Die Stadt, die früher direkt am Meer lag, hat knapp 160.000 Einwohner liegt in der östlichen Ecke der Region Emilia-Romagna. Heute muss man ca. 9 km bis zum Strand fahren, wobei sicher die wenigsten bei Ravenna an einen Badeurlaub denken. Überraschend für mich gibt es aber einen ca. 35 km langen Badestrand mit 9 Badeorten für jeden Geschmack.

Ravenna hat mich tief beeindruckt

In Ravenna befinden sich 8 Bauwerke des UNESCO-Weltkulturerbes aus dem 5. bzw. 6 Jahrhundert und das war auch der Grund, warum wir diese geballte Ladung Geschichte unbedingt besuchen wollten. 1500 Jahre alt – das muss man sich erst einmal vorstellen!
In etwas mehr als 3 Jahrhunderten war Ravenna die Hauptstadt

  • Des Weströmischen Reichs, dann
  • Des Gotenkönigs Theoderich des Großen und zuletzt
  • Des Byzantinischen Reichs
Wie häufig bei Stadtbesichtigungen haben wir diesmal eine Unterkunft gewählt, bei der wir das Auto kostenlos stehen lassen und problemlos zu Fuß in die Innenstadt gelangen können.

 A·Casa

Das „A·CASA“ ist ein kleines, sehr persönlich geführtes B&B, das ca. 1 km vom Bahnhof entfernt liegt wobei gleich 2 Querstraßen danach die Sehenswürdigkeiten der Altstadt beginnen. Es war leicht zu finden und wir hatten direkt vor dem Haus an der Straße einen Parkplatz.

Nur 3 Zimmer befinden sich in dem modernen Gebäude und jedes davon ist anders eingerichtet. Unser Zimmer war groß und auch das Bad war sehr geräumig.
Schick sind alle Zimmer, genau wie der Empfangsbereich und die offene Küche, in der die freundliche Gastgeberin Antonella unser Frühstück zubereitet hat.

Kennt eigentlich jemand den Namen der Früchte? Der baumartige Busch vor dem Haus war so hoch, dass er bis zum 1. Stock gewachsen ist. Die Früchte selbst sahen aus wie Oliven und hatten auch einen ähnlichen Kern. Wir waren überrascht!

Im Innenhof ist ein kleiner Teich angelegt, in dem bis vor einiger Zeit Fische waren, jedoch wollte vermutlich ein anderer Hausgenosse lieber das einzige Haustier bleiben 😉

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Zentrum

Das Zentrum von Ravenna ist übersichtlich und daher kann man in kurzer Zeit viele der Sehenswürdigkeiten bewundern, wobei wir uns nur 3 Kirchen ausgesucht haben und die restlichen im Zuge unseres Spazierganges durch die schmalen Gassen nur im Vorbeigehen bewundert haben. Wir hätten von den Schönheiten gar nicht mehr aufnehmen können und ein weiterer Besuch war bereits vor unserer Abreise fix.

San Francesco

Begonnen haben wir noch am Abend unserer Ankunft mit der dreischiffigen Säulenbasilika San Francesco. Was mir hier besonders gefallen hat, war der Mosaikboden auf dem Grundwasser steht. Das von Säulen getragenen Gewölbe der unteren Chorpartie kann (natürlich gegen Geld) beleuchtet werden und dann wird die Schönheit erst so richtig sichtbar. Sogar einige Goldfische konnten wir entdecken!

Gleich in der Nähe – quasi ums Eck – befindet sich das Grabmal vom Dichter Dante Alighieri. Überlieferungen zufolge vollendete er seine „Göttliche Komödie“ hier, die von Sandro Botticelli, einem der bekanntesten Renaissance Künstler, mit 94 Federzeichnungen ergänzt wurde.

Falls euch 1500 Jahre Geschichte zu mächtig ist, schlage ich einen Besuch in der  „Oriani Bibliothek für Zeitgeschichte“ an der Piazza S. Francesco vor.

Piazza del Popolo

Der zentrale Platz ist unter venezianischer Herrschaft gestaltet worden. In JEDER italienischen Stadt muss man auf dem Hauptplatz gewesen sein. Nach dem Vorbild der Piazza San Marco in Venedig begrenzen zwei Säulen das Ende des Platzes vor dem Municipio (= Rathaus).

Wir haben diese Stadt an einem Freitag besucht und wie es in Italien so üblich ist, waren fast ALLE Bars drinnen und draußen gut besucht. So waren wir gezwungen, kreuz und quer in den Gassen rund um den Hauptplatz zu suchen bis wir in der Nähe der Haupteinkaufsstraße Via Cavour ein geeignetes Lokal für unseren Aperitivo gefunden hatten. Es ist üblich, dass zum „Spritz“ (mit Aperol oder ohne = Bianco) kleine Häppchen gereicht werden. Die  „Cabiria Wine Bar“ war zwar nicht ganz günstig, aber dafür waren die kleinen Leckereien in der Antipasti-Box ausgezeichnet
Unweit vom Bahnhof haben wir beim mehr oder weniger ziellos herumschlendern auf der Piazza Anita Garibaldi (Ehefrau von Giuseppe Garibaldi) ein wirklich großes Helden-Monument? Kriegerdenkmal? Siegesgöttin? gefunden. An jeder Seite des Sockels bewachen Löwen die weibliche Statue – eine Frau mit altertümlichem Kettenhemd und Lorbeerkranz und einem neuzeitlich gekleidetem Soldaten zu ihren Füssen.

Doch nicht lange blieben wir stehen, denn gregorianische Choräle klangen leise in unser Ohr. Wir suchten nach der nächstgelegenen Kirche und wurden schnell fündig.

San Giovanni Evangelista

San Giovanni Evangelista ist eine Votivbasilika aus dem 5. Jahrhundert mit einem viereckigen, 42 Meter hohen Westturm aus dem 10. Jahrhundert, die leider im 2. Weltkrieg ziemlich beschädigt wurde. Zum Glück konnte aber vieles wieder restauriert werden. Die Musik, die uns zur Basilika gelockt hat, stammte aus Lautsprechern die an der Außenmauer des Haupthauses angebracht waren. Durch ein wunderschönes Portal gelangt man zum begrünten Vorhof und dann weiter ins Gebäude. Die Kirche hat links und rechts Säulenreihen und sonst eher schlicht. Aber die Musik hat unseren Besuch sehr mystisch gemacht.
Bereits auf dem Heimweg haben wir noch bei

Sant’Apollinare Nuovo

vorbeigeschaut. Der Heilige Apollinaris ist übrigens der Stadtpatron Ravennas. Bekannt ist die Basilika vor allem – wie die anderen ostgotischen und byzantinischen Kirchen Ravennas – wegen der Wandmosaiken in ihrem Innern (eine der Top 8).

Um die Ecke dieser Basilika befindet bzw. befand sich der Palast Theoderichs. Mehrere Bauten sind auf die Grundmauern gesetzt worden, doch dank eines erhaltenen Mosaiks weiß man genau, wie das Gebäude ursprünglich ausgesehen hat.

Wie immer in Städten in denen ich zum 1.x bin, habe ich mich natürlich auch bei der Information schlau gemacht, ob es etwas besonders gibt, das ich bei meinem nächsten Besuch nicht versäumen will. Und tatsächlich: ein Antiquitätenmarkt findet jeden 3. Samstag und Sonntag im Monat im Zentrum statt (Achtung einige Straßen sind dann gesperrt!). Das werde ich auf jeden Fall berücksichtigen, denn vor allem in Italien kann man bei solchen Gelegenheiten auch schöne kleine – sprich tragbare – Sachen erwerben.
Ravenna hat uns total überfordert, weil ich mir nicht so viel erwartet hatte! Aber meine nächste Reise in diese Gegend ist schon geplant und dann werde ich mich vor allem den Mosaiken zuwenden und euch diese in einem gesonderten Beitrag präsentieren.

Wer mehr Geschichte über diese Stadt lesen möchte, wird wie immer bei Wikipedia fündig oder auf der Seite der Stadt Ravenna selbst.

Langsam aber sicher hieß es für uns Abschied nehmen, denn unser nächster Weg führte uns weiter nach Forlì – Faenza – Imola. Diese Städte sind jeweils nur 20/30 Minuten voneinander entfernt und dank unserer Zimmerwirtin haben wir zusätzlich  einen Abstecher nach Brisighella gemacht und es nicht bereut!

Was wir dabei gesehen haben, lest ihr in Kürze…

Tanti Saluti
Elena

[googlerouteplaner=25]

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