Die Geschichte eines mutigen Neuanfangs
Als ich Cecilia und Filippo vor Jahren bei einer Veranstaltung im Hotel President in Lignano kennenlernte, hätte ich nicht geahnt, dass sich unsere Wege eines Tages auf ihrem eigenen Weingut bei Portogruaro wieder kreuzen würden.

Damals wusste ich noch nichts von Le Crede 1930, diesem besonderen Ort zwischen Weinreben, alter Bauernhoftradition und herzlicher Gastfreundschaft. Umso schöner war es, die beiden Jahre später auf ihrem Hof wiederzutreffen und zu erfahren, was genau hinter diesem Projekt steckt.
Wie aus einem alten Bauernhof ein Ort für Wein und Gastfreundschaft wurde
Manche Orte erzählen ihre Geschichte nicht auf den ersten Blick. Le Crede 1930 gehört für mich genau in diese Kategorie.
Als ich das Anwesen besuchte, beeindruckten mich natürlich die gepflegten und behutsam renovierten Gebäude sowie die gastfreundliche Atmosphäre. Doch je mehr ich über die Entstehung des Hofes erfuhr, desto klarer wurde mir, dass hier weit mehr entstanden ist als ein Agriturismo mit Weinproduktion.

Die Wurzeln des heutigen Anwesens reichen zurück in die Zeit, als die Gegend rund um Portogruaro noch stark von der Landwirtschaft geprägt war. Das Herzstück von Le Crede ist ein Bauernhof aus den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, der von Filippos Familie erbaut wurde. Der Zusatz „1930“ erinnert bis heute an diese Epoche. Damals bestimmten Felder, Obstgärten und die Arbeit im Rhythmus der Jahreszeiten das Leben auf dem Hof.

Wie viele ländliche Anwesen veränderte sich auch dieser Hof im Laufe der Jahrzehnte. Manche Gebäude verloren ihre ursprüngliche Funktion, andere standen zeitweise leer. Die Geschichte hätte dort enden können, wie bei vielen alten Bauernhäusern, die langsam in Vergessenheit geraten. Doch genau an diesem Punkt beginnen im Jahr 2018 Cecilia Irene Massaggia und Filippo Baracchi ein neues Kapitel.
Cecilia und Filippo wagen den Schritt aufs Land
Beide stammen nicht aus Winzerfamilien, die seit Generationen Wein produzieren. Ihr beruflicher Weg führte sie zunächst in eine andere Richtung. Kulturelle Veranstaltungen und kreative Projekte spielten lange Zeit eine wichtige Rolle in ihrem Leben. Vielleicht macht gerade das ihren Werdegang so interessant. Ganz nebenbei ergibt sich daraus auch der Vorteil, dass hier hervorragend Englisch und Deutsch gesprochen wird.
Trotz der vielen Arbeit rund um Hof, Gäste und Weingärten haben Cecilia und Filippo ihre kreative Seite nie aufgegeben. Mit dem Buch „Maledetta Zappa“ haben sie ihre Erfahrungen und Erlebnisse auf dem Weg vom alten Bauernhof zum heutigen Agriturismo Le Crede 1930 festgehalten. Für mich passt das wunderbar zu einem Ort, an dem Künstlerisches und Landwirtschaft so selbstverständlich nebeneinander bestehen.

Die Entscheidung für den Weinbau entstand nicht aus Tradition, sondern aus Überzeugung. Als sie das Potenzial des alten Hofes erkannten, sahen sie nicht nur Gebäude und Grundstücke. Sie sahen einen Ort, der wieder eine Zukunft bekommen konnte.
Auch der Name Le Crede, venezianischer Dialekt für die lehmhaltigen Böden der Region, erzählt ein Stück dieser Geschichte. Diese Böden gelten seit Langem als wertvolle Grundlage für den Weinbau und prägen bis heute den Charakter des Anwesens.
Die Gebäude wurden nach und nach renoviert, ohne ihren ursprünglichen Charakter zu verlieren. Wer heute über das Gelände spaziert, erkennt noch immer die bäuerlichen Wurzeln des Anwesens. Es entsteht der Eindruck eines Ortes, der sich über Jahre hinweg entwickeln durfte und manches noch lange nicht erzählt ist.

Parallel dazu entstanden die Weingärten. Statt auf große Mengen setzt Le Crede bewusst auf Qualität und Persönlichkeit. Die Weine spiegeln die Besonderheiten der Landschaft zwischen Venetien und Friaul wider und sind eng mit dem Boden verbunden, auf dem die Reben wachsen.

Heute entstehen hier der Merlot „Il Saggio“, der prickelnde Weißwein „Il Monello“ aus Glera-Trauben und der Rosé „Il Fanciullino“.
⇒ Bei Letzterem findet die Lese teilweise erst ab 19 Uhr statt.
Von einer Nacht-Ernte hatte ich vor meinem Besuch noch auf keinem anderen Weingut gehört – ihr vielleicht?

Doch Le Crede 1930 sollte nie nur ein Weingut werden
Von Anfang an spielte die Gastfreundschaft eine ebenso wichtige Rolle. Seit Mai 2023 können Gäste nicht nur die Weine verkosten, sondern auch in den liebevoll gestalteten Zimmern übernachten.

Zur Auswahl stehen ein Doppelzimmer, ein Dreibettzimmer mit gemeinsamem Vorraum und Bad sowie ein weiteres Doppelzimmer mit eigener Dusche.

Le Crede 1930 erzählt damit nicht nur von der Vergangenheit dieser Landschaft, sondern wurde mit dem Gütesiegel „Agriturismo Italia“ ausgezeichnet. Es erzählt davon, was entstehen kann, wenn Menschen den Mut haben, einen neuen Weg einzuschlagen.


Die Einrichtung verbindet Upcycling, Vintage-Elemente sowie skandinavisches Design und verleiht dem gesamten Anwesen damit eine wohnliche Atmosphäre.

Besonders vorausschauend fand ich die Stellplätze für Wohnmobile direkt bei den Weingärten, sowie Parkplätze für Gäste nahe beim Haupthaus.

Eigene Fahrräder und/oder E-Bikes können sicher verwahrt oder – wenn man keine dabei hat – direkt am Hof ausgeliehen werden.
Selbst Werkzeug für kleinere Reparaturen steht bereit.


Wem das noch nicht reicht, kann die Umgebung gemeinsam mit Filippo erkunden, denn er ist zertifizierter Umweltführer.
Passend dazu ist das Rauchen auf dem gesamten Gelände untersagt, was ich persönlich sehr begrüße.
Cecilia und Filippo nahmen sich Zeit für eine persönliche Führung durch das Areal und gewährten mir Einblicke, die man als zufälliger Gast vermutlich nicht erhält.


Anschließend durfte ich ihre Weine gemeinsam mit einer regionalen Jause verkosten.
Solche Begegnungen erzählen oft mehr über einen Ort als jede Broschüre.

Ein Ort zum Ankommen und Wiederkommen
Agriturismo Le Crede 1930 wirkt nicht wie ein touristisches Projekt, das nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten entwickelt wurde. Während meines Besuchs wurde das absolut spürbar.

Die symmetrischen Reihen der Rebstöcke, umrahmt von Brombeeren, Gemüseanbau weit über den Eigenbedarf hinaus und Hühner, die für frische Frühstückseier sorgen, vermitteln vielmehr das Gefühl eines lebendigen Hofes. Vielleicht liegt genau in diesem Zusammenspiel die besondere Stärke dieses Ortes.

Auch nicht selbstverständlich: Regionale Produkte, Ausstellungen und Musik-Veranstaltungen holen nicht nur Gäste, sondern auch Menschen aus der Umgebung auf den Hof.

Wer die Veranstaltungen von Agriturismo Le Crede 1930 im Auge behalten möchte, findet die aktuellen Termine am besten über den Newsletter. Mit etwas Glück überschneidet sich euer Urlaub in der Umgebung mit einem Konzert, einer Vernissage oder einem der geselligen Abende.

Als ich Le Crede 1930 wieder verließ, nahm ich viele Eindrücke mit. Vor allem aber die Geschichte eines Hofes, der beinahe ein gewöhnlicher alter Bauernhof geblieben wäre.
Società Agricola Le Crede S.S.
di Cecilia Irene Massaggia & Filippo Baracchi
Agriturismo Le Crede 1930
Portovecchio – Via Crede, 2
30026 Portogruaro (VE)
Tanti Saluti
Elena
Offenlegung:
Dieser Besuch erfolgte ohne Auftrag – einfach aus dem Wunsch heraus, mehr über Cecilia und Filippo und deren Projekte zu erfahren.
Letzte Aktualisierung 15. Juni 2026 von Elena
