Italiens Ostküste entdecken

Eine Küstenreise am nordöstlichen Stiefel von Ravenna nach Fano

In den letzten Jahren bin ich gleich zweimal hintereinander in der Nachsaison entlang der östlichen Stiefelküste Richtung Süden gefahren. Mal führte der Weg näher am Strand, mal ein klein wenig weiter ins Landesinnere. Ich möchte euch heute zeigen, wie unterschiedlich Städte, Dörfer und selbst die Strände sein können.

Adria Strand in der Nachsaison

Begleitet mich auf dieser Reise, die man zwar auch im Eiltempo schaffen könnte, bei der ich aber bewusst den Weg selbst zum Ziel machen wollte. Die Distanz beträgt meines Vorschlages etwa 125 Kilometer und wäre an einem Tag locker machbar.

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Ich habe mir dafür deutlich mehr Zeit genommen, um Städte, Dörfer und Strände in Ruhe zu erleben. Wenn Zeit für euch kein Problem darstellt und ihr wirklich etwas besichtigen wollt, mein Rat: Macht Abstecher ins Land hinein; wenige Kilometer reichen schon.

Ravenna – Mosaike und ganz viel Geschichte

Ravenna ist mehr als ein Startpunkt. Die Basilika San Vitale, das Mausoleum der Galla Placidia, das Battistero degli Ariani und einige mehr zählen zu den UNESCO-Welterbestätten und verzaubern mit ihren Mosaiken und der Geschichte dahinter nicht nur mich.

Sant Apollinare Nuovo Ravenna
Basilica di San Vitale Ravenna

Dante selbst hat hier seine letzten Jahre verbracht, und wer durch die Altstadt schlendert, spürt die Schönheit vergangener Epochen.

Chiesa di Santa Giustina Ravenna
Krypta San Francesco Ravenna
Baptisterium der Kathedrale Ravenna

Man könnte hier Stunden, ja Tage verbringen, zwischen Kunstwerken und alten Gassen, doch die Straße ruft.

Dom von Ravenna
Piazza del Popolo Ravenna
Mura Porta Gaza Ravenna

Die ersten Kilometer entlang der Küste öffnen den Blick auf die Strände der Romagna. Vom Stadtzentrum aus ist es nur ein kleiner Sprung zu Punta Marina, Lido Adriano oder Lido di Dante.

Strand bei Ravenna

Welchen ihr wählt, ist Geschmackssache; Hauptsache, die Wellen der Adria umspülen gleich mal eure Füße.

Sollte das Wetter zum Baden oder in der Sonne nicht perfekt sein, dann könnt ihr von Ravenna aus einen Schlenkerer über Russi und Faenza (Majolika-Keramik) nach Brisighella im hügeligen Hinterland machen und über Forlì zurück Richtung Cesena. Ab hier merkt man, dass die Poebene langsam endet. Solltet ihr Zeit übrig haben, lohnt sich ein Umweg durch diese Hügelkette absolut!

Cervia – Milano Marittima

Kurz hinter Ravenna liegt Cervia mit seinen jahrhundertealten Salinen. Das Salz hier zählt zu den reinsten Italiens und bereits die Etrusker wussten über die Notwendigkeit von Salz Bescheid. Nehmt euch Zeit für den Fischeihafen; er erzählt von arbeitssamen Menschen, die sich jahrhundertelang nach dem Meer richteten.

Milano Marittima, gleich anschließend, wirkt im Vergleich eleganter. Villen aus dem frühen 20. Jahrhundert spiegeln den mondänen Charakter zwischen Pinien und Strandpromenaden dieses Badeorts wider.

Wir haben uns (durch den Schlenkerer ins Landesinnere) in dieser Zwillingsstadt aber nicht aufgehalten, denn unser nächstes Ziel war gleichzeitig unser 1. Punkt zum Nächtigen.

Cesenatico mit Leonardo da Vincis Kanal

Ich muss gestehen: Cesenatico ist ein kleines Juwel an der Küste.

Der Porto Canale wurde einst von Leonardo da Vinci geplant; heute pulsiert hier das Leben. Fischerboote mit bunten Segeln schaukeln dekorativ im Wasser, das Museo della Marineria erzählt vom Leben an der Adria.

Die Promenade lädt zum Spazieren ein, was wir trotz der langen Anreise sehr genossen haben. Man spürt, dass das Meer hier immer noch den Alltag prägt.

Museo della Marineria Cesenatico

Canale von Leonardo da Vinci Cesenatico

Am Abend glitzerten die Lichter der Hafenpromenade im Kanalwasser und es war, als ob der Himmel brennt.

Der Himmel brennt in Cesenatico

Das war nur einer der Gründe, warum wir froh waren, hier übernachtet zu haben und sowohl den Abend als auch den Morgen in Ruhe zu erleben.

Collage Spose dei Marinai Cesenatico

Von Cesenatico hatte ich mir nichts Besonderes erwartet, doch es wurde zu einem der Highlights dieser Reise.

Elena in Cesenatico

Ein wenig Liebe, eine schöne Geschichte, viel Atmosphäre und jede Menge origineller Lokale und Geschäfte werdet ihr hier finden.

Collage Cesenatico

Cesenatico – ich komme ganz bestimmt wieder!

Gatteo a Mare, Bellaria, Igea Marina…

Auf unserer weiteren Route hatten es die kommenden Orte natürlich schwer, denn hinter uns lag Cesenatico und vor uns Rimini. Daher konnte uns kein Ort zwischen den beiden zum Pausieren verleiten.

Santarcangelo di Romagna

Was uns aber zu einer kleinen Pause für Speis & Trank und einer Runde spazieren verführt hat ist Santarcangelo di Romagna. Das Dorf mag nicht riesig sein, aber es ist absolut originell und ich würde hier immer wieder ein kleines Päuschen einlegen. Es gibt für mich hier noch einiges zu erkunden. 🙂

Doch unser nächstes Ziel ist eines der Zentren des Badetourismus.

unterwegs nach Rimini

Rimini – Fellini, Strände und Geschichte

Rimini ist mehr als Strand und Promenade.

Parken am Bahnhof Rimini

Die Tiberius-Brücke, der Augustus-Bogen und das Borgo San Giuliano erzählen von römischer Vergangenheit, während Fellinis Spuren überall zu entdecken sind.

Geparkt haben wir übrigens beim Bahnhof und der Preis war fair.

“Theoretisch” laden die ca. 15 km langen Strände zu einem Spaziergang ein; wir konnten jedoch einem Besuch am Wochenmarkt nicht widerstehen.

Was mir in der ganzen Innenstadt sehr gefallen hat sind diese detaillierten und schön gestalteten Wegweiser. 🔝 Damit ist es wirklich ganz einfach, von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit zu kommen, ohne sich in den Gassen zu verlaufen.

Wegweiser in Rimini

Tempio Malatestiano Rimini

Und natürlich durfte ein bisschen (Kunst-) Geschichte trotzdem nicht fehlen, und zwischendurch genossen wir eine Pause in einem der Cafés in der überraschend schönen Altstadt.

Piazza Tre Martini Rimini

Auch Rimini, das ich schon mehrfach kurz besucht habe, möchte ich einmal genauer erkunden.

Mit über 150.000 Einwohnern gibt es genug Kunst, Kultur und historische Details, die eine längere Entdeckungstour lohnen.

Vecchia Pescheria Rimini

Piazza Cavour Rimini

Elena in Rimini

Riccione – Cattolica

Riccione ist der Ort, an dem der Tourismus richtig aufdreht. Die langen Sandstrände, die Palmen gesäumte Viale Ceccarini und das vibrierende Leben in den Cafés vermitteln sofort dieses italienische Sommergefühl – besonders für junge Leute.

Cattolica ist deutlich ruhiger. Der Hafen ist klein, aber lebendig und am 1. Mai Wochenende gibt es alljährlich ein Blumenfest.

Auch diese beiden haben wir nur gestreift, denn auf den nächsten Wegpunkt habe ich schon mit Ungeduld gewartet. Das Castello di Gradara verspricht eine Liebesgeschichte ♥

Gradara – die Burg der Liebe

Gradara ist eine kleine Bergstadt, nur einen ganz kurzen Umweg von der Küste entfernt und doch fühlt sich die Ankunft an wie eine Reise in eine andere Zeit. Jeder Meter hinauf (zuerst mit dem Auto und dann zu Fuß) lohnt sich.

Die Burg von Gradara erhebt sich mit ihren Wehrmauern und Türmen über die Landschaft, originell gepflasterte Gassen führen durch den Ort und lassen das Mittelalter greifbar werden. Proloco Gradara hat gute Arbeit geleistet!

Küssen bei der Burg Gradara
Uhrturm Gradara

Dass man die Festung auch „il rocca dell’amore“ nennt, lässt meine Fantasie sofort anspringen. Zwischen den Mauern scheint es, als würden alte Geschichten von Liebe, Intrigen und Rittertaten weiterleben.

Burgmauer Gradara
Schlafzimmer Burg Gradara
Aussicht von Burg Gradara

Während ich nach der Besichtigung durch die Gassen schlendere, habe ich fast das Gefühl, die Mauern flüstern mir noch immer zu…

Elena bei Burg Gradara

Nach dieser Besichtigung und mit Blick aufs Meer wurde es für uns Zeit, unsere Tagesetappe zu beenden.

Blick von Gradara Richtung Adria

Pesaro – Kunst, Musik und Küste

Pesaro begrüßt mich mit einem weiten Blick aufs Meer und einer lebendigen Altstadt. Die Stadt ist als Geburtsort von Gioachino Rossini bekannt. Werke wie “Der Barbier von Sevilla” oder “La Cenerentola” gingen von hier aus in die Welt. Als Freundin klassischer Musik spüre ich diesen feinen musikalischen Hauch an vielen Ecken. Selbst Luciano Pavarotti ist hier verewigt.

Rossini Statue Pesaro
Palazzo Mazzolari Mosca - Uffici Comunali Pesaro
Luciano Pavarotti Statue Pesaro

Wenn ihr unweit vom Strand spazieren geht, entdeckt ihr vielleicht auch den übergroßen Motorradhelm, eine Hommage an Valentino Rossi, der in der Nähe von Pesaro lebt.

Valentino Rossi Helm Pesaro
Arnaldo Pomodoro Kugel Pesaro

Wir haben also Musik und Sport, doch auch die Kunst kommt nicht zu kurz. Ein Werk des italienischen Bildhauers Arnaldo Pomodoro findet sich ebenfalls hier.

Pesaro Centro

Ihr seht, zu entdecken gibt es einiges!

Am schönsten ist es wohl, einfach ins Zentrum zu schlendern und die typisch italienischen Gassen und Plätze auf euch wirken zu lassen. Kaum zu glauben, dass wir erst rund 100 Kilometer unterwegs sind und schon so viele Eindrücke gesammelt haben.

Eine Gasse in Pesaro

Über Pesaro werde ich bestimmt noch einmal ausführlicher schreiben, denn die Stadt mit fast 100.000 Einwohnern hat mir richtig gut gefallen.

Sonnenuntergang Pesaro
Sonnenaufgang in Pesaro

Römische Spuren in Fano

In Fano trennt der Fischereihafen zwei ganz unterschiedliche Strandabschnitte: nördlich davon liegt ein sandiger, flacher Küstenstreifen, südlich schließt ein steilerer Kiesstrand an. Schon hier merkt man, wie vielfältig selbst kurze Abschnitte entlang der Adria sein können.

Corso G. Matteotti Fano

Fano ist kleiner als Pesaro und wirkt doch eigenständig. Die Stadt überrascht mit einer spannenden Mischung aus römischer Geschichte und entspanntem Strandleben.

Fano Collage

Der Augustus-Bogen erinnert an die antike Vergangenheit, Reste der römischen Stadtmauer und die mittelalterlichen Befestigungen erzählen von späteren Epochen. Gleichzeitig lädt die breite Strandpromenade zum Spazieren und Verweilen ein.

Rocca Malatestiana Fano

Diesmal haben wir uns bewusst auf das historische Zentrum konzentriert und direkt bei der Rocca Malatestiana geparkt, die leider genau an diesem Tag geschlossen war. Von dort lässt sich die Altstadt wunderbar zu Fuß erkunden. Zwischen schmalen Gassen, kleinen Geschäften und lebhaften Plätzen spürt man schnell, dass Fano mehr ist als nur ein Badeort; hier treffen Geschichte und Alltag harmonisch aufeinander.

Resümee: 120 Kilometer voller Kontraste

Diese rund 120 Kilometer entlang der Adria zeigen, wie unterschiedlich selbst ein vergleichsweise kurzer Abschnitt an Italiens Ostküste sein kann.

Boote im Adria Hafen
Senknetz an der Adria
Nachsaison am Adria Strand
Strand und Feld an der Adria

Weite, flache Strände bei Ravenna, elegante Badeorte, kleine Fischereihäfen, römische Bögen und lebendige Altstädte. Alles liegt nah beieinander und fühlt sich doch jedes Mal anders an.

Gerade das macht diese Strecke so reizvoll: Man muss keine weiten Distanzen zurücklegen, um Neues zu entdecken. Hinter der Küste warten im Hinterland sanfte Hügel, kleine Orte mit mittelalterlichen Mauern und stille Plätze, die oft zu den „Borghi più belli d’Italia“ zählen. Wer also Zeit mitbringt, sollte nicht nur der Strandstraße folgen, sondern ruhig auch einmal ins Landesinnere abbiegen.

Hinterland Fano

Und natürlich führt die Küstenstraße weiter Richtung Süden. Die Adria hört hier nicht auf, sie verändert nur wieder ihren Charakter.

Blick auf die Adria bei Fano

Es gibt also genug Gründe, den Motor noch einmal zu starten oder einfach auf einer anderen Route zurückzukehren…

Tanti Saluti

Elena


Offenlegung:

Dieser Artikel wurde nicht bezahlt und nicht in Auftrag gegeben. Er beschreibt meine persönlichen Erlebnisse auf privaten Fahrten durch die Regionen in der ruhigen Nachsaison.


 

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