5 Borghi più belli in den Marken

Aussicht in den Marken

Unterwegs ins hügelige Hinterland

Diese kleine Runde durch die Marken hat uns auf nur rund 85 Kilometern mehr Vielfalt gezeigt, als wir erwartet hätten. Zwischen Küste und Hügellandschaft liegen Orte, die sich ihren Charakter bewahrt haben, jeder auf seine eigene Art.

5er_Collage_1

Wir hatten zwar einen festen Plan, doch schon beim Losfahren hat sich gezeigt, dass es oft besser ist, sich ein wenig treiben zu lassen. Genau daraus ist diese Route entstanden. Ein paar dieser „Schönsten Orte Italiens“ liegen näher an der Adria, andere schon deutlich im Landesinneren, aber alle verbinden dieses typische Gefühl, das man schwer in Worte packen kann. “Borghi più belli” eben!

In diesem Artikel zeige ich euch folgende Dörfer:

  • Mondolfo
  • Mondavio
  • Corinaldo
  • Morro d’Alba
  • Offagna

Mondolfo

Mondolfo Zugang zum Palazzo Comunale

Mondolfo liegt ein Stück oberhalb der Küste von Marotta und wirkt auf den ersten Blick unscheinbar.

Anzeigetafeln Mondolfo

Genau deshalb lohnt sich ein kurzer Abstecher, denn oben im Ort zeigt sich eine gut erhaltene Struktur mit Stadtmauern und engen Gassen, die noch klar mittelalterlich geprägt sind.

Blick auf die Adria bei Mondolfo

Der Blick reicht bei gutem Wetter bis zur Adria und verbindet Küste und Hinterland auf eine ganz eigene Art.

Mondolfo Palazzo Comunale

Wir hatten hier schnell den Eindruck, dass nichts für Besucher aufpoliert wurde. Es wirkt wie ein gewachsener Wohnort mit Geschichte, den man nebenbei entdeckt, wenn man sich einfach treiben lässt.

Sehenswürdigkeiten in Mondolfo
bergauf in Mondolfo

Schon beim Blick auf das Hinweisschild merkt man, dass es hier einiges zu entdecken gibt. Wir sind einmal durch den Ort gegangen und haben auch den Rundweg beim Belvedere mitgenommen.

Collage Mondolfo

An der Hauptstraße hat meine Neugier gesiegt und ich bin in den Kreuzgang des Complesso Monumentale Sant’Agostino abgebogen, um die Reste der Fresken anzuschauen.

Complesso Sant Agostino
Kreuzgang Sant Agostino

Innenhof Monumentale Sant Agostino

Für einen kurzen Zwischenstopp passt Mondolfo richtig gut, vor allem wenn man ohnehin in der Gegend unterwegs ist. Was ich schade fand: Ich habe die (bestimmt) tolle Ausstellung verpasst.

Öffnungzeiten Museo Sant Agostino
Sonderausstellung Museo Sant Agostino

Mein persönliches Extra: Eines der typischen Gerichte hier ist gleichzeitig einer meiner absoluten Favoriten; Spaghetti mit Thunfisch-Sardellen-Sauce.

Mondavio

Bei Mondavio hatten wir schon beim Hineinfahren das Gefühl, dass hier vieles noch so steht, wie es ursprünglich gedacht war. Die Altstadt ist klar von Mauern umgeben, und schon beim Ankommen merkt man, dass der Ort eine starke historische Struktur hat.

Parken entlang der Mauer in Mondavio

Besonders markant ist die mächtige Festung im Zentrum, die eng mit der Geschichte der Region verbunden ist. Sie wurde unter anderem von Francesco di Giorgio Martini entworfen, einem bedeutenden Architekten der Renaissance.

Rocca di Mondavio

Rocca Roveresca mit Blick ins Land
Rocca Roveresca
Porta bei Rocca Roveresca

Das merkt man dem Bau bis heute an und man braucht kein Architekturstudium, um die Wirkung zu spüren. Die Werke dieses Architekten sind mir bei meinen Reisen immer wieder begegnet.

Gasse beim Parkplatz Mondavio
Einheimischen Parken Mondavio

Wenn ihr durch die Gassen geht, fällt auf, wie kompakt alles ist. Man hat schnell das Gefühl, den Ort gut zu erfassen. Es gibt immer wieder kleine Details, die den Blick kurz festhalten.

Zufahrt Mondavio
Hausbrunnen Mondavio

Wir haben am Stadtrand geparkt, was kein Problem darstellte. Das historische Zentrum ist für die Anwohner Autos reserviert und auch hier nur begrenzt.

Ankunft in Mondavio

Die Lage auf dem Hügel ist sensationell. Von hier oben reicht der Blick weit über die Landschaft und man versteht sofort, warum solche Orte früher strategisch wichtig waren.

Blick von Mondavio

Für uns war Mondavio einer dieser Stopps, die sich gut in unsere Route eingefügt haben. Nicht überladen, aber mit genug Charakter, um ihn bewusst wahrzunehmen, bevor es weitergeht. Wir haben immer wieder Details entdeckt, die uns begeistert haben.

Collage Belvedere Mondavio

Aber Mondavio war vor allem perfekt, um nicht nur Kaffee-Pause zu machen, sondern gleich auch etwas Ortstypisches zu essen 🙂

In unserem Fall sind wir am Ende der Via Roma, Richtung Rocca Roveresca, in der Bar Il Duca gelandet.

Brettljause a la Mondavio

Mondavio ist zu Fuß etwas fordernd, aber jeden Schritt wert.

Mondavio Collage

Corinaldo

Corinaldo hat eine lange Geschichte, die bis ins Mittelalter zurückreicht. Die Befestigungsanlagen stammen großteils aus dem 14. und 15. Jahrhundert, als der Ort strategisch wichtig war.

Stadtmauer Corinaldo

Dass alles so gut erhalten ist, macht für mich den Unterschied zu vielen anderen Orten.

Corinaldo Stadtmauer Collage

Die Stadtmauer prägt den ganzen Ort. Sie zieht sich fast vollständig um die Altstadt und gibt ihr eine klare Form, die man so schnell nicht vergisst. Sogar ein Lokal nutzt die Räume hinter der Mauer.

Ristorante I Tigli Corinaldo

In kleinen Nischenräumen werden frühere Tätigkeiten mit nachgestellten Szenen gezeigt. Sehr originell und auflockernd, wie ich finde. Angeblich soll in diesen wirklich kleinen Räumen sogar früher jemand gewohnt haben.

Arbeitsgerät im Wachzimmer Corinaldo
Nische in der Stadtmauer Corinaldo
Figur im Wachzimmer Corinaldo

Übrigens: es gibt mehrere Möglichkeiten, um auf die Stadtmauer zu gelangen und dort zu spazieren. Der Blick von dort aus ist absolut fabelhaft!

Stadtmauerweg Corinaldo Cllage

Wenn ihr durch den Ort spaziert, landet ihr ziemlich schnell bei der berühmten Treppe Scalinata del Pozzo della Polenta, oder auch Piaggia genannt. Sie ist eines dieser Motive, die man sofort erkennt, auch wenn man den Ort vorher nicht kannte.

Scalinata del Pozzo Corinaldo
Scalinata del Pozzo in Corinaldo

In der Mitte steht der Brunnen, der fast schon wie ein Treffpunkt wirkt. Es ist kein großes Spektakel, aber genau dort bleibt man automatisch kurz stehen.

Was uns noch aufgefallen ist: Der Ort wirkt gepflegt, aber nicht geschniegelt. Man kann einfach durchgehen, ohne das Gefühl zu haben, dass alles nur für Besucher gemacht ist. Gleichzeitig gibt es genug Struktur, dass man sich gut orientieren kann.

Pozzo della Polenta Corinaldo

Ein kleines Detail, das man nicht erwarten würde: Corinaldo ist der Geburtsort der späteren Heiligen Maria Goretti. Das ist kein dominantes Thema im Ortsbild, aber ein Teil der Geschichte, der immer wieder auftaucht. Sie ist nur 12-jährig nach einem versuchten sexuellen Übergriff gestorben.

Maria Goretti Collage

Da das Thema (leider) auch heute noch aktuell ist, gibt es in vielen Städten und Dörfern rote Bänke (als Zeichen gegen Gewalt an Frauen), so auch hier.

Doch zum Thema Sitzbank habe ich gleich noch etwas Originelles gefunden. Teenager bevorzugen oft, nicht die Sitzfläche, sondern die Lehne als zusätzlichen Sitzplatz. Hier in Corinaldo kann man wählen, und ich habe es für euch getestet. Es ist durchaus auch jenseits der Jugendjahre überraschend bequem.

Corinaldo Bankerl Collage

Aber das ist noch nicht alles: Uns wird Corinaldo aber auch als „Katzenort“ in Erinnerung bleiben. Sie waren wirklich überall zu finden ♥

schwarze Katze in Corinaldo
Tigerkätzchen in Corinaldo
braune Katze in Corinaldo

Kein historisch wertvolles Detail, aber da ich diese kleinen Schmusetiger liebe, ist das mein Erinnerungsanker; neben der Wahnsinns-Stadtmauer.

Morro d’Alba

Ankunft in Morro dAlba

Morro d’Alba ist klein, aber hat etwas Eigenes. Bekannt ist der Ort vor allem für seine besonderen überdachten Gänge entlang der Häuser, die sich wie ein inneres Wegenetz durchziehen.

parken in Morro dAlba

Den Camminamento La Scarpa dürft ihr nicht auslassen!

Morro dAlba Collage

Dieses architektonische Detail gibt dem Ort eine klare Besonderheit und sorgt dafür, dass man sich beim Gehen fast ein bisschen wie in einem geschützten Labyrinth bewegt. Doch auch andere sehr unterschiedliche Gebäude haben uns überrascht.

Piazza Tarsetti Morro dalba
Via Roma in Morro dAlba

Rund um Morro d’Alba wird Wein angebaut, was man auch in der Landschaft sofort erkennt.

Blick in die Hügel bei Morro dAlba

Die Hänge sind klar strukturiert, Reben ziehen sich in ordentlichen Linien über die Hügel, und genau diese Struktur prägt den Charakter der Gegend. Der Blick von oben über die umliegenden Hügel gehört zu den Momenten, die man nicht unbedingt plant, aber gerne mitnimmt.

Lacrima aus Morro dAlbaWenn du dich für Wein interessierst, führt an Morro d’Alba kein Weg vorbei, denn hier wächst der Lacrima di Morro d’Alba.

Das ist die lokale Rebsorte, die fast ausschließlich rund um den Ort angebaut wird und dem Wein seinen ganz eigenen Charakter gibt.

Der Name „Lacrima“ kommt vom Tropfen, der bei sehr reifen Beeren entsteht.

Was uns besonders aufgefallen ist: Morro d’Alba wirkt ruhig und ganz unaufgeregt. Es ist ein Ort, der nicht versucht, mehr zu sein, als er ist. Genau das macht ihn für mich interessant.

Hauptplatz in Morro dAlba

Man geht durch, schaut sich die Gänge an, bleibt kurz stehen, schaut in die Landschaft und hat danach genau dieses Gefühl, einen Ort wirklich gesehen zu haben, ohne dass es viel Programm gebraucht hätte.

Offagna

Offagna ist einer dieser Orte, bei denen sofort die mächtige Festung ins Auge fällt; genau das macht für mich den Reiz aus. Ein Blick von der Hauptstraße auf den Ort am Hügel reichte uns um zu wissen: das wird eine unsere letzte Etappe für diesen Tag!

Anfahrt Offagna

Die Rocca di Offagna stammt aus dem 15. Jahrhundert und wurde von der Republik Ancona als Verteidigungsanlage errichtet. Sie ist Teil eines Systems von Festungen in der Region und zeigt sehr gut, wie wichtig diese strategische Lage damals war.

Burg von Offagna

Die dicken Mauern, Türme und die erhöhte Position machen sofort klar, dass es hier nie nur um Optik ging. Die Lage auf dem Hügel verstärkt diesen Eindruck, mit weitem Blick über die Landschaft der Marken bis hin zur Adria.

Blick an die Adria von Offagna

Ein kleiner, aber lohnender Punkt: In der Festung befindet sich heute auch ein Museum, das sich mit Waffen und der Geschichte der Anlage beschäftigt. Das passt gut, weil man dadurch nicht nur sieht, sondern auch versteht, welche Funktion dieser Ort einmal hatte.

Offagna Rocca Collage

Innerhalb der Mauern geht es überschaubar zu. Ein kurzer Rundgang reicht, um ein Gefühl für den Ort zu bekommen.

Teil der Burg von Offagna
Rocca von Offagna
Ansicht auf Burg von Offagna

Für uns war Offagna genau das: ein bewusster Zwischenstopp, der die Route gut ergänzt hat.

Museum von Offagna
Detail in Offagna

Nicht spektakulär im klassischen Sinn, aber mit Überraschungen und genug Eigenständigkeit, um hängen zu bleiben. Genau diese Art von Orten macht eine Rundreise oft interessanter, als man vorher denkt.

Abschieds-Aperitivo in Offagna

Unterwegs zwischen den Orten

Zwischen diesen Stationen liegt genau das, was die Marken ausmacht. Kleine Straßen, wechselnde Landschaften, immer wieder neue Ausblicke und Dörfer, die man nicht unbedingt auf der Karte eingezeichnet hat. Auch wenn wir keinen festen Plan verfolgt haben, ergibt sich im Rückblick ein stimmiges Bild.

Diese Route zeigt gut, wie nah vieles in den Marken beieinanderliegt und trotzdem unterschiedlich wirkt. Es ist genau diese Mischung, die die Region so interessant macht.

5er_Collage_2

Am Ende bleibt weniger eine klassische Reiseroute, sondern vielmehr eine Sammlung von Eindrücken, die sich erst beim Schreiben richtig zusammenfügen. Für mich geht es dabei immer darum, die Besonderheiten zu entdecken, auch wenn die meisten dieser Dörfer im Kern aus altem Gemäuer bestehen.

Die „Borghi più belli“ sind für mich nicht nur in den Marken immer wieder ein Ziel. Gerade in dieser Region gibt es rund 30 davon. Ihr seht also, eine Fortsetzung ist sehr wahrscheinlich …

Tanti Saluti

Elena


Offenlegung:

Die Reise durch diese 5 Borghi più belli in den Marken entstand gänzlich ohne Auftrag und auf eigene Kosten.


 

Join the Conversation

2 Comments

Leave a comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

    1. says: Elena

      Lieber Jan,
      vielen lieben Dank für die netten Worte!
      Kommentare wie deiner motivieren mich immer sehr.
      Viele liebe Grüße
      Elena