Die ehemalige römische Kolonie Concordia Sagittaria

Eine Stadt an der Via Appia gelegen

Ich muss zugeben, dass Concordia Sagittaria und ich nicht Liebe auf den 1. Blick war. Ich bin – als ich vor über 25 Jahren zufällig durchgefahren bin – einfach die “falschen” Straßen gefahren. Es hat mich aber dann doch neugierig gemacht, weil viele in meinem Umfeld von dieser kleinen Stadt als wunderbare Ergänzung bzw. perfekten Ausgleich zum Trubel der Urlauber-Hochburgen an der nördlichen Adria so schwärmten.

Daher bin ich einige Jahre später (von einer anderen Seite kommend) ganz gezielt hingefahren und diesmal war ich schon beim 1. Anblick verzaubert!

Egal ob aus Lignano, Bibione oder Caorle kommend – es sind knapp 30 Kilometer zu fahren und Parkplätze gab es bei meinen Besuchen immer reichlich und, wenn man einige Schritte mehr in Kauf nimmt, auch gratis und zeitlich unbeschränkt.

Apropos parken: Dass man als gesunder Autofahrer Parkplätze für Menschen mit Einschränkungen nicht wählt, ist klar. Ich fand aber die Zusatztafel eine großartige Idee. Es steht (frei übersetzt): Du willst meinen Platz? Dann nimm auch meine Behinderung!

Was ich bisher zeitlich noch nie geschafft habe, ist die geöffnete Brücke zu sehen.

Aber ich bin mir sicher, dass ich das bei Gelegenheit nachhole und diesen Artikel dann entsprechend überarbeiten werde.

Ich parke sehr gerne auf der “anderen” Seite der Sehenswürdigkeiten, denn alleine darauf zuzugehen bringt mir schon die ersten Glücksmomente. Ich erfreue mich an den schön geschmückten Häusern und gönne mir meist noch vor der 1. Besichtigung ein Eis.

Es gibt einige historische Gebäude!

Beginnen wir mit dem Bischofspalast aus dem 15. Jahrhundert. Meiner Meinung nach ist dieser Palazzo fast ein wenig über-renoviert, aber das ist Geschmackssache.

Nett finde ich die gut platzierten Fundstücke aus früheren Zeiten davor.

Auf diesem Platz finden auch immer wieder Veranstaltungen statt, die tatsächlich NICHT touristisch geprägt sind, sondern unübersehbar für die Bewohner.

Geht man um die Ecke, ist eine kleine Kapelle nur durch ein Tor getrennt direkt an den Palazzo angebaut. Wie man an dieser Mauer sehen kann, hat man bereits vor Jahrhunderten Altes wiederverwendet – Upcycling würde man heute dazu sagen.

Leider habe ich diese Türe noch nie geöffnet gesehen, daher kann ich nichts zu den Schönheiten drinnen sagen (sofern vorhanden).

Doch bleiben wir noch ein bisschen auf der Piazza Caduti per la Patria.

Palazzo Municipale

Das Rathaus stammt aus dem 16. Jahrhundert. Bisher habe ich nur besichtigt, was von außen zu sehen ist, denn das kleine Museum ist nur am Wochenende geöffnet.

Ein netter älterer Herr hat mir bei meinem letzten Besuch gesagt, dass der Eintritt kostenlos ist und vielleicht werde ich doch einmal an einem Sonntag hinfahren. Man kann sich zwar auch einen Termin ausmachen, wurde mir erzählt, aber ich denke, ich schaffe es auch so.

Bevor wir uns mit dem beeindruckenden Sakralbau beschäftigen, will ich euch noch fast 2000 Jahre zurückversetzen.

Römische Spuren

Wie bereits erwähnt, geht diese Stadt wie so viele auf die guten, alten Römer zurück. Ich parke üblicherweise beim Info Schild zur Via Annia, die mit der Via Postumia im heutigen Ortsgebiet kreuzte.

Der 2. Teil im Namen „Sagittae“ leitet sich von der Pfeilproduktion ab, die hier in großem Umfang zum Schutz vor den Barbaren gefertigt wurden.

Bei den Ausgrabungsarbeiten bei der Kirche wurden Reste einer römischen Straße gefunden. Das kommt immer wieder vor, wie ich euch schon im Artikel über Aquileia berichtet habe. Apropos: Ab dem 11. Jahrhundert kam Concordia Sagittaria wie so viele andere Dörfer unter die Herrschaft des Patriarchen von Aquileia, nur mit dem großen Unterschied, dass das damals recht kleine Dorf vorübergehend Bischofssitz wurde.

Auch Teile eines Mauerrings werden ganz unkompliziert als Gartenmauern genutzt. Wenn ihr genau schaut, könnt ihr sehen, dass das Straßenniveau zur Zeit der Errichtung ein ganz anderes gewesen sein muss.

Natürlich sind auch Reste von Thermen sichtbar – und wen wundert es: in der Via delle Terme. Eine sehr dominante Straße ist die Via Claudia, von der aus man zum Parco dei Signini gelangt.

Hier lohnt sich eine kleine Rast und ein kurzer Spaziergang, um im übersichtlichen Grün die Reste von Mosaiken, sowie römische Brunnen zu entdecken. Wenn ihr genauer schaut, dann seht ihr auch noch die Teile eines römischen Theaters.

Basilica Paleocristiana

Reste einer frühchristlichen Kirche sind ebenfalls zu besichtigen. In diesem Museum ist zwar Eintritt zu bezahlen, aber nicht besonders viel.

Wenn ihr an Ausgrabungen und Mosaiken interessiert seid, dann lohnt sich ein Besuch bestimmt! Übrigens: Das Ticket für das Ausgrabungsareal ist auch für das Museo Concordiese in Portogruaro gültig. Auch das habe ich schon besucht und fand es sehr interessant. Aber Achtung: die Gültigkeit ist begrenzt und daher bitte beim Kauf direkt fragen.

Die Kathedrale Santo Stefano Protomartire

Ich finde ja eigentlich, dass diese Kirchenkomplex von hinten opulenter aussieht als von vorne, aber das muss jeder für sich entscheiden. Obwohl der Baubeginn weiter zurück liegt, kann man mit Mitte des 15. Jahrhunderts die Fertigstellung des ersten großen Kirchenschiffs festlegen. Endgültig fertig wurde die Kathedrale S. Stefano erst im 19. Jahrhundert (Konstruktion des Chores).

Rechts von der Basilika befindet sich der Glockenturm  (12. Jahrhundert), der nicht wie sonst in Italien oft üblich etwas weiter vom Kirchenschiff weg steht.

Das Innere der Kirche – Hauptschiff

Ich liebe ja Fresken – egal ob innen oder außen an den Hausmauern. Dieses Kunstwerk hat mich insofern besonders beeindruckt, denn wenn man genau schaut, kann man sich, ohne einen Buchstaben zu lesen, die ganze Geschichte vorstellen. Wie schön muss das erst gewesen sein, als alle Wände noch voll damit waren…

Achtet bei einem Besuch auf das Taufbecken mit dem interessanten Aufsatz (natürlich im Baptisterium), den wertvollen Barockaltar und das Weihwasserbecken aus dem 1. Jahrhundert n. Chr.!

Kapelle der Märtyrer

Ganz besonders beeindruckend fand ich aber die Seitenkapelle, denn mit so einer Pracht hätte ich in einer relativ kleinen Stadt niemals gerechnet. Die Farben kann man mit keinem Foto so beeindruckend wiedergeben, aber wenn man mitten drin steht und besonders wenn man auch noch gläubig ist, dann fühlt man wirklich diese außergewöhnliche Stimmung.

Ich bin zwar katholisch, aber mit dem Präsentieren von Reliquien in Teilen, ganzen Skeletten oder – noch schlimmer – “kompletten” (nicht verwesten und auch nicht mumifizierten) Heiligen habe ich so meine Probleme.

Hier werden die absonderlichsten Knochenreste zur Schau gestellt und unter der Kirche sollen Reliquien von Johannes dem Täufer, dem Evangelisten Johannes und den Heiligen Andreas, Lukas und Thomas zu sehen sein.

Ich habe mich nicht auf die Suche begeben, denn für mich war der Schrein ausreichend.

Was ich aber festhalten möchte:

Für alle, die das interessiert, ist direkt in der Seitenkapelle eine Abbildung mit Erklärungen aufgelegt, damit man genau zuordnen kann, um welche Heiligen es sich handelt.

Das Baptisterium aus dem 11. Jahrhundert

In der romanisch-byzantinischen Taufkapelle haben mich die seltenen und gut erhaltenen Fresken beeindruckt. Das Tor war bei unseren Besuchen immer geöffnet. Der Bau stammt aus dem 11./12. Jahrhunderts und befindet sich hinter der Kathedrale beim mittelalterlichen Glockenturm.

 

Möglichkeiten für Speis und Trank gibt es reichlich!

Concordia Sagittaria hat heute ca. 10.000 Einwohner und hat somit eine gute Größe für einen Ausflug. Wie zu erwarten ist, ergibt sich dadurch auch, dass ich reichlich Gastronomie in unterschiedlichsten Preisklassen gefunden habe.

Meine beiden Favoriten sind jedoch gleich beim Municipio bzw. der Rückseite der Kathedrale zu finden (Via Roma). Die Enoteca Bistrot Altamarea habe ich euch bereits vorgestellt. Will ich nur schnell etwas trinken und eine kalte Platte dazu, damit der Alkohol nicht so schnell ins Blut geht, so wähle ich das Lokal 2 Türen weiter.

Auch außerhalb der Badesaison einen Besuch wert

Concordia Sagittaria liegt am Fluss Lemene angrenzend an Portogruaro, das ihr ebenfalls unbedingt besuchen solltet, wenn ihr in der Nähe seid. Es führt sogar ein angenehmer Radweg den Fluss entlang.

 

 

Tanti Saluti

Elena

♥♥♥

Offenlegung:

Dieser Artikel wurde weder bezahlt noch beauftragt und entstand nach unzähligen Besuchen in den letzten 20 Jahren in Concordia Sagittaria.

♥♥♥

 

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