Auf den Spuren der Liebe

Was könnte besser zum Jahrestag von „Verliebt in Italien“ passen als eine Stadt, die jedes Jahr geführte Besichtigungen mit dem Thema „Auf den Spuren der Liebe“ anbietet. Mit dabei unter anderem ein Besuch auf Schloss Runkelstein, die Bilderburg genannt. Man kann dort (nur wenige Kilometer von Bozen) den größten weltlichen Freskenzyklus des Mittelalters bewundern (mehr dazu in einem späteren Blogbeitrag).

Doch nicht nur am Valentins-Wochenende ist Bozen (ca. 100.000 Einwohner) einen Ausflug wert! Gut 3 Stunden entfernt von Salzburg entfernt – also nicht weiter als Wien – und schon mischt sich südliche Gelassenheit zu der Bodenständigkeit Tirols. Die Zweisprachigkeit ist allgegenwärtig; ¼ spricht Deutsch und ¾ sprechen Italienisch, wobei man mit Deutsch gut zurechtkommt.
Die Bundesstraße ist zwar wegen der Fahrtgeschwindigkeit und dem Blick auf unzählige Burgen zu bevorzugen, aber alle, die eine weitere Anreise haben, werden das aus Zeitgründen vielleicht nicht machen. Daher: Von der Autobahn kommend empfehle ich die Parkgarage Bozen Mitte P8 (Josef-Mayr-Nusser-Str.) zu wählen. Die Einfahrt ist definitiv nicht zu übersehen, der Preis ist fair (1,50/Std.) und es gibt charmant gekennzeichnete Frauenparkplätze. Da fühlt man sich doch gleich willkommen! Zugegeben, Frauenparkplätze gibt es auch in Österreich, aber die Kennzeichnung mit Herz hat uns wirklich besonders gut gefallen (warum fällt unseren Politikern so etwas Einladendes nicht ein?).
Wenige – wirklich nur wenige Minuten später (über die Südtiroler Straße) befindet man sich am Walther Platz, der nach Walther von der Vogelweide benannt wurde. Er gilt als der bedeutendste deutschsprachige Lyriker des Mittelalters.

Sein Denkmal steht dominant mittig am Platz und für mich ist es immer ein MUSS, den 1. Kaffee hier auf italienischen Boden zu trinken.

Die österreichischen Gastronomen können nichts dafür – es muss am Wasser oder der Umgebung liegen, Kaffee trinken in Italien ist einfach etwas anderes! Auf den Preisunterschied wollen wir jetzt gar nicht näher eingehen…

Nach dieser Stärkung, bei der man wunderbar den wunderschönen Dom von außen bewundern kann, gehe ich immer auch in den Dom hinein. Vorbei am romanischen Löwenportal sollte man sich diesen Anblick nicht entgehen lassen, da es sich um die erste gotische dreischiffige Hallenkirche der Architekturgeschichte handelt.

Der Dom ist bereits vor 1200 auf den Resten einer frühchristlichen Basilika errichtet worden, die noch 600 Jahre älter ist. Der Dom ist der Gottesmutter Maria, Patronin von Bozen, geweiht und dient nicht nur als Stadtpfarrkirche, sondern gehört zu den Kirchen mit den meisten Sitzplätzen im Alpenraum.

Doch nun weiter Richtung Innenstadt. Wer noch nie in Bozen war sollte am Waltherplatz schnell einen Abstecher ins Fremdenverkehrsbüro machen. Es liegen kostenlose Stadtpläne auf, die groß die wichtigsten Sehenswürdigkeiten eingezeichnet haben.

Als ersten empfehle ich sich rechts zu halten und über die Nord-Süd-Achse durch die Weintraubengasse zuerst den Rathausplatz anzusteuern. Man kommt vorbei an wunderschön bemalten Bürgerhäusern und gelangt zur Bindergasse mit dem historischen Hotel „Mondschein“. Hier befanden sich mehrere Wirtshäuser, von denen heute nicht mehr alle existieren. Ähnlich wie in Salzburg sind jedoch noch die geschmiedeten Schilder an den Hausmauern zu sehen. Fassbinder gibt es hier schon lange nicht mehr, jedoch gibt es mehrere Bäckereien, die ihre Waren wunderbar präsentieren.
Weiter geht es nach links durch die Dr. – Josef – Streiter – G. in Richtung Markt. Mir wurde vor einiger Zeit ‚mal gesagt: „Besuchen Sie den Cobo“, seither nutze ich meist die Gelegenheit, um bei den Fischbänken (sehr originelles Lokal) einen Aperitif zu trinken. Frisch gestärkt geht’s nun endlich weiter zum Markt – ein Genuss für Augen und Nase, den man sich nicht entgehen lassen sollte.
Wir haben diesmal 2 Gemüse gefunden, die bei uns absolut nicht verbreitet sind und ich bin derzeit auf der Suche nach Rezepten und Zusatzinformationen dazu.

Falls ich erfolgreich sein werde, werdet ihr es sicher hier lesen.

Wenn man hier trotz allen Versuchungen dem Obst- und Gemüsemarkt widerstanden hat, ist man beim Neptun-Brunnen angelangt, der im Volksmund „Gabelwirt“ genannt wird.

Hier kann man sich nämlich gleich daneben bei einem Stand an div. Kleinigkeiten stärken.

Für mich heißt das nun immer, eine Entscheidung zu treffen:

  • gehe ich shoppen in die Lauben oder
  • genehmige ich mir vorher ein Mittagessen beim „Vögele“ mit seiner rustikalen Gaststube. Aufmerksame Leser werden den Namen schon kennen.
Lassen wir also das Essen mal beiseite und wenden uns den Lauben zu. Einige wenige Gassen, die von Arkaden gesäumt werden und so auch bei Regen ungestörtes Einkaufsvergnügen ermöglichen. Verlaufen kann sich man sich in Bozen nur schwer – zu übersichtlich ist der Ortskern. Trotz aller Euphorie bei den unzähligen verlockenden Geschäften sollte man den Blick auch mal nach oben richten: Die prächtigen Altstadthäuser mit Ihren bemalten Fassaden und Erkern.

Auch wenn es in Südtirol kein Einkaufszentrum nach den üblichen Kriterien gibt, so kann man doch in Bozen in das „Centrum“ in der Galvanistraße und das „Twenty“ in der Bozner Galileistraße gehen. Ich jedoch halte es wie der ehemalige Bürgermeister: „Diese Stadt braucht kein Einkaufszentrum, sie hat zum Glück noch ein Zentrum.“ Und das Zentrum von Bozen ist wirklich voller Leben; man sieht kaum leere Geschäftslokale wie sonst oft in italienischen Kleinstädten.

Auch auf den Straßen tummeln sich viele Menschen und was uns bei meinem letzten Besuch besonders aufgefallen ist: Die Leute wirken gut gelaunt! Wir wurden total oft angelächelt und ich muss zugeben – wieder daheim in Salzburg wurde mir schnell klar, warum ich so gerne in den Süden fahre. Genießt also den Bummel durch die Lauben, egal ob mit oder ohne Shopping, wobei: ohne ist irgendwie auch blöd in Italien!
Im Anschluss an die Lauben (Arkadengänge) und deren Querstraßen wäre ein guter Zeitpunkt für einen Nachmittagskaffee. 2 am Tag gehen doch immer, oder? Wir schauen also, ob wir in der Gegend der Goethegassse bzw. Silbergasse ein Café finden, das uns anspricht und machen eine kurze Rast. Weiter geht’s dann quer über den Waltherplatz in die Raingasse zur Laurin Straße.
Bis jetzt habe ich immer darum gebeten, den Blick nach oben zu wenden, doch direkt vor Bozens Pracht-Hotel, dem „Laurin“ sollte man nach unten sehen: 100 in Bronze gegossene Begriffe und Worte, die in den Gehsteig vor dem Hotel eingelassen wurden, beschreiben Assoziationen zum Thema Reisen.

Wenn man zu lesen beginnt, vergeht die Zeit wie im Flug und jeder verbindet andere Gedanken mit den Wörtern. Ich habe das als eine sehr originelle Idee empfunden und für mich hat sich der Abstecher gelohnt.

Nun sind wir bei unserem Stadtrundgang gleich am Ende und gehen noch vorbei am Palais Widmann, dem Sitz der Südtiroler Landesregierung in Richtung Bahnhofsallee. Schon bald ist der Eingang zur Tiefgarage zu sehen und es kann wieder nach Hause gehen.

Dieser Stadtrundgang ist ganz leicht an einem Tag zu schaffen, sogar wenn man ein schnelles Mittag- und/oder Abendessen einnimmt. Kaffeepausen kann man in Italien sowieso zeitlich vernachlässigen, denn die stundenlange Kaffeehaus-Sitzerei ist etwas Österreichisches und um doch noch einmal auf den Preis zurückzukommen: ungefähr 2-3x kann man sich den duftenden Genuss hier leisten, verglichen mit unseren Preisen.

Update 2017:

Wer nun noch weitere Gründe braucht, um nach Bozen zu fahren, so möchte ich hier abschließend einige aufzählen:

  • Von 16.-18. März 2017: die Bozner Weinkost auf Schloß Maretsch
  • 07. Mai 2017: Frühlingsmarkt in der Claudia-Augusta-Straße
  • Am 1. Sonntag nach Fronleichnam (Corpus Domini): Herz-Jesu-Fest mit Bergfeuer
  • 30. Juni – 9. Juli 2017: Südtirol Jazz Festival in Bozen, Bruneck, Sterzing und Brixen

Letzteres würde sich für Liebhaber dieser Musikrichtung anbieten, um gleich einen 5-tägigen Südtiroler Kurzurlaub in Form einer kleinen Rundreise zu machen. Ich kenne jede der genannten Städte bzw. Dörfer bereits und alle 4 sind schön!

Ja, meine Lieben, das und je nach Zeit noch ein wenig mehr ist mein üblicher Bozen Spaziergang. Die Stadt, die in Ihrer Werbebotschaft auch Herz zeigt. Wer mehr lesen möchte findet viele weitere Informationen auf der Seite des Fremdenverkehrsverbandes Bozen.

Tanti Saluti – Elena

[googlerouteplaner=12]

 

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