Rechtzeitig vor der Haupturlaubszeit -Teil 2

Nach Essen und Trinken wenden wir uns nun anderen alltäglichen Dingen zu. Wie schon beim 1. Teil angemerkt, möchte ich auch hier betonen, dass es sich bei den Tabus um Anregungen handelt, die ich in unzähligen Italienaufenthalten von meinen italienischen Freunden und Bekannten oder einfach durch genau hinschauen und -hören mitbekommen habe.

  • Anders als bei uns: Beim Einkaufen im Supermarkt muss man ein Ticket ziehen und die Zahl wird dann angezeigt und/oder durchgesagt. So kann sich bei Wurst, Käse und Brot (in Bedienung) niemand vordrängen. Viele Italienerinnen holen sich zwischendurch andere Dinge aus den umliegenden Regalen, um die Wartezeit zu verkürzen.
  • NIEMALS Obst oder Gemüse mit den Händen angreifen. Es liegen in jedem SB-Geschäft in der Nähe der Waage Plastik-Handschuhe.
  • Ciao (Hallo, Servus oder Tschüss) sagt man nur bei guten Bekannten oder bei jungen Leuten. Üblich ist die eher formelle Form „Buon giorno“ (Guten Tag) und „Buona sera“ (Guten Abend). Letzteres wird bereits am späteren Nachmittag verwendet.
  • Bitte nicht wundern wenn es bei Italienern plötzlich lauter wird. Dies ist normal und es kommt auch vor, dass sich Gesprächspartner ins Wort zu fallen. Als Gast jedoch – sollte man sich besser etwas zurückhalten.
  • Leider sehr oft (aber natürlich nicht generell) zu beobachten: sobald Italiener im Auto sind, ist Schluss mit charmant. Die Betätigung der Lichthupe ist (anders als bei uns) kein höflicher Verzicht auf Vorrang. Ganz im Gegenteil: Lichthupe bedeutet Warnung – jetzt fahre ich! Im Zweifel immer lieber defensiv fahren.
  • Beim Parken nie nur auf die Beschilderung achten sondern auch auf den Boden schauen: Weiß = kostenlos, Blau = gebührenpflichtig (Achtung: unterschiedliche Systeme der Bezahlung), Gelb = Parkverbot (Behindertenparkplatz, Ladezone, Mülltonnen Platz, …). Auch wenn man das Meer schon vor Augen hat – unbedingt daran halten, da sonst ein schöner Tag böse enden kann.
  • Übrigens: Der Führerschein ist kein gültiges Reisedokument und falls man nicht selber Halter des Autos ist, benötigt man eine DELEGA – sprich eine schriftliche Erlaubnis des Besitzers. Einen passenden Download gibt’s gleich hier: delega
  • Italiener schätzen Sie es, wenn Touristen in den Städten nicht allzu viel nackte Haut zeigen, daher bitte nicht allzu leger kleiden. In Kirchen kann mit unangemessener Kleidung durchaus der Zutritt verweigert werden. Daher Knie-lang und Schultern bedecken – und das gilt für beide Geschlechter!
  • Nicht am Strand direkt umziehen; das ist nicht gerne gesehen! Besser eine Kabine oder ein WC benutzen.
  • Im Norden Italiens wird oben ohne geduldet, jedoch bitte nur beim Sonnenbaden das Oberteil ablegen. Nicht am Strand oben ohne spazieren gehen und im Süden besser ganz darauf verzichten.
  • Ein String am Strand wirkt fast immer ordinär (und das gilt für Frauen UND Männer). Nicht mal junge Italienerinnen tragen ihn am Strand! Wer mehr gebräunte Haut möchte, den Stoff beim Sonnenbaden etwas zur Mitte schieben.
  • Auch wenn die Figur schon mal besser war: nur ältere Damen oder Schwimmerinnen tragen am Strand Badeanzüge.
  • Wichtig zum Thema Strand: Löcher in den Sand graben gefällt groß und klein, jedoch diese unbedingt vor dem Heimgehen wieder zuschütten, damit sich während der Dunkelheit keine Spaziergänger verletzen und die Reinigungsfahrzeuge in den Morgenstunden ungehindert ihre Arbeit machen können.
Noch einige Kleinigkeiten für euch liebe Herren (das gilt nicht nur in Italien, aber es will bestimmt jeder im Vergleich zu italienischen Männern eine möglichst gute Figur machen, oder?):

  • Weiße Badehosen zeigen nass mehr als wir am Strand sehen möchten!
  • Pediküre ein Fremdwort? Barfuß im Sand zu gehen kann zumindest eine kleine Abhilfe sein.
  • Haare am Rücken sind nicht sexy!
  • In jeder Frauenzeitschrift seit Jahren zu lesen und doch noch immer zu sehen: Keine Socken in offenen Schuhen!
  • Seit einigen Jahren ist es nicht mehr ratsam Handtaschen, Schmuck oder Kleidung als Fälschung zu kaufen – Geldstrafe bis 3.000,– € können fällig werden.
  • Last but not least: Wer sich auf einen Flirt einlässt sollte es genießen und nicht darüber nachdenken, ob und was ernst gemeint ist.
  • Aber Achtung: Heftige Küsse (oder mehr) im Auto können bis zu 500,– € kosten.
Ich hoffe, der eine oder andere Hinweis ist hilfreich, um sich nicht sofort als Tourist zu outen. Schönen Urlaub an alle und ich freue mich, wenn mir der eine oder andere Fotos, Geschichten oder einfach Tipps für schöne Plätze zukommen lässt.

Tanti Saluti – Elena
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