Assisi: Auf den Spuren des heiligen Franziskus

Franz von Assisi

2026 ist ein besonderes Jahr, um an diesen Ort zu denken. Vor ~800 Jahren, am 3. Oktober 1226, starb Franziskus von Assisi.

Sein Name ist heute auf der ganzen Welt bekannt, und kaum ein anderer Heiliger ist so eng mit einem Ort verbunden wie Franziskus mit Assisi.

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Franziskus; Francesco; Francis
Nordquerhaus, Ostwand
San Francesco, Unterkirche, Assisi, Italien
B11W1774

Ohne Franziskus wäre Assisi vermutlich eine dieser wunderschönen italienischen Städte am Hang, die man irgendwann auf einer Reise entdeckt und sich denkt: Warum kennen eigentlich so wenige Menschen diesen Ort? Nun, Assisi kennt man. Und zwar wegen Franziskus.

Wir gehen zu San Francesco

Egal welche Route ihr durch Assisi nehmt – irgendwann führt der Weg in Richtung Westen und die Basilika des heiligen Franziskus rückt immer näher. Ich hatte sie natürlich schon von Weitem gesehen. Aus der Nähe ist die Anlage aber noch einmal etwas völlig anderes. Dann steht man plötzlich vor San Francesco.

Oberkirche S. Francesco di Assisi

Die Basilica di San Francesco mit dem angrenzenden Sacro Convento gehört zu den berühmtesten religiösen Bauwerken Italiens.

Die Kirche besteht aus einer Unterkirche und einer darüberliegenden Oberkirche, die im 13. Jahrhundert entstanden.

Wer war Franz von Assisi?

Bevor wir hineingehen, ein paar Worte über den Mann, dessen Namen mit diesem Ort untrennbar verbunden ist.

Franziskus wurde im Sommer 1182 in Assisi als Giovanni di Pietro di Bernardone geboren. Sein Vater war ein wohlhabender Tuchhändler. Der junge Giovanni wuchs also keineswegs in Armut auf. Im Gegenteil.

Er hatte eine privilegierte Jugend und träumte zunächst von einem Leben als Ritter.

Trauriger Ritter Giovanni di Pietro di Bernardone

Doch verschiedene Erfahrungen, darunter eine Kriegsgefangenschaft und eine schwere Erkrankung, veränderten ihn. Nach und nach wandte er sich von seinem bisherigen Leben ab und einem einfachen Leben zu.

Aus Giovanni wurde Francesco.

Er entschied sich für Armut, für die Nachfolge Christi und für ein Leben nach dem Evangelium. Andere Menschen schlossen sich ihm an. Daraus entstand schließlich der Franziskanerorden.

Nur wenige Jahre nach seinem Tod war die Basilika, die wir heute besuchen können, bereits im Bau. Und hier kommt ein Gegensatz ins Spiel, den ich interessant finde:

Oberkirche innen S. Francesco di Assisi

Ein Mann, der freiwillig auf Besitz und Reichtum verzichtete, bekam nach seinem Tod eine der kunstvollsten Kirchen Italiens.

Die Basilika San Francesco

Die Basilika ist nicht einfach nur eine Kirche. Sie ist ein ganzer Komplex aus Unterkirche, Oberkirche, Krypta mit Grabstätte, Sacro Convento und Kreuzgang.

Basilica di S. Francesco Assisi

Die Außenansicht ist vor allem mit etwas Abstand beeindruckend.
Auch auf notwendige Nebenräume wie WC und Souvenir-Shop wurde nicht verzichtet.

zu den Toiletten S. Francesco di Assisi

Die Unterkirche

Die Unterkirche wurde ab 1228 errichtet, unmittelbar nach der Heiligsprechung des Franziskus. Sie ist dunkler, schwerer und beinahe gedrungen. Spätromanische Elemente erzeugen eine besondere Stimmung.

Portal Unterkirche S. Francesco Assisi

1230 wurde sein Leichnam hierher überführt, 1253 war die Oberkirche fertiggestellt. Schon diese wenigen Jahreszahlen zeigen, mit welcher Geschwindigkeit damals gebaut wurde.

Unterkirche S. Francesco Papstaltar unter Kreuzgewölbe
Unterkirche S. Francesco Papstaltar unter Kreuzgewölbe

Das Grab des Franziskus

In der Unterkirche befindet sich auch das Grab des heiligen Franziskus. Für viele Besucher ist dieser Ort der eigentliche Mittelpunkt ihres Besuchs.

Grab von S. Francesco

Ich bin katholisch und Franziskus hat mich ebenso wie Klara beeindruckt. Deshalb gehört für mich auch diese religiöse Ebene zu diesem Besuch.

Man muss nicht katholisch sein, um die Bedeutung dieses Ortes zu verstehen. Aber man sollte den Glauben anderer Menschen respektieren.

Die Oberkirche und ihre Bilder

Und dann bin ich in die gotische Oberkirche gekommen. Plötzlich ist alles heller. Die Architektur wirkt leichter, der Raum öffnet sich nach oben und die großen Fresken bestimmen den gesamten Eindruck. Die Fresken erzählen das Leben des Franziskus.

Fesken Oberkirche S. Francesco Assisi mit Altar

Und genau das macht sie auch für Menschen interessant, die mit Kunstgeschichte sonst vielleicht nicht viel anfangen können. Ich kann und will Euch nicht erklären, aus welchem Jahr jedes einzelne Bild stammt. Man kann einfach der Geschichte folgen, von der wir alle irgendwann einmal gehört haben.

Franziskus, die Armen und die Tiere

Franziskus begegnet Armen und Aussätzigen. Er entscheidet sich für ein anderes Leben, seine Gemeinschaft wächst und der Orden wird anerkannt. Seine Geschichte führt ihn sogar bis zu einer Begegnung mit dem Sultan. Und am Ende steht der Tod des Heiligen. Das Leben eines Menschen wird hier zu einer Geschichte an den Wänden.

Franziskus ist vielen von uns vor allem für seine besondere Beziehung zu Tieren und zur Natur bekannt. Für ihn gehörten alle Geschöpfe zur Schöpfung Gottes. Berühmt sind die Geschichten von seiner Predigt zu den Vögeln und vom Wolf von Gubbio, mit dem er Frieden geschlossen haben soll. Auch sein „Sonnengesang“ zeigt diese Verbundenheit mit der Schöpfung. Deshalb gilt Franziskus heute als Schutzpatron der Tiere und des Umweltschutzes.

Giotto und die Frage, wer was gemalt hat

Bei der berühmten Franziskus-Legende der Oberkirche lohnt sich ein genauerer Blick. Giotto beziehungsweise seine Werkstatt, Cimabue, Pietro Lorenzetti und weitere bedeutende Künstler haben hier gearbeitet. Die Basilika wurde damit zu einem der wichtigsten Orte für die Entwicklung der italienischen Malerei.

Bestätigung der Franziskanerregel
Bestätigung der Franziskanerregel

Traditionell werden die 28 Szenen des Franziskus-Zyklus Giotto zugeschrieben, ganz sicher ist diese Zuschreibung allerdings nicht. Das finde ich eigentlich ganz sympathisch. Manchmal müssen wir eben mit Wahrscheinlichkeiten leben.

Eine der bekanntesten Abbildungen ist jedoch die Vogelpredigt. Viele von Euch werden das irgendwo schon einmal gesehen haben. Hier in der Basilika könnt ihr das Original sehen.

Vogelpredigt von Giotto
Franziskus predigt den Vögeln – San Francesco – Oberkirche – Assisi – Italien – Franziskuslegende – Giotto

Was ich bei solchen Orten immer schwierig finde, ist die Balance zwischen Kunstgeschichte und dem eigenen Erleben. Natürlich könnte ich Euch erklären, welcher Künstler welches Fresko geschaffen hat. Aber ich möchte Euch vor allem eines sagen: Schaut Euch diese Kirche selbst an.

Die Bilder sind beeindruckend und erzählen eine Geschichte, die man auch ohne kunsthistorisches Studium verstehen kann. Ich kann und will euch nur eine kleine Auswahl zeigen, denn wenn man davor steht ist es einfach nur magisch!

Ein Beispiel dazu ist:  Das Gebet des Hl. Franziskus in San Damiano

Gebet des Hl. Franziskus in San Damiano
Franziskus betet vor dem Kreuz in San Damiano
San Francesco – Oberkirche – Assisi – Italien – Franziskuslegende – Giotto

Das Erdbeben

Wenn man heute durch die Basilika geht, sieht man kaum noch, wie sehr dieser Ort vor nicht allzu langer Zeit gefährdet war. Am 26. September 1997 erschütterte ein schweres Erdbeben Umbrien und traf auch Assisi schwer.

Besonders dramatisch waren die Schäden an der Oberkirche von San Francesco. Ein Teil des Gewölbes stürzte ein, bedeutende Fresken wurden beschädigt oder zerstört. Die anschließende Restaurierung war eine gewaltige Aufgabe.

Tausende Fragmente mussten geborgen, zugeordnet und wieder zusammengesetzt werden. Restauratoren arbeiteten unter enormem Zeitdruck daran, möglichst viel zu retten.

Wenn man heute die Oberkirche betritt, ist es kaum vorstellbar, dass hier vor weniger als drei Jahrzehnten ein Teil des Gewölbes eingestürzt ist.

Details Säule S. Francesco Assisi

Vielleicht ist das einer der Gründe, warum ich bei solchen historischen Gebäuden inzwischen noch genauer hinschaue. Wir glauben oft, Geschichte sei etwas, das längst passiert ist. Dabei kann sie verloren gehen.

Der Kreuzgang

Zur Anlage gehört auch der Kreuzgang des Sacro Convento. Hier wird die Verbindung zwischen Basilika und Kloster besonders deutlich.

Schmiedeeisengitter im Kreuzgang Assisi
Kreuzgang Assisi

Nach dem Trubel rund um die Kirche wirkt ein Kreuzgang wie ein angenehmer Gegenpol. Auch hier durfte ich fotografieren und habe von der gesamten Anlage reichlich Bilder mit nach Hause genommen.

Fotografieren in San Francesco

Normalerweise ist Fotografieren und Filmen in der Basilika nicht erlaubt. Umso dankbarer bin ich, dass mir bei meinem Besuch ausnahmsweise die Möglichkeit gegeben wurde, eigene Aufnahmen zu machen. Das ist für mich keine Selbstverständlichkeit.

Was mich während meines Aufenthalts besonders überrascht hat, war die starke Präsenz von Sicherheitskräften. Je länger ich darüber nachdachte, desto mehr verstand ich allerdings, dass ein Ort wie dieser geschützt werden muss.

Nicht nur vor Beschädigungen, sondern auch vor der Gedankenlosigkeit mancher Besucher. Ich möchte darüber gar nicht zu sehr urteilen. Jeder, der Kirchen besucht, hat seine eigene Vorstellung davon, was respektvoll ist. Selfies in eigenartigen Posen gehören für mich allerdings bestimmt nicht dazu.

Für mich jedenfalls war die Möglichkeit, hier fotografieren zu dürfen, etwas Besonderes. Dafür bin ich wirklich sehr dankbar.

Wer noch mehr von der Basilika sehen möchte, dem möchte ich ein besonderes Digitalisierungsprojekt empfehlen. Dieses Projekt macht die Kunst und Schönheit der Basilika auch jenen zugänglich, die selbst nicht nach Assisi reisen können.

Nehmt euch mehr Zeit als ich!

Das angeschlossene Museum, in dem ich auch mit Frater Thomas gesprochen habe, konnte ich bei meinem ersten Aufenthalt nicht so genau besichtigen, wie ich es gerne getan hätte.

Museo San Francesco di Assisi
Im Museum Franz von Assisi

Auch war ich von den unzähligen Bildgeschichten so beeindruckt, dass ich gar nicht alles aufnehmen konnte. Das allein sind schon 2 gute Gründe, noch einmal nach Assisi zu fahren.

Assisi ist nicht nur San Francesco

Vielleicht ist das der wichtigste Gedanke, den ich Euch von meinem Besuch mitgeben möchte: Wenn Ihr nach Assisi kommt, besucht die Basilika des heiligen Franziskus. Unbedingt!

Aber geht danach nicht einfach wieder zum Bus oder Eurem Auto. Bleibt in der Stadt. Schaut Euch Santa Chiara an, geht zur Piazza del Comune und zum Tempel der Minerva. Schlendert durch die Gassen, schaut Euch die Häuser an und bleibt einfach einmal stehen.

Assisi, die Basilika San Francesco und andere franziskanische Stätten sind seit dem Jahr 2000 UNESCO Weltkulturerbe.

Blick auf Assisi

Denn Assisi ist nicht bloß der Ort, an dem Franziskus begraben liegt. Assisi ist seine Stadt und Klara gehört genauso dazu. 

Tanti Saluti

Elena


Offenlegung

Dieser Artikel wurde weder bezahlt noch in Auftrag gegeben. Er beschreibt meine persönlichen Eindrücke und Erfahrungen.

Die drei gekennzeichneten Fotos von Kunstwerken in der Basilika San Francesco wurden mir von fra Thomas Freidel OFM Conv., Pilgerseelsorger und Museumsdirektor in Assisi, freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür und auch für die zusätzlichen Informationen, die ich per Mail erhalten habe.

Für die Möglichkeit, in der Basilika San Francesco ausnahmsweise fotografieren zu dürfen und meine eigenen Bilder für diesen Artikel verwenden zu können, bin ich besonders dankbar.


 

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