Viele Kirchen, schöne Plätze und die Entstehung der Tricolore
Die lebendige Geschichte von Reggio nell’Emilia entsteht durch Architektur, Kultur und natürlich Genuss. Das sind gute Gründe, die Stadt zu besuchen, was ich seit Jahren vorhatte, aber irgendetwas kam immer dazwischen. Ich war mehrmals in der Nähe, habe dann aber doch zu viel Zeit in der Umgebung verbracht, denn die ist wirklich perfekt für Roadtrips!
Als ich 2025 eine Bewohnerin der Stadt auf einer Reisemesse kennenlernte, war mir klar: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt!

Einige Fakten zu Region und Stadt
Die Emilia-Romagna ist flächenmäßig die sechstgrößte Region Italiens. Sie liegt im Norden des Landes, zwischen Po-Ebene und Apennin (ein Gebirgszug, der sich von Nord nach Süd durch den Stiefel zieht).
Reggio nell’Emilia gehört zur Emilia, also zum westlichen Teil der Region, und zählt gut 170.000 Einwohner.
In unmittelbarer Nähe liegen Modena und Parma → beide stehen übrigens auch noch auf meiner Liste.
Die Gegend ist berühmt für ihre kulinarischen Spezialitäten wie Parmaschinken, Parmesan, Lambrusco und Balsamico.
Falls ihr euch wundert, warum einmal „nell“ zwischen Reggio und Emilia steht und einmal nicht: Offiziell gehört es dazu, umgangssprachlich wird es oft weggelassen.
Tauchen wir ein wenig in die Geschichte ein
Schon beim ersten Schlendern durch die Stadt merkt man, dass hier jede Ecke, jeder Platz eine Geschichte erzählt und deshalb auch anders aussieht.
Reggio trägt diesen typischen norditalienischen Charme in sich: mittelalterliche Gassen, elegante Plätze, prächtige Paläste. Genau das sind für mich Gründe, mich immer wieder neu in Italien zu verlieben.
Doch nicht nur das: Solltet ihr auch ein wenig Shopping auf eurer To-Do-Liste haben, dann wäre die Via Emilia Santo Stefano ein guter Anfang 🙂
Geschichtlich spielt Reggio nell’Emilia eine interessante Rolle. Bereits in römischer Zeit war die Stadt bedeutend, damals unter dem Namen Regium Lepidi. Wer genau hinschaut, entdeckt noch Spuren dieser frühen Besiedlung, auch wenn sie heute eher archäologischer Natur sind.
Im Mittelalter prägten verschiedene Adelsfamilien die Stadt. Besonders spannend ist Mathilde von Canossa im 11. Jahrhundert. Nach ihrem Tod im Jahr 1115 wurde die freie Stadt Reggio gegründet. Doch das ist eine andere Geschichte, die ich euch natürlich auch noch erzählen werde…
Die wichtigsten Kirchen in Reggio Emilia
Wenn du durch Reggio nell’Emilia gehst, fallen dir bestimmt gleich die vielen Kirchen auf. Beginnen wir mit der Basilica della Ghiara, ein echtes Schmuckstück der Barockarchitektur.
Ich bin mir nicht sicher, ob ich ohne fachkundige Begleitung hineingegangen wäre. Umso schöner, dass sie zu einem meiner Highlights wurde, denn ihr prachtvolles Inneres zieht einen sofort in den Bann. Deshalb stelle ich sie euch etwas ausführlicher vor als die anderen Kirchen, die natürlich ebenso historisch wertvolle Details haben.

Tempel der Heiligen Jungfrau von Ghiara
Nicht nur die Fresken im Inneren sind beeindruckend (sie zeigen unterschiedlichste Szenen mit biblischen Frauen), hier soll sich auch ein Wunder ereignet haben. Das hebt diese Kirche, eine Basilika minor (ein direkt vom Papst verliehener Ehrentitel für bedeutende Gotteshäuser), deutlich hervor.
Doch lasst mich ganz kurz vom Wunder berichten: Kurz vor 1600 soll sich genau hier bei der Anbetung eines Marienbildes eine wundersame Heilung ereignet haben: Ein von Geburt an taubstummer junger Mann (Marchino) wurde geheilt. Nach Überprüfung durch eine päpstliche Delegation wurde das Wunder anerkannt und ein neuer Wallfahrtsort war geboren.


An der ursprünglichen Stelle der Verehrung, links neben der Kirche, befindet sich heute ein Marmordenkmal.
Dass die Kirche dem neuen Status angepasst wurde, versteht sich fast von selbst. Ich mag Geschichten von Wundern, aber beim Betrachten der Fresken war ich schlicht überwältigt. Ich kann euch nur auszugsweise zeigen, wie kunstvoll diese Bildgeschichten gestaltet sind.




Diese prachtvolle Barockkirche (Corso Garibaldi 44) mit ihrem beeindruckenden Inneren ist ideal, um den barocken Charakter der Stadt zu erleben oder bewusst eine Pilgerreise zu unternehmen.
Achtet auf Info-Tafeln
Ich fand die vielen Tafeln, die im Stadtgebiet verteilt sind, sehr hilfreich, da die Informationen auch auf Englisch angezeigt werden.Wer mehr wissen will, scannt den QR-Code.


Duomo di Reggio Emilia
Die Kathedrale Santa Maria Assunta, der eigentliche Dom der Stadt, liegt direkt an der Piazza Prampolini und prägt mit ihrer klaren Fassade das Herz von Reggio Emilia.

Ihre Ursprünge reichen bis ins 9. Jahrhundert zurück, auch wenn sie im Lauf der Jahrhunderte mehrfach umgebaut wurde. Ich war diesmal nicht im Inneren, aber durch die Nähe zu meiner Unterkunft kam ich mehrmals daran vorbei. Das Marienbild weit oben über dem Hauptportal hat mir besonders gut gefallen.


Links vom Portal ist übrigens das Battistero di S. Giovanni Battista direkt in der Häuserzeile verbaut.
Basilica di San Prospero
Nur wenige Schritte weiter habe ich die nächste Kirche, die Kathedrale San Prospero, entdeckt. Diese entstand bereits vor dem Jahr 1000 und wurde über die Jahrhunderte immer wieder erweitert. Besonders auffällig ist der achteckige Campanile, der Torre di San Prospero.

Ich habe sie am Weg zum Abendessen gestreift und konnte daher leider nicht hineingehen.
Beeindruckt haben mich jedoch die sechs steinernen Löwen, die den Eingang bewachen.
Im Inneren zeigt sich das Zusammenspiel romanischer, gotischer und barocker Elemente.
Doch nun genug von Kirchen; ich will euch hier gleich einen Tipp geben, falls ihr gemütlich und gut Essen wollt: Lambruscheria Bolle Quadre (Via del Guazzatoio 6/A).

Frisch gestärkt ging es für uns zurück auf den Platz vor dem Dom.
Piazza Prampolini
Der zentrale Platz der Stadt wird von beeindruckenden Palästen eingerahmt. Besonders ins Auge fällt der hohe Glockenturm (Torre del Comune) des Rathauses Palazzo del Monte di Pietà, der schon im 13. Jahrhundert gebaut wurde. Direkt davor steht die barocke Statue des Crostolo, die den gleichnamigen Fluss symbolisiert.

Der Platz selbst ist ein lebendiger Treffpunkt, an dem man normalerweise wunderbar die Atmosphäre der Stadt aufsaugen kann. Theoretisch zumindest; bei meinem Besuch hat es geregnet, weshalb meine Bilder diesen Zauber nur bedingt einfangen.
Gleich gegenüber liegt der Palazzo del Capitano del Popolo, ein bedeutendes Zeugnis mittelalterlicher Regierungsstrukturen. Und genau hier in der Stadthalle verbirgt sich eine historisch äußerst wichtige Besonderheit.

Die erste italienische Tricolore
Ein echter Fun Fact für alle Flaggen-Fans: Hier in Reggio nell’Emilia nahm die italienische Tricolore ihren Ursprung!
1797 wurde die erste Version vorgestellt;
damals noch quer gestreift, aber bereits in den Farben Grün, Weiß und Rot. In der Mitte befanden sich die Buchstaben “R und C” für Repubblica Cispadana sowie ein Köcher mit vier Pfeilen. Dieser stand symbolisch für die vier Provinzen (Bologna, Ferrara, Modena und Reggio).
Nur ganz kurz für alle, die (so wie ich) immer wieder Fahne und Flagge verwechseln:
- Eine Fahne ist grundsätzlich das Stück Stoff, das man an einer Stange schwenkt oder aufhängt.
- Eine Flagge bezeichnet die offizielle Gestaltung mit festgelegten Farben und Symbolen, die ein Land, eine Stadt oder eine Organisation repräsentieren.
Kurz gesagt: Jede Flagge ist eine Fahne, aber nicht jede Fahne ist eine Flagge.
Zwischen all diesen Bauten spürt man die Geschichte förmlich. Und während man durch die Straßen schlendert merkt man schnell, dass Reggio nell’Emilia nicht nur Vergangenheit zeigt, sondern auch Gegenwart lebt: kleine Cafés, traditionelle Trattorien und Plätze, auf denen Kinder spielen.
Teatro Municipale Romolo Valli
Wenn ihr Lust auf noch mehr Architektur habt, lohnt sich ein Blick auf das prunkvolle Teatro Municipale Romolo Valli, ein prächtiges Opernhaus aus dem 19. Jahrhundert, das für Kulturveranstaltungen der Region zentral ist. Zur Zeit wird es renoviert, daher kann ich euch nur Bilder mit gewissen Einschränkungen präsentieren.



Links davon ist übrigens der Parco del Popolo und das Teatro Ariosto, das aus dem 18. Jahrhundert stammt und deutlich kleiner ist. Gerade weil die beiden so nahe beieinander stehen, zeigt sich hier schön, wie wichtig Kultur in Reggio Emilia ist: nicht nur ein Theater, sondern gleich zwei und jedes mit eigenem Charakter.

Für alle, denen diese Art Kunstgenuss nicht so ganz liegt, habe ich am anderen Ende des Platzes eine Alternative.
Palazzo dei Musei
Ihr findet hier eine Sammlung von Archäologie, Kunst und Geschichte. Perfekt für einen kompakten Überblick über die regionale Kultur.

Nicht nur die Vergangenheit wird geehrt
Diese Neonreklame ist Teil einer Beleuchtung zu Ehren des italienischen Musikers Zucchero, den ich sehr gern höre. Diese Hommage wurde anlässlich seiner Konzerte in der Arena Campovolo installiert und befindet sich in unmittelbarer Umgebung vom Hotel Posta. Die Texte stammen alle aus berühmten Liedern.

Etwas Süßes zum Schluss
Ein kulinarisches Highlight möchte ich euch am Ende dieses Rundgangs noch ans Herz legen: die Torta di Riso. Kalt und kompakt serviert, erinnert sie geschmacklich ein wenig an unseren österreichischen Reisauflauf, nur eben nicht warm und fluffig, sondern dicht und schnittfest.

Wir haben unser Kaffeepause in der Wein- und Cocktailbar, Café Macramè (Via Francesco Crispi 3) gemacht.
Nicht nur das Lokal an sich war sehr stilvoll – auch der Palazzo Busetti mit der Galleria del Monte hat mich mit Details überrascht die davon zeugen, dass Renovierungen die Vergangenheit ehren können, und trotzdem allen Komfort der modernen Zeit bieten.

Ihr seht: Die Stadt ist ein Mosaik aus Epochen. Von der römischen Gründung über Mathilde von Canossa im Mittelalter, die herrschaftlichen Paläste und die erste italienische Flagge bis hin zu barocken Kirchen und dem lebendigen Zentrum → alles greift ineinander. Genau das macht Reggio nell’Emilia so interessant für alle, die hinter die Fassaden blicken wollen.

Abschließend noch ein praktischer Hinweis für alle, die mit der Bahn anreisen: In Reggio Emilia gibt es zwei Bahnhöfe. Einen zentral gelegenen Bahnhof mitten in der Stadt sowie rund vier Kilometer außerhalb den Hochgeschwindigkeitsbahnhof Mediopadana, der nicht nur ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt ist, sondern ein architektonisches Highlight.
Von hier verkehren die schnellen Italo- und Frecciarossa Züge unter anderem nach Mailand (ca. 45 Minuten), Bologna (rund 20 Minuten), Florenz (etwa 1 Stunde 15 Minuten) und Rom (knapp 3 Stunden). Damit liegt Reggio Emilia überraschend gut angebunden zwischen Nord- und Mittelitalien.
Ins Stadtzentrum gelangt man vom Hochgeschwindigkeitsbahnhof in wenigen Minuten mit dem Bus oder Taxi.
Tanti saluti
Elena
Offenlegung:
Ich wurde von einer sehr kompetenten Bewohnerin dieser Stadt begleitet. Ohne Donatella hätte ich einiges vermutlich übersehen. DANKE – GRAZIE noch einmal an dieser Stelle!
