​​Brescia – die Löwin Italiens

Der 1. Nachmittag in der Innenstadt

Bereits 3x wollte ich heuer in diese Stadt nahe dem Gardasee fahren und immer hat die Schönheit des Gebietes südlich davon so lange aufgehalten, dass es sich zeitlich nicht mehr gelohnt hat Brescia zu besuchen.

2x Dom

Da kam mir die Einladung zu einer Pressereise gerade recht! Obwohl ich bereits kurz nach der Jahrtausendwende Brescia zum 1.x besucht habe, muss ich nach aktueller Rechtslage diesen Artikel als *WERBUNG kennzeichnen. Treue Leser kennen mich inzwischen – ich stehe bei allem was ich schreibe voll dahinter und wenn ihr weiter lest, dann werdet ihr sehen, warum ich immer wieder nach Brescia fahren werde.

Santa Giulia

Brescia – die zweitgrößte Stadt der Lombardei

Am Gardasee ist mein Favorit Salò mit seiner schönen Promenade (unten links bzw. süd-westlich) und von dort aus ist es eine gute halbe Stunde und schon ist man am Ziel! Die Anreise mit dem Auto ist überhaupt kein Problem, da alles gut beschildert ist.

Im Zuge meines Stadtspaziergangs habe ich ausreichend Parkplätze bzw. Garagen gefunden. Diese sind natürlich gebührenpflichtig, aber die Preise sich absolut moderat.

U-Bahn ZugangIch selbst hatte ein Hotel nicht ganz im Zentrum, das nur durch einen Park von der U-Bahnstation Marconi getrennt ist. Ja – richtig gelesen: Brescia hat eine U-Bahn mit 17 Stationen und das ist in Italien nicht selbstverständlich, denn es gibt nur 7 davon!

Nachdem frühere Bemühungen gescheitert sind, hat mich sehr begeistert, dass es die Stadtverwaltung in weniger als 10 Jahren geschafft hat, eine U-Bahn mit fahrerlosen Zügen zu planen UND zu realisieren (2013)!

U-Bahn

Lustig fand ich das Klavier auf dem Weg in den Untergrund. Es ist keine Deko, sondern funktioniert und für mich ist es eine geniale Idee für Unterhaltung zwischendurch! Automaten für die Fahrscheine waren übrigens unübersehbar und es wurde auch kontrolliert – NACH dem Aussteigen, bevor man das Gelände verlassen konnte. BresciaCardWir hatten die 48h BresciaCard, denn damit wird vieles erleichtert.

Doch beginnen wir wie immer mit einigen Fakten: Wie bereits erwähnt, ich war vor über 15 Jahren schon einmal hier und ich hatte die Stadt nicht so groß in Erinnerung.

Fast 200.000 Menschen leben hier und damit ist Brescia die zweitgrößte Stadt in der Lombardei und außerdem die drittgrößte italienische Industrieregion. Wenn ihr jetzt denkt, die Stadt kann dann wohl nicht so schön sein, irrt ihr gewaltig. Von den Industriestandorten bekommt man als Gast praktisch nichts mit.

U-Bahn Stationen

Meinen Rundgang will ich direkt im Zentrum (U-Bahn Station Vittoria) beginnen – auf der

Piazza della Vittoria

Egal ob man mit dem Auto oder mit der Bahn kommt (schönes Bahnhofsgebäude – die Habsburger sind nicht unbeteiligt gewesen an der Entstehung dieser Linie!), dieser Platz eignet sich perfekt als Treffpunkt, denn er ist zentral, markant und jeder kennt ihn.

Der Platz ist von 3 markanten Gebäuden eingerahmt: links oben der 60m hohe Backsteinturm (Torrione), rechts daneben am Bild der Quadriportico mit dem Revolutionsturm samt Uhr und die Post Zentrale (am Bild rechts unten). Sieht man sich bei letzterem die Verzierung über dem Portal genau an, so erkennt man dass ein „M“ neben dem anderen steht. Geschichtskenner werden jetzt erahnen, wann das Gebäude errichtet wurde (um 1930), der wiederkehrende Buchstabe steht für Mussolini.

Piazza della Vittoria

Nicht zu übersehen ist auch das Pferd in der rechten unteren Ecke im Bild. Es stammt vom zeitgenössischen Objektkünstler Mimmo Paladino (Brixia Contemporary – bis 2.September 2018), dem man in Brescia (fast) auf Schritt und Tritt begegnet.

Ebenfalls auf diesem Platz ist ein Kunstwerk – genaugenommen eine Rednertribüne – zu sehen, bei dem die Geschichte der Stadt sehr kompakt zusammengefasst ist.

Geschichte kompakt

Es beginnt mit dem letzten Langobarden König Desiderius (vor 800) und seinen Töchtern: eine war Äbtissin, die 2. war mit Karl dem Großen verheiratet und die 3. wurde mit Herzog Tassilo von Bayern verheiratet (in Österreich kennt jedes Schulkind den Tassilo-Kelch im Stift Kremsmünster).

Arnold von Brescia, ein Augustiner Mönch wurde von Friedrich Barbarossas auf dem Scheiterhaufen verbrannt (1155), Bischof Berardo Maggi, der für eine Versöhnung der Staufer und Welfen (Anhänger des Kaisers bzw. des Papstes) eingetreten ist (nach 1200) und als Zeichen dafür sind in der Abbildung die Schilder gesenkt.

Pfandhaus1438 erschienen die Brüder und späteren Stadtpatrone Faustinus und Jovita um die Mailänder zu vertreiben – das ist zwar bereits 580 Jahre her, aber am 15. Februar wird alljährlich der beiden Märtyrer-Brüder aus dem Jahr 120 gedacht.

Weiter geht es mit den beiden Malern Girolamo Romanino und Alessandro Moretto um 1500 und einer langen ziemlich friedlichen Zeit.

In „neuerer“ Zeit ist leider die blutige Schlacht von Solferino 1849 zu erwähnen. Der (für uns) schlechte Teil der Geschichte ist das Ende der österreichischen Herrschaft; das Gute ist, dass Henry Dunant auf Grund der schrecklichen Verluste dieses Krieges das Rote Kreuz gegründet hat.

Piazza della Loggia

Wir gehen weiter auf den nächsten Platz, der ganz im Stil der Renaissance gestaltet ist. Vorbei am ehemaligen Pfandhaus (Monte di Pietà Vecchio); christlich wohlgemerkt – nicht jüdisch!

Erbaut wurde dieses schöne Gebäude wie auch die meisten anderen auf diesem Platz +/- 1500.

Uhrturm und Lauben

UhrturmAuf der Piazza della Loggia angekommen, sehen wir auf der einen Seite den Loggia Palast, wo wir die Ehre hatten, den Bürgermeister kurz zu begrüßen und auf der anderen Seite die Lauben und der Uhrenturm mit einer astronomischen Uhr nach venezianischem Vorbild.

Uns wurde erzählt, die Brescianer nennen sie Anton & Baptist oder „die Verrückten der Stunden“. Wenn man genau schaut sieht man, dass die 18 (XVIII) oben ist und die Sonne am Zeiger sich um die Welt dreht.

Uhrenturm von hintenDieser Teil der Piazza della Loggia gelangte zu trauriger Berühmtheit, weil im Mai 1974 bei einem rechtsextremistisch motivierten Bombenanschlag 8 Menschen getötet und über 100 verletzt wurden. Zum Gedenken daran gibt es im Saal des Rathauses eine Ausstellung.

Doch sehen wir uns den Sitz der Stadt-Verantwortlichen einmal genauer an!

Loggia Palast

wir gehen die wenigen Stufen hinauf und sehen rechts vom Eingang eine Frauen-Statue. Lodoiga heißt die Dame und es war Brauch, dass die Bresciani ihr kleine Zettelchen mit Beschwerden zusteckten, die sich dann die Herren der Stadtverwaltung – insbesondere der Bürgermeister – nehmen konnten und im Optimalfall die angeprangerten Missstände beseitigen. Ich würde mir so eine Möglichkeit in jeder Stadt wünschen und zwar real und nicht virtuell!

Rathaus

Das Gebäude ist alleine schon durch die großzügige Loggia und das ungewöhnlich Dach eine Besonderheit. Andrea Palladio soll neben einigen anderen Architekten auch hier mitgeplant haben.

Treppe Rathausdie Löwin ist ein LöweWir öffnen die Türe und stehen vor einer gigantischen Treppe, die uns förmlich in den oberen Bereich zieht!

Oben angekommen, haben wir erst einmal auf die Decke geschaut, denn offensichtlich hat die Löwin auch einen Löwen – soll ja so sein!

Dessen noch nicht genug, Brescia dürfte überhaupt eine Stadt der Liebe sein, wenn man die Gemälde in der 1. Etage genauer betrachtet, wird es ziemlich romantisch. Üblicherweise suche ich Geschichten und Bilder über Liebende auf meinen Reisen, aber in einem Palazzo, in dem Politik gemacht wird, hätte ich nicht damit gerechnet. Wie auch immer – genau das ist schön für mich in neuen Städten!

Liebe in Brescia

Doch es gibt noch viel mehr anzusehen! Ein Sitzungszimmer, das mich vermutlich vom Arbeiten abhalten würde und gleich daneben ein weiteres, in welchem sogar gearbeitet wurde. Naja – wir waren auch zu üblichen Zeiten anwesend in denen auch ein Amt besetzt sein sollte.

Sitzungszimmer

großer SaalIch habe überhaupt in dem Gebäude so einige Besonderheiten gesehen und darüber gibt es noch ganz andere Geschichten…

Trinkwasser

FassadendetailsWir verlassen das Rathaus und diesen schönen Platz und erfreuen uns beim Blick zurück an wunderschönen Fassaden-Details.

Davor – direkt unter dem Uhrturm – füllen wir allerdings noch einmal unsere Wasserflaschen, was an vielen Stellen in Brescia möglich und auch gekennzeichnet ist.

I Macc De Le Ure

Am Weg zum alten und zum neuen Dom werden wir noch einmal an die beiden „Verrückten“ erinnert: „I Macc De Le Ure“ (Dialekt) ist eine Trattoria direkt an der nächsten Piazza!

Wir mussten uns entscheiden ob wir eine Pause machen oder einen/beide Dome besichtigen. Ihr könnt es euch denken – wir entschieden uns für letzteres.

Piazza del DuomoWas wir leider nicht geschafft haben ist die Bibliothek von Kardinal Querini mit mehr als 400.000 Büchern aus dem 17. Jhdt.!

Dieser Kirchenfürst stammte nicht nur aus einer sehr mächtigen Familie, er war karitativ tätig, aber auch ein Gelehrter, der mit Voltaire und Friedrich dem Großen in Kontakt stand. Entsprechend interessant stelle ich mir auch seine Bibliothek vor. Aber das kommt auf die Liste für den nächsten Besuch, genau wie ein ausgedehnter Besuch der Festung!

Wenn schon nicht der Kardinal, dann wenigsten ein Dom – genau genommen sogar zwei!

neuer Dom

Die Piazza del Duomo

Die alte Kathedrale (Duomo Vecchia oder Rotonda) & die neue Kathedrale (Duomo Nuovo)

Ich muss es zugeben, auch wenn der neue Dom im spätbarockem Stil (~1600-1850) schön ist – mich hat der ältere (ab 1100) mehr begeistern, weil er ungewöhnlicher ist.

FoulardsBestimmt wisst ihr, dass man vor allem in Italien nicht zu spärlich bekleidet in Kirchen gehen soll. Hier hat man vorgesorgt und Tücher bereitgelegt.

 

Es ist zwar nicht das 1. runde Kirchenschiff, das ich gesehen habe, aber die Mosaike und die Kapelle der Heiligen Kreuze haben mich beeindruckt.

Der Platz selbst ist übrigens einer der ältesten der Stadt, denn er wurde bereits zu Zeiten der Brixia Romana errichtet!

alter Dom

gut gesichert

duomo vecchio

Unsere Gästeführererin Marisa Fanconi hat uns zum Abschluss noch über den Geigenbauer Gasparo da Salò berichtet und ebenfalls über Girolamo di Virchi, der ein ganz besonderes Instrument für Erzherzog Ferdinand von Tirol gebaut hat. Der kunstvoll verzierte obere Teil zeigt den Selbstmord der Lucretia Romana, nachdem ihr Gewalt angetan wurde. Sie galt im Mittelalter als Sinnbild der ehelichen Tugend.

Schaut euch den Link an – es sind wirklich sehr kunstvolle Instrumente, wenn auch schaurig… Ein wahrer Künstler ist für mich nicht der Erbauer, sonder auch jeder, der diese Instrumente heute restaurieren kann.

♥♥♥

Für heute endet mein Bericht, aber bleibt aufmerksam, denn es geht weiter mit Teil 2!

​​Brescia – ein Tag ist nicht genug

…und wem meine beiden Artikel noch nicht genug Information bieten, der wird auch hier noch fündig: www.bresciatourism.it

 

Tanti Saluti

Elena


Offenlegung:

Dieser Artikel entstand auf einer Presse-Reise und gilt somit als WERBUNG, auch wenn ich davor schon diese schöne Stadt besucht habe.


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10 Kommentare

  • Hallo Elena,
    Brescia kenne ich ehrlich gesagt auch nur vom Vorbeifahren! Da habe ich echt was verpasst… Mir gefällt auch immer, wenn eine Stadt Geschichte hat, und hier gibt es ja mehr als genug davon, und genug an Sehenswürdigkeiten! Mich reizt dabei auch eher die Kirche aus dem 11. Jahrhundert, ich mag Vermächtnisse aus jener Zeit. Und die Bibliothek wäre meins! Ich sehe schon, für diese interessante Stadt reicht ein Wochenende nicht aus, dafur braucht man länger. Danke für den detaillierten Bericht und die Anregungen.
    Liebe Grüße
    Barbara

    • Liebe Barbara,
      ein Wochenende ist zumindest ein guter Anfang, aber ich muss gestehen, dass ich sicher wieder hinfahre. Es gibt noch so viel zu sehen und da habe ich noch nicht einmal die Umgebung mit bedacht! Ach ja – es ist (fast) überall schön in Bella Italia 🙂
      Liebe Grüße
      Elena

  • Liebe Elena,
    wow, und schon wieder eine Stadt von der ich nie etwas gehört habe, die so wunderschön ist. Ich glaube mittlerweile, es ist ganz egal, wo man in Italien hinfährt, alle Städte sind schön.
    Wahnsinn. Und wieder bekomme ist Lust, meine Sachen zu packen und nach Italien zu fahren.

    Viele liebe Grüße
    Kathi

    • Liebe Kathi,
      ich gebe zu, dass ich auch überrascht war WIE schön es dort ist. Durch die Nähe zum Gardasee, der ja für viele Gäste aus Deutschland und Österreich praktisch die 1. Badewanne im Süden ist, umso verwunderlicher, dass so viele diese Stadt nicht kennen. Es folgen noch einige Artikel über Sehenswertes und natürlich über’s Essen 🙂
      Liebe Grüße
      Elena

  • Immer wieder, wenn ich Bilder aus Italien sehe, bin ich total begeistert. Ich glaube, ich könnte mich in jeder Stadt ewig aufhalten und den Fair und die Architektur genießen. Brescia scheint wunderschön zu sein, danke für die tollen Eindrücke.
    LG Susanne

    • Liebe Susanne,
      ja, Brescia hat mich schon bei meinem 1. Aufenthalt vor einer gefühlten Ewigkeit begeistert. Ich wäre bestimmt wieder hingefahren, aber im Rahmen einer Pressereise habe ich natürlich Informationen und Einblicke erhalten, die quasi unbezahlbar sind. Diese Stadt ist definitiv eine, in der man auch als Deutschsprachige in Italien leben kann.
      Viele Grüße
      Elena

  • Wow, die Architektur haut mich um.
    Super schön, sehr detailliert und das sieht alles so authentisch und historisch aus.
    Sowas gefällt mir ja.
    Italien steht ganz weit oben auf meine Liste, habe mütterlicherseits italienische Wurzeln,
    war aber noch nie dort :'(

    Herzliche Grüße 🙂
    Michelle | The Road Most Traveled

    • Liebe Michelle,
      danke für die netten Worte! Du solltest der Stimme des Blutes nachgeben und dir einiges ansehen. Vielleicht in der Gegend deiner Vorfahren?! Das wäre bestimmt eine spannende Erfahrung…
      Viele Grüße
      Elena

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