Castelmonte – zur Wallfahrt ins Friaul

Das Heiligtum der „Madona di mont“

Wallfahrten sind an sich nicht so mein Ding. Mit diesem Wallfahrtsort in den Julischen Alpen nahe Prepotto verbindet mich jedoch eine ganz besondere Geschichte, die ich euch heute erzählen möchte.

Hinweistafel 3

Es war vor inzwischen mehr als 10 Jahren, als ich mit meiner Mutter mehr oder weniger planlos kreuz und quer abseits der Hauptstraßen vom Meer Richtung Österreich unterwegs war als sich nach einer kurvigen Fahrt bergauf durch einen Wald dieses Bild zeigte!

Aufstieg

Wir hatten nicht die Spur einer Ahnung, wo wir uns befanden, noch WAS das für ein Gebäude war. Fix war für uns nur: wenn wir schon da sind, dann schauen wir uns das auch an – egal was es ist!

unterwegs

So machten wir uns auf den Weg nach oben und Stellten bald fest: das ist keine „normale“ Burg, das ist ein Kloster. Dass es sich auch zusätzlich um einen Wallfahrtsort handelt, wussten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht.

Blumen

Oben angekommen machten wir erstmal Rast und ich machte mich ein wenig über die Geschichte dieses tollen Bauwerkes mitten im Wald schlau. Genau genommen sind wir nicht so ganz abseits, denn in nur ~8 km befindet sich Cividale und nach 25 km wäre man schon in Udine.

Schattenplätzchen

Eine der ältesten Wallfahrtskirchen Italiens

Castelmonte geht auf einem römischen Militärstützpunkt zurück und war im Anschluss lange Teil des Patriarchats von Aquileia. In dieser Gegend brauchten die Bewohner im Laufe der Jahrhunderte des öfteren Schutz, sei es vor den Türken, Langobarden oder Franken, aber auch die Bomben beider Weltkriege gingen hier nicht spurlos vorüber.

Frühlingssonne

Und als ob das noch nicht genug wäre, entstanden natürlich im Laufe der Jahrhunderte auch Schäden durch einen Brand und durch Erdbeben, die hier nicht selten vorkommen. Zum letzten Mal bebte die Erde merklich 1976, wie sich bestimmt viele von euch noch erinnern können.

Hinweistafel 2

Aus diesem Grund wird jedes Jahr am 8. September eine gut besuchte Wallfahrt veranstaltet, um sich bei der Muttergottes zu bedanken bzw. um Schutz zu erbitten.

Olivenbaum

Kirche der Jungfrau von Castelmonte

Als Marien-Heiligtum ist dieses Gebäude bereits vor 1200 erwähnt, jedoch geht ein Teil des Fußbodens auf 600 zurück! Zu sehen ist eine dunkle Madonna mit dem gekrönten Jesu-Kind, das die rechte Brust entblößt. Die Statue ist aus Kalkstein im Stil der Salzburger Schule(!). Sie wurde vor 1500 geschaffen, nachdem die ursprüngliche Statue aus Holz bei einem Brand zerstört wurde.

Mauer und Fels

All diese Kämpfe trugen dazu bei, dass der Gebäudekomplex immer wieder verändert und erweitert würde. Geweiht ist die Krypta dem kämpfender Erzengel Michael. Besonders beeindruckend fand ich die gut geschützte Skulptur, wo der Hl. Michael Luzifer besiegt.

Der Hügel des Kreuzes

Von hier aus (östlicher Eingang) erlebt man ein außergewöhnliches Panorama, also lohnt sich der Weg zum großen Metallkreuz samt den Statuen vom Heiligen Franziskus und Klara von Assisi auch wenn man nicht christlich denkt.

Platz zum Beten

Selbst wenn man nur der Aussicht wegen hierher kommt, ist es die Fahrt allemal wert! Wir hatten bei unseren Besuchen mittelmäßige Sicht, doch ein anderer Besucher (vermutlich aus der Gegend) hat uns versichert, dass man an manchen Tagen noch viel weiter ins Land blicken kann.

Weitblick

Ich werde es definitiv immer wieder versuchen und vielleicht kann ich euch auch noch aussagekräftigere Bilder liefern.

unendliche Weiten

Besondere Energie für spirituelle Menschen

Bereits vor Hunderten von Jahren kamen die ersten Pilger hierher und brauchten nach dieser anstrengenden Reise Kost und Quartier. Im Laufe der Zeit wurde hier immer wieder umgebaut und erweitert!

Gassen

Casa del Pellegrino – Restaurant „Al Piazzale“

Ein Lokal im „Pilgerhaus“ gibt es auch heute noch und es schien uns gut besucht, obwohl wir selbst es (noch) nicht getestet haben. Der Brunnen im Bild war übrigens noch bis Mitte der 1950er Jahre für die Wasserversorgung zuständig!

WC

Was wir aber wie überall gesucht und gefunden haben ist ein Örtchen, das früher oder später jeder aufsuchen muss und es war sauber und ordentlich.

Ausblick

Auch wenn wir ursprünglich nicht aus religiösen Gründen hierher gekommen sind, konnten wir nicht umhin absolut berührt zu sein, als wir im unteren Bereich der Kirche angekommen waren.

Kircheneingang

Sprachlosigkeit

…ist das einzig treffende Wort. Noch in keinem anderen Gotteshaus habe ich so viele Votivbilder aus unterschiedlichen Zeiten gesehen wie hier und dennoch hatten alle etwas gemeinsam:

es waren Danksagungen weil jemand bei Unfällen überlebt hatte.

Die Aufschrift PGR ist die italienische Abkürzung für (übersetzt) „die empfangene Gnade“.

Dankesbilder 3
Dankesbilder 2
Dankesbilder 1

In Windeseile zündete meine Mutter eine Kerze an, denn nur wenige Wochen vorher versagten bei meinem damaligen Auto bergab, in einer 90° Kurve gleichzeitig Lenkung und Bremsen. Ein Verkehrsschild hat meine Fahrt damals unsanft gebremst und mich somit vor einem Unfall bewahrt, der böse hätte enden können.

Herbstimpressionen

Zufall? Glück? Mein Schutzengel?

Egal! Mein Auto war Totalschaden, aber wir sind mit dem Schrecken davongekommen! Dass mich nach so einem Vorfall mein Weg in ein Kapuziner-Kloster – das auch noch ein Wallfahrtsort war – führt, das lies mich schon überlegen, ob da oben nicht doch etwas oder jemand ist…

Abstieg

Parkplatz

Wie ihr sehen könnt, sind absolut reichlich Parkplätze vorhanden, wobei ich auch schon hier war und es herrschte reges Treiben durch Bus-Tourismus. Kann man mögen, muss man aber nicht!

Nach dieser ungeplanten Besichtigung und einer kleinen Rast haben wir uns dann endgültig auf den Heimweg gemacht. Wir waren noch lange irritiert, dass unser Weg genau hierher geführt hat und gleichzeitig berührt von den vielen Votivbildern.

Santuario

Ein durchaus auch nachdenklicher Beitrag diesmal, doch überlegt einmal, wie oft bei euch und euren Lieben eine brenzliche Situation schon gut ausgegangen ist?!

Glück braucht man lebenslang, doch ein Schutzengel kann auch nicht schaden!

Santuario Beata Vergine di Castelmonte

Via Castelmonte 2
33043 Cividale del Friuli
+39 0432 731094
info [at] santuariocastelmonte [dot] it

Tanti Saluti

Elena


Offenlegung:

Der Artikel entstand nach mehreren Rundfahrten auf eigene Kosten und wird vermutlich noch ergänzt werden.


Castelmonte

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2 Kommentare

  • Ich liebe Wallfahrtsorte. Ich hab ja auch meine Magisterarbeit über Wallfahrten im Allgemeinen und eine im besonderen geschrieben. Seither besuche ich diese Orte noch lieber – einmal, weil ich finde, dass viele eben eine besondere Energie haben, aber auch weil ich sie jetzt natürlich auch ganz anders „lese“ als früher.
    In vielen Wallfahrtsorten gab es große Sammlungen mit Votivgaben. Aber oft wurden sie irgendwann entfernt, weil es zu viele wurden oder man den „alten Plunder“ dann einfach entsorgt hat. Das ein oder andere Mal wurden sicher auch welche geklaut.
    Wenn du andere Wallfahrtsorte mit wirklich vielen Votivgaben sehen willst, dann geh mal nach Altötting – dort ist die gesamte Wand des Kirchenumgangs mit Votivbildern vollgehängt. Außerdem ist Altötting historisch wirklich spannend. Wenn man dort ne Führung macht, um mehr darüber zu erfahren, ist es natürlich fraglich, ob man einen Führer erwischt, der einem das auch mit der nötigen kritischen Distanz und den kritischen Kommentaren der Verquickung von Spiritualität und Politik nahebringt, die gerade bei Altötting (wie auch Mariazell) sehr eng ist.
    Ein anderer Wallfahrtsort, wo es sehr viele Votivbilder gibt, ist Maria Hilf oberhalb von Passau.

    • Liebe Ilona,
      danke für deinen interessanten Kommentar! In Mariazell war ich als Kind und in Altötting als Teenager. An beide kann ich mich aber nur mehr ganz schwach erinnern. Maria Hilf kenne ich gar nicht, aber da ich Freunde in der Nähe von Passau habe wäre das ein netter Ausflug.
      Liebe Grüße
      Elena

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