Die Villa Barbarigo-Pizzoni-Ardemani

bei Valsanzibio hatte ich schon mehrfach im Fernsehen bewundert doch irgendwie ist mir nie aufgefallen, dass ich immer wieder ‚mal in der Nähe war. Viele von euch kennen sicher Abano Terme  – das liegt ganz in der Nähe; auch Venedig ist nicht besonders weit. Ich liebe diese Gegend und je mehr ich davon kennen lerne, desto besser gefällt es mir.

Schon von der Straße aus ist das schöne Diana-Portal nicht zu übersehen. Bei unserem Besuch haben wir bewusst Zeit für diesen

Barockgarten samt Landsitz

eingeplant. Man kann locker einen halben Nachmittag (oder mehr) dort verbringen, wenn man alles im Detail ansehen und fotografieren möchte. Als sehr angenehm habe ich empfunden, dass es ausreichend Parkplatz gibt, der auch nichts extra kostet.

Eintritt in den Garten ist natürlich schon zu bezahlen und das, obwohl man die Villen nur von außen sehen kann. Aber ich denke, wenn man möchte, dass historische Schönheiten dieser Art erhalten bleiben, dann kann man auch einen winzigen Teil dazu beitragen. Ich finde den Betrag angemessen und es ist schön, dass eine Reduktion für Senioren angeboten wird.

bei Valsanzibio fast angekommen
Gleich in der Nähe vom Eingang haben wir durch das Diana-Portal (das wir zuvor von außen bewundert hatten) nun in Richtung Straße schauen können. Heute unvorstellbar, dass hier früher über Flüsse und Kanäle die Besitzer und ihre Gäste mit dem Boot anreisen konnten. Der kleine Rest Wasser, der geblieben ist, dient heute nur mehr Schildkröte und Reiher als Lebensraum.
Wollen sich Reiher und Schildkröte verstecken?
Wenn man sich von diesem Standpunkt aus um 180° dreht, sieht man bereits eines der Highlights: den von Luigi Bernini (der jüngere Bruder von Giovanni Lorenzo Bernini) gestalteten Wasser-Garten mit seinen 60 Statuen aus Istrienstein. Entlang von kleinen Teichen auf unterschiedlichen Ebenen geht man immer wieder über einige Stufen höher. Als Symbolik dahinter ist der Weg des Menschen vom Fehler zur Wahrheit, von der Ungewissheit zur Offenbarung Gottes.

Auf über 10 ha verteilt findet man Wasserfälle und Brunnen, Fischteiche und vieles mehr – nicht zuletzt ein Labyrinth, das älteste und großflächigste seiner Art. Von diesem allerdings kann ich euch keine Foto liefern, denn das sieht nur wirklich von oben aufgenommen toll aus und eine Drohne habe ich (noch) nicht! Aber eine Idee könnt ihr euch auf der offiziellen Seite des Gartens holen.

viele Brunnnen
Vom Diana-Bogen aus geht man durch den Silento-Bogen direkt auf die Fischteich-Allee. Im 1. Teich (Diana Bad) schwimmen schwarze Schwäne, die mir sehr gefallen haben, obwohl ich eigentlich Vögel nicht besonders mag.

Weiter geht es über den Irisbrunnen (bei dem von allen 4 Seiten ein Wasserstrahl zusammen kommt und ein Regenbogen entsteht) zum Teich der Flüsse und der 3. und letzte Teil in dieser Allee ist der Teich der Winde. Wenn man genau schaut, sieht man an den Statuen, dass manche sanft schauen und andere einen stürmischen Blick haben – wie eben auch bei Wasser und Wind diese Unterschiede zu finden sind.

Wasserwächter
Valsanzibio wurde wurde in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts von der Familie Barbarigo errichtet. Heute ist es nur mehr ein kleiner Ort mit wenigen Einwohnern; vor allem das ursprüngliche Zentrum des Dorfes ist extrem überschaubar. Aber angelockt durch diesen wundervollen Garten besuchen immer wieder Gäste aus dem In- und Ausland diesen Teil der Euganeischen Hügel.
Wegkreuzung
Zwischen 1. und 2. Teich wurde ich von meinem Guide abgeholt und ich hatte das Privileg als 1. deutschsprachige Bloggerin die neurenovierte

Villa Cà Martinengo

besichtigen zu dürfen. Mein Guide wusste nicht nur enorm viel über die Geschichte des Anwesens, er hat auch während des Gehens immer wieder Blätter aufgehoben, die auf den Weg gefallen sind. Ab da wusste ich auch, warum es überall so ordentlich aussieht.

In diesem Gebäude finden übrigens Ausstellungen statt und man kann es zukünftig auch für Hochzeiten buchen. Mir hat besonders der Terrazzo-Boden gefallen und die originalgetreue Wiederherstellung des Daches. Man beachte die UNTERSEITE der Dachziegel!

Eventvilla
arbeiten und ausstellen
Doch nicht nur für Kunst und Events wird hier Platz geschaffen. Gleich hinter diesem Gebäude befindet sich auch ein B&B, das wirklich sehr einladend ausgesehen hat. Nein – nicht das auf dem Bild! Dahinter und leider nicht gut zu fotografieren, da Privatgrund. Aber schade, dass wir das nicht früher bemerkt haben, denn für diesmal war unsere Erkundungsfahrt mit dem Besuch des Gartens zu Ende.
Eventvilla Details
Durch eine schwere, alte Eisentüre ging es wieder zurück in den eigentlichen Garten und ich habe mich sehr gefreut, dass ich auch diesen Teil besichtigen durfte, der für die Allgemeinheit üblicherweise verschlossen ist.

Vorbei an einem gar nicht kleinen Nebengebäude, welches als Pförtnerhaus („Portineria“) bezeichnet wird ging es zu den ehemaligen Ställen („Scuderia“). Hier ist ein kleiner Shop untergebracht und es sind auch Toiletten zu finden.

Plastik-Tiere
wer spechtelt da?
Bei einer der unterschiedlichsten Sitzgelegenheiten haben wir erst mal Rast gemacht und uns über die lustigen Plastik-Figuren, die so ganz im Kontrast zu den historischen Gemäuern waren, amüsiert. Der Hintergrund dieser Figuren ist jedoch ein Ernster! Es soll damit symbolisiert werden, dass wir Plastik-Tiere statt lebender riskieren, wenn wir weiter so mit unserer Umwelt umgehen.
Pause machenNach dieser kleinen Pause machten wir uns auf den Weg zur eigentlichen Herrschaftsvilla, die man über die Haupt Allee erreicht. Auch hier sind wieder kleine Brunnen und Wasserfontänen zur Auflockerung zu finden.
am Weg zur Herrschaftsvilla
Brunnen bei der Treppe
Als sehr cool habe ich die Beschriftung der Sonett-Treppe empfunden, die zum privaten Teil des Parks führt. Um ein Event in diesem Bereich zu buchen muss man sehr, sehr viel Geld ausgeben. Aber auch eine „normale“ Besichtigung ist nur mit Führung zu buchen und kostet ab 200,– €. Daher werde ich es wohl vorerst nicht von innen sehen, aber falls jemand von euch schon drinnen war, freue ich mich über einige Details 😉

Doch nun zurück zur Beschriftung: Jede der 7 Stufen enthält 2 Verse pro Stufe. Es geht und Sonne und Mond, Venus und Mars und erklärt die Bedeutung der unterschiedlichen Teile des Gartens. Am Ende heißt es:

hier soll man nicht weinen sondern lachen!

Das kann man auf den Besuch im Garten beziehen oder im übertragenen Sinn (wie praktisch alles hier) auf das ganze Leben.

Treppenbeschriftung
Im oberen Bereich des Villengartens sieht man auf der linken Seite eine Orangerie und rechts ein gar nicht kleines Gästehaus. Natürlich sind auch wieder unzählige Steinfiguren zu sehen und sowohl die Sträucher als auch die Wege sind extrem gepflegt.
links der Villa
Herrschaftsvilla x 4
rechts der Villa
Steinfiguren
präziser Heckenschnitt
Nach einer Weile „Villen-Beobachtung-von-außen“ machten wir uns wieder auf den Weg in einen anderen Teil des Gartens. Links und rechts von uns gingen immer wieder Wasserfontänen hoch und wir wurden ein wenig an die Wasserspiele in Schloss Hellbrunn (Salzburg) erinnert.
Wasserspiele
kalifornische Zeder
Es sind auf diesem großen Areal viele Bäume und die unterschiedlichsten Pflanzen zu sehen, aber diese Zeder hat mich besonders beeindruckt!

Wenn man der Tafel glauben kann, so ist nicht nur die Villa sondern auch dieser enorme Baum exakt 300 Jahre älter als ist. Wenn ich darüber nachdenke, wie viele Menschen schon unter seinen Ästen den Schatten gesucht haben. Unglaublich!

Gleich daneben – unübersehbar – ist die berühmte Kanincheninsel; eine kleine Insel mit wirklich großen Kaninchen! Aber dessen noch nicht genug: eine große, schöne Voliere steht in der Mitte und wir konnten auch einige Vögel herum flattern sehen.

Kanincheninsel
Neben Kaninchen und den unterschiedlichsten Vögeln habe ich auch viele Schildkröten gesehen und – wie bei so viel Stein zu vermuten ist – jede Menge Salamander. Diese beiden hier haben wir eine ganze Weile beobachtet, denn „2 in Action“ hatte ich bisher noch nie gesehen!
Tiere am Wasser
Ein ziemlich langer Spaziergang neigt sich seinem Ende zu und obwohl wir nicht einmal jeden Weg gegangen sind, war eine weitere Pause vor der langen Heimfahrt durchaus kein Fehler.

Im hinteren, ruhigen Teil des Gartens ist man fast ungestört und am Wochenende wir hier auch noch ein naturbelassener Teil dazu geöffnet. Ich vermute ‚mal, weil viele Familien kommen und es im Garten selbst ziemlich strenge Regeln gibt, die auch auf dem Plan aufgedruckt sind, den wir beim Eingang in die Hand bekommen haben.

die stille Ecke

Da wir Ende September und unter der Woche den Garten besichtigt haben, waren wenig andere Besucher anwesend. Auf Grund der Größe fühlt man sich noch einmal mehr wie „alleine in einem Zaubergarten“.

einein schöner Tag neigt sich dem Ende zu
Die jetzigen Besitzer (eine venezianische Adelsfamilie) bemühen sich seit 3 Generationen, das gesamte Gut von früheren Schäden zu befreien und durch dieses Engagement können wir wieder einen gut lesbaren symbolischen Garten aus dem 17. Jahrhundert besuchen.

Ich bedanke mich bei Dott.ssa Alessandra Cicogna und ihren KollegInnen für die vielen Informationen, den freundlichen Empfang und das Privileg, Cà Martinengo sehen zu dürfen.

Mehr Informationen über “das kleine Versailles” – “die Perle der Euganeischen Hügel” findet Ihr auf englisch oder italienisch hier:
info [at] valsanzibiogiardino [dot] it
Tel. +39 049 9130042

Ihr kennt auch einen Garten mit Geschichte? Dann schreibt mir doch, wo ich als nächsten hinfahren könnte…

Tanti Saluti – Elena
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