Gastfreundschaft und Tradition seit über 100 Jahren
Meine beiden liebsten Regionen im Osten Italiens sind dicht gefolgt von meiner persönlichen Nummer drei: die Emilia Romagna. Da ich den östlichen Teil bereits gut kenne, war ein Besuch in Reggio nell’Emilia naheliegend.
Dank eines wunderbaren Zufalls habe ich Anfang 2025 eine äußerst kompetente Bewohnerin von Reggio Emilia kennengelernt. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass sich Donatella die Zeit genommen hat, mir ihre Stadt zu zeigen, die immerhin die drittgrößte der Region ist.

Doch nicht nur das: Sie hat mich auch mit Umberto Sidoli bekannt gemacht, einem Gastgeber und Hotelmanager aus einer Familie, die seit Generationen Gäste beherbergt.
Eine Familie, drei Gastbetriebe, eine Region
Was ich über die Familie Sidoli Terrachini erfahren habe, liest sich fast wie ein Familienepos: eine Hoteliers-Dynastie, verwurzelt in der Emilia Romagna und eng verbunden mit der Stadt.
Die Leitung liegt heute bei Umberto, der nicht nur Gastgeber ist, sondern auch leidenschaftlicher Bewahrer einer langen Familientradition. Das war in unseren Gesprächen deutlich zu spüren.
Hotel Posta – über fünf Jahrhunderte Gastlichkeit



Seit über einem Jahrhundert führen die Sidoli Hotels im Zentrum von Reggio Emilia.

Umberto Sidoli ist einer jener Gastgeber, der Gästen gerne persönlich bei einem Espresso Geschichten des Hauses erzählt. Auch ich hatte das Vergnügen! Er leistete mir beim Frühstück Gesellschaft und führte mich anschließend persönlich durch das Hotel Posta.
Falls ihr jemals die Gelegenheit dazu habt: Ein Blick in den Frühstücksraum im Liberty-Stil lohnt sich!

Die Murano-Luster, die Verzierungen und sogar die funktionstüchtigen, historischen Heizkörper machen diesen Raum zu etwas Besonderem.

Schon das Gebäude selbst, ein Palazzo aus dem 13. Jahrhundert mitten im Zentrum, ist beeindruckend. Für mich war es ein ungewohntes Gefühl, mitten in die ZTL (Zona a Traffico Limitato = verkehrsberuhigte Zone) zu fahren.
Doch bei meinen Unterkünften ist mir wichtig, dass ich mein Auto sicher parken kann (was hier in einem abgeschlossenen Innenhof möglich ist) und abendliche Spaziergänge im Zentrum möglich sind. Beides ist im Hotel Posta ebenso wie in der Dependance Albergo Reggio gegeben.
Ein kurzer Blick in die Geschichte
Der Palazzo del Capitano del Popolo wurde schon 1280 als Sitz des Stadtoberhauptes errichtet und prägte über lange Zeit das politische und gesellschaftliche Leben Reggio Emilias. Namen wie Gonzaga, Visconti, Terzi und Este sind mit diesem Haus verbunden.

Ein Zimmer mit Blick auf die Piazza Camillo Prampolini zeigt bis heute die prominente Lage und genau das durfte ich besichtigen. Ab etwa 1500 wurden erste Räume vermietet. 1515 ist schließlich die „Bona ac Capace Hostaria“ belegt; der direkte Vorläufer des heutigen Hotels.
Über 500 Jahre Geschichte sind hier spürbar. Fresken im „Sala del Capitano“, der heute für Feiern und Veranstaltungen genutzt wird, zeugen davon.

Der Raum ist absolut großartig und wird sogar manchmal als Speisesaal für größere Gruppen genutzt.



Jede Generation hat ihren Beitrag geleistet und die Balance zwischen Bewahren und Erneuern gehalten.
Beginn der heutigen Familiengeschichte
Bis ins frühe 20. Jahrhundert war das Gebäude im Besitz unterschiedlicher Familien. 1919 kaufte Eugenio Terrachini den Palazzo und startete mit seinem Sohn Paolo eine umfassende Restaurierung. Ziel war es, die mittelalterliche Substanz sichtbar zu machen und den historischen Charakter zu bewahren.

Besonders schön finde ich, dass das Mobiliar der „Antica Pasticceria Nazzani“ heute in der Halle, an der Rezeption und in der Hotelbar weiterlebt.

Romantisch, verspielt und mit viel Vintage-Charme. Die kleinen Faun-Figuren aus der Thekenverkleidung wurden sogar als Bilder in Szene gesetzt; eine gelungene Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart.
Bevor in den 1990er Jahren Umberto, der jüngste von 4 Brüdern, die Leitung übernimmt, hat seine Mutter Mariacarla Sidoli Terrachini noch eine große Renovierung Ende der 1980er Jahre koordiniert. Es wurden die Innenräume erneuert, die antike Versammlungshalle restauriert und das Gebäude äußerlich aufgefrischt. Verdienterweise wurde die Klassifizierung des Hauses von 3 auf 4 Sterne gehoben.


Seit 2011 zählt das Hotel Posta zu den historischen Hotels Italiens.
Beim 500‑Jahr‑Jubiläum 2015 wurde der kulturelle Wert des Hauses besonders gewürdigt.
Alle 38 Zimmer und Suiten sind unterschiedlich gestaltet und genau das macht den Charme aus.
Ich liebe es, wenn der klassische Stil erhalten bleibt, speziell in Italien!
♥
Die Stadt-Dependance Albergo Reggio
Nur wenige Schritte entfernt liegt das Albergo Reggio. Hier habe ich übernachtet, da kurzfristig nur noch ein einziges Zimmer verfügbar war, das sich als deutlich größer als erwartet entpuppte.
Auch dieses Gebäude wurde unterschiedlichst genutzt, aber ich kann euch keine völlig eigene Geschichte erzählen. Das Haus ist die ruhigere Schwester des Hotel Posta: ein 3‑Sterne-Hotel mit Fokus auf Preis/Leistung.

Das Reggio teilt viele Serviceleistungen mit dem Posta: Frühstück im eleganten Raum des Posta, Zugang zur Bar, Fahrräder zum Erkunden der Stadt, Parkplatz und mehr.
Für Gäste, die ein zentral gelegenes Zimmer mit unkompliziertem Komfort suchen, ohne den vollumfänglichen Posta-Service zu nutzen, ist es eine perfekte Option. Für mich hat es total gepasst!
Doch mit der Beschreibung der beiden Hotelbetriebe im Zentrum von Reggio Emilia sind wir noch nicht am Ende. Kennenlernen durfte ich Umberto Sidoli eine knappe halbe Autostunde außerhalb, in Viano, im 3. Betrieb der Familie.
Agriturismo Cavazzone

Ursprünglich war das Gehöft ein verstreuter landwirtschaftlicher Besitz, der bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Baron Raimondo Franchetti (verheiratet mit Sara Louise, aus dem Wiener Zweig der Familie Rothschild) kaufte die Ländereien und baute das Gut mit Stallungen, Scheunen und einigen Nebengebäuden aus.

Falls euch der Name Franchetti bekannt vorkommt, so kennen bestimmt einige von euch den wunderschönen Palazzo Franchetti in Venedig (wenn man auf der Accademia-Brücke Richtung Santa Maria della Salute schaut, auf der linken Seite).
Der Baron war u.a. Besitzer einer Glasmanufaktur auf Murano. Doch dieser kleine Exkurs nur als Information am Rande, um zu zeigen, wie Geschichten manchmal ineinander verwoben sind.

Was mich bei der Recherche zu Cavazzone fasziniert hat ist, dass es für die Kinder der Pächterfamilien, die alle eigene kleine Häuser hatten, bereits einen Kindergarten gegeben hat. Inspiriert wurde das Ehepaar Franchetti vom deutschen „Erfinder“ der Kindergärten Friedrich Fröbel.
Die aktuelle Besitzer-Familie
Später übernahm die Familie Terrachini, gefolgt von Giovanni Sidoli das inzwischen große Anwesen. Aus dem landwirtschaftlichen Betrieb wurde ein Agriturismo, das heute Landwirtschaft, Gastlichkeit mit guter Küche, verschiedene Nächtigungsmöglichkeiten in den ehemaligen Pächterhäusern und traditionelle Essig-Produktion verbindet.

Hoffentlich ergibt es sich einmal (in naher Zukunft), dass ich hier nächtigen kann. Diesmal lag mein Fokus definitiv auf der Innenstadt von Reggio Emilia, doch da ich vorhabe (Achtung: Spoiler-Warnung) die Burgen von Mathilde die Canossa (von denen einige hier in den umliegenden Hügeln zu finden sind) genauer zu besichtigen, wäre Cavazzone ein guter Ausgangspunkt.

Ich durfte durch das ganze Anwesen spazieren und war von den vielen Details begeistert. Im ehemaligen Kuhstall sind sowohl das Tonnengewölbe als auch die Strukturen der früheren Nutzung sichtbar.

Wo heute Gäste kulinarisch verwöhnt werden, kann man genau die Profile sehen, die früher die Kojen im Stall unterteilt haben. Ich finde es immer sehr schön, wenn jemand das Feingefühl hat, die Spuren der Vergangenheit ansprechend ins neue Konzept einzubauen.
Die Acetaia
Cavazzone ist nicht nur Unterkunft, sondern auch Produktionsort für Aceto Balsamico Tradizionale. Die Essig-Herstellung folgt klassischen Methoden und unterscheidet sich klar von industrieller Ware.


Es hat mich sehr gefreut, dass ich auch eine Kostprobe erhalten habe, um mich von der TOP-Qualität überzeugen zu können und euch nicht nur vom Hörensagen berichten muss.



Führungen und Verkostungen können direkt gebucht werden.

Wunderschöne Country-Architektur
Noch heute leben zwei Generationen der Familie am unglaublich schönen und gepflegten Anwesen.


Vom Aussichtsturm Terrazza del Belvedere reicht der Blick weit über die Hügellandschaft der Emilia Romagna.
Dieses wunderschöne Beispiel von Handwerkskunst stand ursprünglich im Park der Stadtvilla der Franchettis, wurde aber nach dem Besitzerwechsel von einem Vorfahren der heutigen Besitzer gerettet; sprich in Parma abgebaut und hier wieder zu neuen Leben erweckt.


Ich kann mich mich gar nicht entscheiden, ob es mir bei Tag oder bei Nacht besser gefällt. Wieder ein Beweis, dass es sich lohnt, die Schönheit aus vergangenen Tagen zu schätzen und zu konservieren.

Alle drei Betriebe sind auf ihre Weise besonders. Je nach Vorliebe für Lage, Preis und Stil finden selbst anspruchsvolle Gäste die passende Unterkunft.
Übernachten in Reggio Emilia
- Hotel Posta » Piazza del Monte, 2 » Reggio Emilia
- Albergo Reggio » Via San Giuseppe, 7 » Reggio Emilia
- Società Agricola e Agrituristica Cavazzone » Via Cavazzone, 4 » Viano (RE)
In diesen 3 Betrieben ist gelebte Gastfreundschaft nicht nur ein Slogan.
Ich bedanke mich für die beiden Bücher, die ich zusätzlich zu den Prospekten erhalten habe, um mir ein umfassendes Bild von allen Unternehmensteilen machen zu können. Sogar eine Abbildung aus der Universitätsbibliothek Salzburg ist darin enthalten 🙂

Tanti Saluti
Elena
Offenlegung:
Dies ist ein rein redaktioneller Artikel ohne Auftrag und Bezahlung.
Mein Zimmer mit Frühstück habe ich bezahlt wie jede:r andere auch.
Ich bedanke mich jedoch, dass ich zum Abschied die erwähnten kleinen Gastgeschenke erhalten habe.
Bucht ein Zimmer direkt im Hotel oder über den *Link bei Booking.com. In letzterem Fall würde ich eine kleine Provision bekommen, aber für euch bleibt der Preis in jedem Fall gleich.
