Bei unserem Aufenthalt in Ravenna habe ich unsere Zimmer-Wirtin gefragt, was ihr denn hier in der Gegend besonders gut gefällt – abseits der allseits bekannten Städte. Wie aus der Pistole geschossen kam:

Brisighella!

Ich muss zugeben – von dieser knapp 8.000 Einwohner Ortschaft hatte ich noch nie gehört und somit gleich Google befragt. Nur ca. 60 Kilometer entfernt und noch dazu 2 Punkte entlang der Strecke, die ich sowieso besuchen wollte – da musste ich nicht lange überlegen. Wir also auf Richtung Süden!

Route Brisighella
Wer sich die Landkarte ansieht, wird die dominante Straße, die SS9 parallel zur E45 bemerken. SÜDLICH dieser Straße beginnt das sanfte Hügelland, das Richtung Apennin hin schroffe Felsen aufzeigt.

Wir bewegen uns aber noch auf der Emilia-Romagna-Seite zwischen den üppigen Obstplantagen, Olivenbäumen und Weinbergen. Die 1. Schönheit, die sich uns zeigt, ist eine private Villa, die wie im Dornröschenschlaf in einem großen Park steht. Leider konnte ich niemanden finden, der mir sagen konnte, ob diese Villa auch manchmal für Besucher geöffnet hat, somit mussten wir uns leider mit der Außenansicht zufrieden geben.

Versteckte Villa
romantische Villa
Hauskapelle
Nur wenige Kilometer später sieht man bereits auf den über Brisighella liegenden imposanten Kreidefelsen die 3 Wahrzeichen über dem „Centro storico“:

  • Die Wallfahrtskirche „Santuario della Beata Vergine del Monticino“,
  • die Festung „Rocca Manfrediana di Brisighella“ (Anfang 14. Jhdt.) sowie
  • den Uhrturm „Torre dell’Orologio“.
Wallfahrtskirche
Rocca di Brisighella
Uhrturm
Wir waren insgesamt 2x hier, denn bei unserem 1. Besuch waren wir von der Schönheit der Ortschaft so überrascht, dass wir gar nicht alles auf einmal besichtigen konnten. Kein Wunder – wir befanden uns inmitten

eines der 12 schönsten Dörfer der Emilia-Romagna!

Rocca und Kirche

Wie üblich haben wir erst einmal – nachdem wir ohne Schwierigkeiten einen Parkplatz gefunden hatten – einen  Rundgang durch das Dorf gemacht. Das eigentliche Zentrum ist übersichtlich und das wir keine Martins-Kirche gefunden haben, haben wir in der „Chiesa Parrocchiale S. Michele“ eine Kerze angezündet.

Dorfkirche

Diese Kirche wird derzeit renoviert und so sind die Außenaufnahmen wenig spektakulär. Was für mich jedoch zu dem Zeitpunkt noch neu war, war die dominante Beschriftung der Kirchenbänke auf der Rückseite. Somit konnte früher jeder genau sehen wer NICHT beim Gottesdienst anwesend war. Auch irgendwie clever…

Natürlich fanden wir wie überall in Italien viele Häuser, die dringend renoviert werden müssten, so wie dieses Hotel bei der Kirche, das auf Revitalisierung oder Umwidmung wartet.
stillgelegtes Hotel im Zentrum
Aber wir haben auch Häuser gesehen, die außen oder sogar innen kunstvoll bemalt waren.
Verhungern oder verdursten kann man hier auch definitiv nicht! In der Gegend beim „Eselsweg“ gab es jede Meng sehr kleiner Lokale und eines sah netter aus als das andere. Eine Lokal-Tour hier würde vermutlich total viel Spaß machen…

Verlaufen kann man sich eher nicht in dieser Ortschaft, denn individuell gestaltete Wegweiser befinden sich an jeder Ecke.
Wir gingen weiter bergauf und gleich in der Nähe des Tourismusverbandes befindet sich eine weltweit einzigartige Besonderheit: die

Via del borgo bzw. degli asini,

ein vor über 700 Jahren erbauter Verteidigungsgang mit Säulen, der in einer Häuserzeile auf Höhe des ersten Stockwerks verläuft. Natürlich sind auch wir diesen (inzwischen sehr welligen) Bogengang entlang gegangen und haben uns vorgestellt, die man von hier aus zu den Ställen gelangen konnte?!

Doch nicht nur zur Verteidigung diente dieser in den Jahrhunderten mehrfach aufgestockte Bau: der alte Weg wurde früher für die Gipsbeförderung – mit Hilfe von Eseln – aus den Steinbrüchen genutzt. In dieser Gegend (Vena del Gesso Romagnola) befindet sich die längste Gips-Ader Italiens – über 25 km und bis zu 1 km breit.
Hügellandschaft
Bei unserem 2. Besuch sind wir aus Richtung Bologna angereist und dabei haben uns die ungewöhnlichen verkarsteten Felsformationen, die zerklüfteten „Calanchi“, extrem beeindruckt.

hinter dem Olivenhain

Die „Calanchi“

Immer wieder durch kleine Wasserspeicher unterbrochen und wo es möglich war, wurde etwas angepflanzt. Unzählige Male sind wir mit dem Auto stehen geblieben um Fotos zu machen, doch die Schönheit dieser Landschaft und die Weite trotz Berge muss man vor Ort erleben.

Ich kann mir gut vorstellen, auch noch ein 3.x hinzufahren, denn immer noch gibt es für mich Dinge, die ich noch sehen möchte.
Doch zurück zu den genannten Sehenswürdigkeiten.

Die Wallfahrtskirche ist leider wegen extrem schlechter Zufahrtsmöglichkeit durch den Rost gefallen.

Den Uhrturm haben wir nur wegen der schönen Aussicht aufgesucht, da er nicht von innen besichtigt werden kann. Explizit hinweisen will ich jedoch auf das ungewöhnliche Zifferblatt!
Man kann trotz unbefestigter Straße gut mit dem Auto zum Uhrturm fahren und sollte dies meiner Meinung nach auch tun.
Fiat 500 am Weg in den Hügeln
Die Aussicht auf den Rocca und die Ortschaft sind (bei klarer Sicht) der Wahnsinn! Und der Weg selbst kann auch in der Toskana nicht schöner sein.

Weg in den Hügeln

„Rocca Manfrediana di Brisighella“

Unser Besuch bei der Festung war mit Hindernissen verbunden!

Wie üblich habe ich bei der Planung meiner Tour nach Öffnungszeiten recherchiert und diese auch gefunden – nur leider standen diese falsch auf mehreren Internet-Seiten! Ich war sehr ärgerlich, denn nach einer Fahrt von fast 700 km vor verschlossenen Toren zu stehen und „nur“ die Aussicht genießen zu können macht keinen Spaß.

In die Touristeninfo (Palazzo Municipale, Via Naldi, 2) habe ich es jedoch noch geschafft – kurz vor Ende der Öffnungszeiten. Den 3 anwesenden Mitarbeiterinnen habe ich mein Leid geklagt und völlig wider Erwarten habe ich nicht nur Bedauern geerntet, sondern auch das Angebot, am kommenden Tag gleich in der Früh eine Privatführung zu erhalten, damit es bei der langen Wegstecke nicht heißt: außer Spesen nichts gewesen.

Ich bedanke mich an dieser Stelle ausdrücklich für die Zeit

und die freundlichen Erklärungen bei der Führung sowie das mitgebrachte Informationsmaterial!

Blick auf die Rocca
Man kann hier gut mit dem Auto bis zur Burg fahren und es gibt (nicht sehr große aber immerhin) 2 Parkplätze. Einen kleinen Aufstieg innerhalb des Burgtores muss man trotzdem in Kauf nehmen und natürlich hat auch so eine Burg mehrere Etagen, die mittels Wendeltreppe zu erklimmen sind.

Die Burg hat alles, was man sich von einer mittelalterlichen Wehranlage erwartet: Schießscharten, eine Zugbrücke und oben bei den Zinnen Wege, um die Gegend erspähen zu können.
beide Türme
Es ist eine Küche eingerichtet…
…und ebenso ein Schlafzimmer samt Kamin. Nicht zu vergessen: eine Toilette!
Wie viele dieser Burgen gibt es auch hier ein Mittelalterfest, welches 2017 Anfang Juni 4 Tage lang stattfindet. Ein Highlight hier ist sich die Nachstellung eines Angriffs auf die Festung. Wer mehr darüber wissen will, muss sich leider mit einer italienischen Seite begnügen.
der Herr des Hauses
Generell gibt es in dieser Region jede Menge dieser unterschiedlich großen Wehrburgen – alle „Rocca“ genannt, obwohl NICHT alle oben auf einem Felsen stehen. Zu unserer Überraschung befanden sich auch manche mitten in einem Dorf. Diese Burgen sind allesamt ein Zeugnis militärischer Bauweise in der Epoche als das Mittelalter in die Renaissance überging. Aber das ist eine andere Geschichte und die

„Tour de Rocca“

folgt demnächst…

Nun sind wir fast am Ende angelangt und viele von euch werden sich sicher fragen: wo hat sie denn diesmal geschlafen? Ja, das will ich euch gerne noch mit auf den Weg geben:

Room & Relax – Modus Vivendi

Via Roma 5D – 48013 Brisighella (RA)
393 8809684
info [at] rermodusvivendi [dot] it

Die Lage mitten im Ort war einfach perfekt und wir hatten sowohl einen Parkplatz als auch einen riesengroßen Balkon. Frühstück, TV und WIFI war inklusive und selbst kochen hätten wir können, denn versteckt in einem Schrank war eine Küchenzeile integriert. Sogar ein Kuscheltier und eine Schmusedecke waren für Gäste mit Kindern vorbereitet. So etwas ist mir noch nie untergekommen!

Man konnte sehen, dass nicht nur das Bad neu renoviert wurde, sondern das ganze Haus. Alt und neu wurde geschickt kombiniert und es gibt sogar im Souterrain einen Beauty-Salon, den wir aus Zeitgründen leider nicht nutzen konnten.
Jedoch sind wir der Empfehlung des Partner-Restaurants zum Glück gefolgt, denn wie ich später erfahren durfte, handelt es sich bei der

Trattoria „La Casetta“

um eine der besten Adressen in Brisghella – und das zum fairen Preis!
Die Details dazu findet ihr wie üblich bei „Essen | Trinken“.

Falls euch also beim nächsten Badeurlaub in Rimini das Strandliegen zu langweilig wird, so macht doch einen Tagesausflug. Man fährt nur ca. eine Stunde und kann sich wirklich einen abwechslungsreichen Tag gestalten. Neben den genannten Sehenswürdigkeiten haben wir unzählige Mountain-Biker und Wanderer gesehen und interessante Schluchten und Höhlen (= Grotta, Buco, Abisso) soll es auch geben…

Wir haben Brisighella im Herbst und im Frühling besucht, doch da es sowohl hier als auch in der Umgebung Thermen gibt bin ich mir sicher, dass auch die anderes Jahreszeiten ihren Reiz haben.

Tanti Saluti
Elena
Uhrturm

Ihr kennt noch etwas in der Gegend, das einen Besuch wert wäre?
Dann freue ich mich auf eine kurze Info in den Kommentaren!

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