Die bedeutendsten Kirchen von Venedig

Ein besonderer Rundgang durch die Serenissima

Man kann sie gar nicht alle beschreiben, die Kirchen von Venedig und kein Urlauber wird sich vermutlich die Zeit nehmen, alle zu besuchen. Wir sprechen von 90 – 160 Gotteshäusern, je nachdem, wie weit man den Radius anlegt.

Bewundert doch die ein- oder andere Kirche meiner Auswahl bei eurem nächsten Venedig-Besuch – vielleicht sogar auch von innen.

  • Basilica di San Marco samt Campanile
  • Basilica di San Giorgio Maggiore
  • Basilica di Santa Maria della Salute
  • Basilica di Santa Maria Gloriosa dei Frari
  • Basilica dei Santi Giovanni e Paolo

Basilica di San Marco – der Markusdom mit seinen 5 Kuppeln

Alleine die detaillierte Beschreibung der Basilika würde ein ganzes Buch füllen. Erste kirchliche Bauten entstanden vor 830 und gelten als gelungene Verschmelzung von Byzanz und Rom. Trotz der vielen Menschen lohnt es sich Zeit zu nehmen und zuerst die Details außen zu bewundern. Die Bronzepferde über dem Haupteingang, die 5 prächtigen Portale mit den Mosaik-Geschichten und all die anderen faszinierenden Details.

Über dem Mittelbogen ist eine Figur vom Heiligen Markus zu sehen, ihm zu Füßen der geflügelte Löwe und auf beiden Seiten goldenen Engel. Ob man die Pracht innen UND außen auf einmal erfassen kann, ist unwahrscheinlich. Die Mosaike und deren goldene Hintergründe innen und außen sind absolut atemberaubend!

Ob katholisch oder nicht: das Grab des Heiligen Markus in der Basilika sollte man auf jeden Fall ansehen.

In gigantischen Kirchen wie der sind natürlich auch die Böden Beachtung wert, aber der Blick in die Kuppeln während des Rundgangs ist ein MUSS! Trotz der unsagbar üppigen Vergoldungen wirkt der Innenraum im Halbdunkel fast mystisch.

Aber es sollte nicht vergessen werden, dass es sich trotz aller Pracht um ein Gotteshaus handelt. Die Chance, im geschäftigen Treiben dieser Stadt trotzdem einige Minuten inne zu halten, könnt ihr hier trotz Touristenströmen nutzen.

Wer nach der Besichtigung des Kirchenraumes noch Energie hat, auf den warten die Schatzkammer, das Pala d’Oro und das Museum Marciano. Im Gegensatz zur Kirchenbesichtigung an sich muss man hier jeweils (moderat) extra Eintritt bezahlen.

Eintritt zum Gebet

Falls man eine Messe besuchen möchte, betritt man die Basilika San Marco durch das Seitenportal „Porta dei Fiori“ (Nordfassade, Piazzetta dei Leoncini). Angemessene Kleidung und Schuhe sowie keine zu großen Taschen oder gar Rucksäcke versteht sich von selbst.

Besonders gut besucht ist die Basilika übrigens am Tag des Namenspatrons: „Festa di San Marco“ (25. April). Wer also nicht noch mehr Menschen als sonst in der wärmeren Jahreshälfte um sich haben möchte, sollte einen anderen Termin wählen.

Besonders wenige Menschen sind abend und natürlich nachts am Markusplatz, wobei ich euch die kalte Jahreshälfte empfehlen würde.

Campanile di San Marco

Der fast 100 m hohe frei stehende Campanile von San Marco wurde zwar erstmals im 12. Jahrhundert vollendet, aber im Laufe der Jahrhunderte mehrfach beschädigt und wieder aufgebaut. Er diente auf Grund seiner Höhe ursprünglich als Wach-, Wehr – und Leuchtturm; alles in einem sozusagen!

Was wir heute sehen – das grüne Dach mit dem Erzengels Gabriel an der Spitze – wurde erst nach 1500 ergänzt. Wobei der Campanile in seiner jetzigen Form erst etwas über 100 Jahre alt ist, da der Turm kurz nach 1900 in sich zusammenfiel, aber in gleicher Form wie das Original wieder aufgebaut wurde. Für alle, die auf den Campanile wollen lohnt sich ein Online Ticket vorab zu kaufen, die die Warteschlangen sind teilweise sehr lang.

 

Basilica di San Giorgio Maggiore

Doch bleiben wir gleich bei einer Kirche, bei der es sich fast noch mehr lohnt, vom Turm aus in die Weite zu blicken.

Nicht nur, aber besonders vom Turm aus hat man einen perfekten Panoramablick auf den Markusplatz und die Lagune, aber auch in den Klostergarten samt Kreuzgang auf der hinteren Seite. Bequem und vergleichsweise günstig kommt man mit dem Aufzug nach oben.

Die Basilika San Giorgio Maggiore, deren erste Mauern bereits vor 1.000 errichtet wurden, ist in seiner jetzigen Form ist ein Werk von Andrea Palladio. Die Kirche selbst gehört zum Benediktiner Kloster und dessen Mönche sind die einzigen verbliebenen ständigen Bewohner der Insel. Beachtenswert ist das Chorgestühl im Mönchschor (Presbyterium) – eine wirklich herausragende handwerkliche Leistung.

Im linken Seitenschiff sollte man die Werke Tintoretto’s nicht übersehen. Trotz teilweise anstrengender Hell-Dunkel-Kontraste lohnt es sich, das letzte Abendmahl genauer zu betrachten und die Symbolik des Lichts zu sehen. Im Gegensatz zu Da Vinci’s Abendmahl herrscht hier eher Chaos, was auf die religiösen und politischen Turbulenzen dieser Zeit zurückzuführen und gewollt ist.

Die Isola San Giorgio Maggiore ist mit einem Vaporetto bequem zu erreichen.

 

Basilica di Santa Maria della Salute

Diese grandiose Barockkirche in unmittelbarer Näher der Punta della Dogana an der Mündung des Canal Grande und ist fast komplett weiß. Dadurch dass der Eingang über eine breite Treppe zu erreichen ist, wirkt sie noch hoheitsvoller.

Der junge Architekt Baldessare Longhena hatte mir diesem Projekt ein Lebenswerk geschaffen, denn die Fertigstellung erfolgte erst 5 Jahre nach seinem Tod.

Im Gegensatz zu vielen anderen Kirchen handelt es sich hier um einen achteckigen Bau, der von einer dominanten Kuppel gekrönt wird. Trotz der sechs Seitenkapellen wirkt das Innere eher nüchtern. Einen Blick zum Marmorfußboden sollte man auf keinen Fall versäumen, denn dieser ist mit kostbaren Einlegearbeiten verziert.

Die bedeutendsten Gemälde befinden sich in der Sakristei links vom Altar: neben dem bekannten Werk „Die Hochzeit zu Kanaa“ von Tintoretto sind noch 6 Gemälde Tizians zu bewundern.

Erbaut wurde die Kirche zum Dank für das Ende der Pest-Epidemie (Salute = Gesundheit), der 1630 ein Drittel der Bevölkerung Venedigs zum Opfer fiel. Tizians Werk „der Heiliger Markus mit den Ärzteheiligen Cosmas und Damian, sowie St. Sebastian und St. Rochus“ sind hier zu nennen. Pestheilige werden oft in Kombination verehrt.

 

Basilica di Santa Maria Gloriosa dei Frari

Im Herzen von Venedig, nur wenige Gassen vom Campo San Polo entfernt, findet man die gotische Basilica di Santa Maria Gloriosa dei Frari, eine der größten Kirchen in Venedig. Sie entstand aus einer kleinen Kirche des Bettelordens der Franziskaner. Von außen wirkt sie eher schlicht, aber die Liste der Kunstschätze ist dermaßen lang, dass man sie kaum aufzählen kann.

Besonders beachtenswert ist Tizian‘s Altarbild mit der Aufnahme Mariens in den Himmel, das Triptychon der Hl. Jungfrau und den Heiligen von Bellini sowie Donatello’s Skulptur vom Hl. Johannes dem Täufer, rechts vom Hochaltar.

Ein ganz spezielles Werk ist auch das pyramidenförmige Mausoleum des Bildhauers Antonio Canova, gleich links nach dem Haupteingang. Es wurde nach seinem eigenen Entwurf von dessen Schülern erbaut.

Doch noch einige weitere bedeutende Persönlichkeiten vergangener Epochen haben hier ihre letzte Ruhe gefunden: mehrere Dogen und Generäle, der Komponist Claudio Monteverdi sowie der Maler Tizian, dessen Grabmal von Kaiser Ferdinand I. von Österreich gestiftet wurde.

In der Basilika befinden sich als Besonderheit 2 Orgeln aus dem 18. Jahrhundert auf der rechten und der linken Seite des Chors. Der hervorragende Zustand beider Orgeln ermöglicht die Aufführung von Musikstücken aus dem 16. und 17. Jahrhundert, die speziell für 2 Orgeln geschrieben wurden.

 

Basilica dei Santi Giovanni e Paolo

An dieser wunderschönen Kirche wurde an die 200 Jahre gebaut!

Zanipolo, wie sie von den Venezianern liebevoll genannt wird, ist die Klosterkirche der Dominikaner und wurde 1430 eingeweiht. Man könnte vermuten, dass die Kirchenpatrone die beiden Apostel sind, jedoch handelt es sich um zwei gleichnamige Märtyrer aus Rom, die ebenso wie viele andere als Schutzheilige gegen die Pest gelten.

Mehr als 25 Dogen wurden hier beigesetzt, was der Kirche den Beinahmen „Pantheon von Venedig“ einbrachte. Die Namen lesen sich wie das „Who is who“ der italienischen Adelsfamilien und Künstler.

Doch nicht nur die Grabmäler, auch die Größe des Hauptschiffes nehmen den Besucher sofort gefangen. Nach der Basilika von San Marco wurde diese Kirche als offizielle Kirche für das öffentliche Leben der Serenissima angesehen.

 

Chorus – Associazione per la chiese del patriarcato di Venezia

Der Verein für die Kirchen des Patriarchats von Venedig hat es sich zur Aufgabe gemacht, einige der bedeutendsten Kirchen zu erhalten, daher wird in diesen Eintritt kassiert. Vergünstigungen sind über einen Kirchenpass möglich. Der Pass kostet 12,– €; der Eintritt in eine der Kirchen kostet 3,– €. Alle übrigen Gotteshäuser können bei freiem Eintritt besichtigt werden.

 

Warum zeige ich keine Bilder von innen?

Das Patriarchat von Venedig hat strenge Regeln bei der Veröffentlichung von Innenaufnahmen bedeutender Kirchen. Ich hätte einen mehrseitigen Vertrag unterschreiben müssen und eine Kaution bezahlen, die ich (vielleicht) zurückbekommen hätte. Alle meine Bilder hätte ich abgeben müssen! Die langwierige Korrespondenz ist nach einiger Zeit von deren Seite verebbt. Daher habe ich beschlossen, es gut sein zu lassen. Ich zeige euch die Kirchen von außen und ihr könnt bei näherem Interesse im Internet Innenaufnahmen finden. Besser ist jedoch, ihr fahrt selber hin und staunt bei einem Besuch.

 

Gut zu wissen:

  • Im Gegensatz zu unseren Breiten ist zu beachten, dass die Kirchen von Venedig über Öffnungszeiten verfügen – besonders außerhalb der Hauptsaison! Sonntag (!!) ganztags und die restlichen Tage um die Mittagszeit kann durchaus für 2 oder mehr Stunden geschlossen sein.
  • Bei einigen Kirchen müsst ihr Eintritt bezahlen. Will man mehrere besichtigen, lohnt es sich den Kirchenpass zu kaufen.
  • Man sollte nicht mehr darauf hinweisen müssen, jedoch auch im heißesten Sommer wird vor allem in Italien Wert auf angemessene Kleidung in Gotteshäusern gelegt. Zu kurze Hosen bzw. Röcke und schon gar keine blanken Schultern sind erwünscht. Letztere lassen sich leicht mit einem Pashmina verdecken.
  • Man darf nicht in jeder Kirche fotografieren und wenn, dann ohne Blitz und ohne Stativ. Ausnahmegenehmigungen sind in der jeweiligen Kirche schriftlich einzuholen.
  • Telefonieren in der Kirche ist streng untersagt.
  • Unbedingt respektvoll dezent im Hintergrund bleiben, wenn während der Besichtigung eine Messe oder gar eine Hochzeit gefeiert wird.

Haltet euch an diese allgemein gültigen Regeln, dann bleiben Kirchenbesuche in Venedig ein wunderbarer Teil der Erinnerung.

Wenn ihr es euch einrichten könnt, so macht genau bei Sonnenuntergang noch eine Vaperetto Fahrt und genießt es, an San Giorgo, Santa Maria Salute und dem Markusdom vorbeizufahren. Wenn ihr Glück habt, brennt der Himmel wie hier (allerdings ist das leider nicht oft so).

Tanti Saluti – Elena


Offenlegung:

Dieser Artikel entstand nach unzähligen selbst bezahlten Besuchen der unterschiedlichsten Kirchen von Venedig.


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geschrieben von
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Marano Lagunare

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