Tabus und No-Gos

Zuletzt aktualisiert am 21. März 2020 um 18:29

Nicht nur vor der Haupturlaubszeit – Teil 1

Gleich zu Beginn möchte ich für alle, die das entweder noch nicht bemerkt haben oder nicht glauben, betonen: Ich liebe Italien!

Die nachstehenden Hinweise sind als Hilfe für Urlauber gedacht, die weniger oft bei unserem südlichen Nachbarn sein können. Es ist bewusst eine Aufzählung, um eine bessere Übersicht zu haben und sich schneller das Passende herausholen zu können.

Essen&Trinken

Vieles wird bei den meisten sowieso klar sein, aber es ist eben eine Sammlung und da klingt es möglicherweise, als würden wir Touristen alles falsch machen. Was aber nicht so ist! Es macht den Aufenthalt nur eben angenehmer, wenn man über die landesüblichen Sitten Bescheid weiß.

  • Beginnen wir gleich mit einem der beliebtesten Getränke der Italiener: Bitte nicht unbedingt einen Espresso bestellen, sondern einfach nur einen caffè.
  • Kaffee an der Theke trinken ist günstiger, aber: Nie die Tasse nehmen und sich an einen Tisch setzen. Der Grund, warum Getränke an der Bar günstiger sind, liegt klar auf der Hand: Man bestellt, zahlt, trinkt und ist schnell wieder weg. Die Tische sind für länger bleibende Gäste gedacht, die sich gerne bedienen lassen möchten und vielleicht vor dem Lokal ein wenig die Sonne genießen. Daher bitte nicht über Preisaufschläge wundern!
  • Noch eine Kleinigkeit: caffè latte, latte macchiato oder cappuccino nur bis zum Mittagessen trinken. Milch wird als Lebensmittel gesehen und daher gilt daher als Sättigungsgetränk.
  • Die gut sichtbare Kassa in vielen Bars ist ein Zeichen dafür, dass man Kaffee (oder Eis) vor der Bestellung bezahlt und erst danach mit dem Kassenzettel („scontrino“) beim Barista bestellt.
  • Zu bedenken sind auch die (für uns eher) späten Essenszeiten: nicht gleich um 18:00 ins Restaurant stürmen; viele Lokale sind um diese Zeit noch nicht mit den Vorbereitungen fertig. Besser vorher noch einen Aperitivo trinken und das Essen gemütlich angehen. Im Urlaub schlafen die meisten ja auch länger und es ist somit nicht schlimm, wenn der Tagesrhythmus etwas verschoben ist.

rauchen

  • Wartet bitte am Eingang auf die Bedienung, die jeden Gast an einen freien Tisch begleitet.
  • Das Gedeck (coperto) wird inzwischen sogar in einer Pizzeria berechnet, obwohl es ursprünglich u.a. das Brotkörbchen abdecken sollte. Also nicht beim Kellner reklamieren, sondern während der Wartezeit z.B. Weißbrot in (das meist gute) Olivenöl mit etwas Salz tunken.
  • Bitte dringend beachten, dass es in Italien sehr wenige Ausnahmen gibt, was das Rauchen in Lokalen betrifft. Besser vor die Türe gehen.
  • Natürlich darf jeder essen was er mag. Aber in Italien isst man üblicherweise ein Primo und ein Secondo. Mittags wird das nicht so genau genommen, aber in besseren Lokalen erwartet man, dass der Gast mindestens 2 Gänge bestellt. Ich teile mir mit meiner Begleitung oft eine Vor- bzw. Nachspeise oder bestelle Salat als 1. Gang.
  • Wir bleiben beim Essen: In Italien isst man Spaghetti ohne Löffel, zudem wird auf den Gebrauch von Messern bei Spaghetti verzichtet. Wer das Aufrollen nicht beherrscht tut sich und den Tischnachbarn einen Gefallen und bestellt eine andere Pasta Sorte.
  • In Orten mit vielen Touristen natürlich auf der Karte, aber: Spaghetti Bolognese wird in Bologna nicht gegessen! Maccheroni Bolognese, OK – Lasagne Bolognese, OK – aber keine Spaghetti mit Fleisch Sauce. Spaghetti bestellt man dort mit Tomaten Sauce, Carbonara (Eier und Schinken) oder Amatriciana (Speck und Tomaten).
  • Zu Lasagne darf man übrigens nicht in jeder Gegend üppig Tomatensauce erwarten. Manchmal wird dieses beliebte Gericht für unsere Augen sehr „trocken“ serviert.
  • Schon zu oft gesehen: Kein Parmesan auf Nudeln mit Fisch, Muscheln oder Meeresfrüchte. Auch bei Aglio-Olio – wie der Name schon sagt – darf nichts dazu gegeben werden. Selbstverständlich werden auch alle Gerichte mit Trüffel nicht mehr ergänzt.
  • Beim Alkohol sollte man sich in der Öffentlichkeit zurückhalten. Italiener trinken zwar gerne, aber wenn man herum torkelnde Menschen sieht, sind es leider zumeist Touristen.
  • GeldBei uns praktisch Pflicht – in Italien ist es eher unüblich, Trinkgeld zu geben. Maximal ein bisschen Wechselgeld am Tisch liegen lassen, aber das auch nur wenn man etwas gegessen hat. Die Ausnahme hier sind Lokale der gehobenen Gastronomie und – sorry Leute – Lokale, die häufig von Touristen frequentiert werden. Hier haben WIR diese Sitte sehr zum Unmut der italienischen Gäste eingeführt.
  • Ein absolutes No-Go sind getrennte Rechnungen. Bei Italienern bezahlt jede Person am Tisch die gleiche Summe, unabhängig davon, wieviel gegessen wurde. Unser übliches Aufteilen wird von Einheimischen nicht verstanden und oft als kleinlich empfunden. Wenn es denn unbedingt sein muss, VOR der Bestellung fragen, ob getrennte Rechnungen möglich sind.
  • Ganz wichtig: Egal was man kauft, immer die Rechnung mitnehmen, auch wenn es nur 1 Eis oder 1 Caffè war. Erst nach ca. 10 m darf der Beleg entsorgt werden (Mistkübel!). Es ist mir selbst schon passiert, dass mir ein Finanzbeamter in Zivil (Guardia di Finanza) vor einem Geschäft seine Marke gezeigt und mich nach dem Kassenzettel gefragt hat…
  • Übrigens ist es neuerdings verboten auf der Straße zu essen, wenn man sich in der Nähe von Sehenswürdigkeiten aufhält. In Rom darf man auch nicht mehr auf der Spanischen Treppe sitzen – nicht einmal einfach so, d.h. ohne Essen und Trinken.

Vieles bezieht sich vor allem auf Gegenden außerhalb der Touristen-Hochburgen. Jedoch bleibt man auch hier besser in Erinnerung, wenn man sich an den Einheimischen orientiert.

Weitere No-Gos in Teil 2 …

Tanti Saluti

Elena

 

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18 Kommentare

  • Herrlich! Das haette ich mal vor 15 Jahren lesen muessen, dann waeren m ir viele Missverstaendnisse oder manchmal auch Fettnaepfchen erspart geblieben. 🙂
    Hier in den Abruzzen ist es ein Tabu beim Essen der Arrosticini (typische Grillspezialitaet aus der Region) nach Ketchup zu fragen. Das ist hier fast schlimmer als eine Carbonara mit Sahne…
    Alles Liebe aus Abruzzo, Jule

    • Liebe Jule,
      Arrosticini hab ich zum Beispiel noch nie gehört! Was aber vermutlich daran liegt, dass ich noch nie in dieser Gegend gewesen bin. Der Tipp ist definitiv gut, denn ich hätte vermutlich bei diesem Gericht auch nach Ketchup oder Mayo gefragt. Danke dir für diesen Input, den sicher auch andere nicht gekannt haben.
      Liebe Grüße
      Elena

  • Ganz schön viele Regeln, danke für die Übersicht, das ein oder andere habe ich im Urlaub schon falsch gemacht. Die Kassenzettel habe ich z. B. nie mitgenommen. Am einfachsten ist es für mich, heimlich meine Spagetti vor dem Fernseher mit Löffel zu essen. Unser leckerer Italiener in Kufstein bietet auch take away an.

    • Liebe Antonia,
      ich glaube es gibt NIEMANDEN, der sich immer an alles hält. Auch ich habe mich herangetastet und versuche, mich den Gegebenheiten anzupassen. Bezüglich Löffel ist es sicher besser, als Spaghetti durchzuschneiden, was ich auch immer wieder sehe. Das geht eigentlich nur bei Kindern ok.
      Weiterhin viel Spaß in Italien!
      Viele Grüße
      Elena

    • Danke für das Lob!
      Ich lese gerade ein Buch über dieses Thema und fast alle Punkte in meinem Artikel finde ich darin bestätigt! Es folgt demnächst eine Rezension darüber 🙂 Vielleicht ist dieser Beitrag bzw. das Buch dann auch interessant…
      Liebe Grüße
      Elena

  • In den nächsten Wochen habe ich sogar einen Italienausflug. Das wird ein richtig schöner Urlaub mit allem drum und dran. Das hier sind wirklich ein paar wirklich gute Tipps die man gut gebrauchen kann.

    • Lieber Jim,
      ich freue mich, wenn meine Tipps als hilfreich empfunden werden und wünsche einen schönen Urlaub!
      Viele Grüße aus Salzburg
      Elena

  • Hallo Elena, ich bin noch ganz am Anfang mit dem Blog, habe ihn erst vor einer Woche veröffentlicht, bin also kompletter Blog-Neuling 🙂 .. Werde mich also erst nach und nach ins Bloggen einarbeiten. Wünsche dir einen schönen Tag. Tanti saluti, Verena

  • Sehr toller Beitrag! Ich habe einen ähnlichen auf meinem Italien Blog. Sehr viele Italien Urlauber wissen einige Dinge nicht. Die Touristengegenden und das „echte“ Italien sind eben doch noch mal zwei paar Stiefel. Gerade Spaghetti Bolognese ist für viele Deutsche das italienische Gericht schlechthin. Solche Tipps sind natürlich immer hilfreich, gerade um eine brutta figura zu vermeiden 🙂

    • Liebe Verena,
      der Ausdruck „brutta figura“ ist nicht schlecht! Ich freue mich, dass dir der Artikel gefallen hat, da du doch eine Insiderin bist. Ich muss mir gleich mal deinen Blog ansehen!
      Liebe Grüße
      Elena

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