits 1029 wird hier ein Benediktinerkloster erwähnt, die heutige Kirche entstand allerdings im 13. Jahrhundert. Mehr muss man darüber gar nicht wissen. Mir hat schon der Blick von der Piazza gereicht; hineingegangen sind wir nach dem anstrengenden Tag nicht mehr.

Falls Ihr Glück habt, könnt Ihr hier (Parcheggio Giovanni Paolo II) übrigens auch parken.
Allerdings ist durch die Nähe zur Basilica di San Francesco nicht unbedingt damit zu rechnen, dass gerade ein Platz frei ist. Wir sind deshalb die Via Borgo San Pietro rund einen Kilometer bis zu unserem Parkhaus Saba Mojano gegangen.
Würde ich noch einmal nach Assisi fahren?
Ja, würde ich, obwohl mir die vielen Touristen damals teilweise zu viel waren. Ich habe noch einige Gründe für einen zweiten Besuch.
Viele andere Sehenswürdigkeiten habe ich nicht oder nur oberflächlich besucht, weil ich vor allem von den Fresken der Basilika beeindruckt war.

Außerdem hatte ich mir Assisi kleiner vorgestellt. Ich hatte nicht mit so vielen anderen schönen Kirchen gerechnet, die leider im Schatten von San Francesco stehen. Sogar die Kathedrale San Rufino haben wir ausgelassen, weil wir uns in diesem Stadtteil für Santa Chiara entschieden haben.
Da das Wetter etwas unbeständig war, wie Ihr auf manchen Bildern sehen könnt, war es mir zu gefährlich, mit meiner Mutter rutschige, teils steile Pflasterstraßen und Treppen zu gehen. Rocca Minore und Rocca Maggiore (ca. 1 km auseinander) hätte ich wirklich beide gern besichtigt.
Etwas außerhalb des historischen Zentrums liegt die Basilika Santa Maria degli Angeli. In ihrem Inneren befindet sich die kleine Porziuncola, jener Ort, an dem Franziskus lebte, betete und den Grundstein für seine Gemeinschaft legte. Nach den schweren Schäden durch das Erdbeben von 2016 wurde die Basilika umfassend restauriert. Sie ist zwar seit März 2025 wieder eröffnet, aber einige der Arbeiten dauern noch an.

Und dann gibt es da noch etwas:
Ich möchte Assisi bei Nacht sehen. Ich frage mich, wie diese Stadt wirkt, wenn die Reisebusse verschwunden sind und die Tagesbesucher die Stadt verlassen haben. Sind die Gassen dann tatsächlich fast leer? Wird Assisi dann wieder ein wenig mehr zu jener mittelalterlichen Stadt am Hügel, die sie ohne ihren weltweiten Ruhm vielleicht wäre?
Ich weiß es nicht. Aber ich würde es gerne herausfinden.
Tanti Saluti
Elena
Offenlegung
Dieser Artikel wurde nicht bezahlt und nicht in Auftrag gegeben. Er beschreibt ausschließlich meine persönlichen Eindrücke.
