Rovigo – im Süden von Venetien

Die Region Venetien bietet neben Venedig noch unzählige Städte und Gebiete, die einen Besuch wert sind. Einiges davon habe ich euch schon vorgestellt (wie Soave, Verona, Borghetto – Valeggio sul Mincio, das Delta des Po,…); viele weitere Schönheiten (Padua, Treviso, Vicenza,…) besuche ich immer wieder und irgendwann werden sie auch hier beschrieben werden. Versprochen!

Heute befinden wir uns fast ganz im Süden der Region Veneto und besuchen Rovigo.

Habt ihr noch nie gehört? Das ging mir vor vielen, vielen Jahren bei meinem 1. Besuch auch so, doch da meine Paten-Tante ganz verliebt in diese Stadt war, ist es nicht bei einem Besuch geblieben.

In der kleinen mittelalterlichen Stadt leben etwas über 50.000 Einwohner und obwohl uns der Name nicht so geläufig ist – es handelt sich um eine Provinz-Hauptstadt.  Vielleicht ist euch schon einmal ein KFZ-Kennzeichen mit “RO” aufgefallen?!

Um euch die geografische Lage besser vorstellen zu können, so nehmt ungefähr die Mitte zwischen Padua und Ferrara. Der Fluss, den ihr im Norden der Stadt sehen könnt ist die Etsch, die in Südtirol am Reschenpass entspringt und ca. 45 km östlich Rovigo ins Meer mündet.

Mein Stadtrundgang durch Rovigo

Da ich bei meinen Städte Besichtigungen selten weiß, wie lange ich bleibe, suche ich mir im besten Fall einen gratis Parkplatz oder – wenn ich wie hier – noch nicht genügend Ortskenntnis bei den Seitenstraßen habe, ein Parkhaus. Meine Wahl fiel auf das Parcheggio Multipiano in der Via Porta S. Giovanni, Ecke Piazzale Giuseppe Di Vittorio.

  • Die Preise sind moderat,
  • die Parkplätze groß genug und
  • sogar ein WC gibt es für Parkende.

Ich bin zuerst mal anderen Menschen nachgegangen, die ihr Auto hier geparkt hatten und siehe da: schon war ich bei den ersten Sehenswürdigkeiten!

“Due Torri”

An der Piazza Giaccomo Matteotti stand ich vor dem Park mit den beiden Backsteintürmen (Due Torri) von Rovigo!

Kaum hatte ich mich hier von der langen Fahrt etwas ausgeruht und die Umgebung betrachtet, fiel mir auch schon das nächste schöne Gebäude auf.

Palazzo Minelli

Den neugotische Palazzo ließ der Druckerei-Gründer und Buchhändler Antonio Minelli um 1860 errichten.

Uns Österreichern war der Patriot nicht wohlgesonnen: Mitte des vorletzten Jahrhunderts wurde er für 2 Wochen  inhaftiert, da er eine Broschüre mit einem anti-österreichischen Gedicht hat drucken lassen.

Doch ich sehe ihn eher als Wohltäter, da er bereits zu seiner Zeit für Opfer einer Flutkatastrophe spendete und auch dafür geehrt wurde.

Mein Weg führte mich weiter ins Zentrum der Stadt und schon stand ich vor dem nächsten Palazzo.

Palazzo Roverella

In diesem (von hinten) eher schlicht gehaltenen Gebäude (Via Giuseppe Laurenti) ist eine Galerie untergebracht, die ich jedoch aus Zeitgründen nicht besucht habe.

Noch vor 1500 ließ Kardinal Bartolomeo Roverella diesen Palast im Renaissancestil errichten.

Neben wechselnden Ausstellungen (bis Jänner 2021 sind noch Werke von Chagall zu sehen) sind archäologische Stücke und eine Pinakothek zu finden. Neben vielen italienischen Künstern der vergangenen Jahrhunderte sind auch Werke von Hans Holbein dem Jüngeren und Albrecht Dürer zu bewundern.

Palazzo Roncale

Nur wenige Meter weiter – um die Ecke – kann man sich den nächsten Kunstgenuss gönnen, drinnen und von außen! Ich mochte vor allem die Details der Fassade. Hier ist 2020/21 alles dem großen Dante Alighieri gewidmet, den man auch an der Fassade des Municipios wiederfindet!

Piazza Vittorio Emanuele

Da ich mehr von der Stadt an sich sehen wollte, ging ich erst mal am Hauptplatz umher, denn dieser sehr typisch italienische Platz hat mir wirklich gut gefallen.

An jedem 1. Sonntag im Monat findet hier ein Antiquitäten Markt statt. “Normale Obst- & Gemüse Märkte sind

  • Dienstag (Piazza Matteotti/Via Grimani)
  • Donnerstag (Piazza Merlin/Piazza V. Emanuele)
  • Samstag (Via B. Tisi da Garofolo/Via Gramsci)

Der Palazzo “Loggia” Notari, in dem das Rathaus untergebracht ist, der Torre dell’orologio (der Uhrturm) und die Säule mit dem geflügelten Löwen tragen natürlich zum italienischen Gefühl bei.

Den abgerundeten Palazzo della Gran Guardia aus der Mitte des 19. Jahrhunderts (seinerzeit von der österreichischen Regierung in Auftrag gegeben!) seht ihr gleich hinter dem venezianischen Wahrzeichen.

Piazza Garibaldi

Um dieses italienische Gefühl zu verdichten, musste natürlich mein üblicher Macchiatone sein – gleich durch eine kleine Gasse, die beide Plätze verbindet.

Auch hier kann man wieder alle 4 Seiten des Platzes bewundern und sieht ein schönes Gebäude nach dem anderen: der Palazzo Pretorio (Sitz der Handelskammer), der Palazzo Ravenna (wunderschöne Gußeisen Verzierungen) und das städtische Theater.  Falls ihr etwas Geld investieren wollt, dann seht euch den Palazzo Silvestri genauer an.

Ein wenig Geschichte…

Während meiner Kaffee-Pause habe ich mir die Zeit genommen und mich ein wenig mit der Geschichte von Rovigo befasst. Lange vor der Bronze- und Eisenzeit gab es hier bereits Nachweise der Besiedlung, wie durch Funde im Archäologie Museum im Palazzo Roverella belegt ist.

Türme und Tore

Bereits vor 1100 Jahren wurde ier die erste Festung  fertiggestellt. Reste davon sind heute noch zu sehen: Torre Donà und Torre Grimani. Ihr seht hier zwei der ehemals acht Türme. Falls euch vorkommt, dass sich die Türme zur Seite neigen, so habt ihr recht. Schuld daran ist der leicht sumpfige Untergrund.

Die Porta San Bortolo sowie die Porta San Agostino muss ich euch auch noch zeigen.

Bei einem Spaziergang durch die Altstadt kommt man unweigerlich daran vorbei.

Ungefähr zwischen den beiden liegt ein weiterer Turm – Torre Pighin – der jedoch sehr sinnvoll in das Stadtbild integriert wurde.

Keine 150 Jahre später lässt sich Rovigo der Familie Este zuordnen.

Deren Herrschaft wurde wie in vielen Gegenden durch die Venezianer abgelöst (ca. 1500). Ein Zeugnis davon ist der Uhrturm und der Löwe von San Marco, die ich euch bereits gezeigt habe.

Piazza Annonaria

Ursprünglich war hier ein Kloster und die Kirche S. Domenico (ca. 1860).

Im ursprünglichen Kreuzgang kauft man heute Obst, Gemüse und mehr.

Piazza Merlin

Wo wir uns heute an einem schön angelegten Park erfreuen, verbergen sich die Überreste der 1930 abgerissenen Gebäude des Ghettos.

Die kirchlichen Bauten

Nicht weit voneinander befinden sich Beata Vergine della Concezione und die Chiesa Santi Francesco e Giustina.

Ich will euch nicht zu viel verraten, außer dass ALLE Kirchen leider bei meinem Besuch versperrt waren, weil ich blöderweise genau um die Mittagszeit in Rovigo spaziert bin. Somit passt, falls ihr Interesse an einem Besuch drinnen hat, auf die Uhrzeit auf 🙁

Die genannten 2 haben mich irgendwie angesprochen, aber etwas Besonderes ist zweifellos an der Stirnseite der Piazza XX. Settembre Il Tempio della Beata Vergine del Soccorso, auch genannt:

La Rotonda di Rovigo

Ich muss gestehen, dass ich dieses achteckige Gebäude eher zufällig entdeckt habe. Einfach so beim Herumspazieren! Ich suchte nur eine Grünfläche, wo ich mich etwas ausruhen hätte können und siehe da: Schon stand ich vor einem kirchlichen Gebäude, das kurz vor 1600 von einem Mitarbeiter von Andrea Palladio entworfen wurde.

Leider wurde das Gebäude gerade restauriert und so konnte ich die unglaublichen Bilderreihen innen nicht sehen. Es sollen über 20 Leinwände von verschiedenen Künstlern zu sehen sein. Falls ihr mehr über den Tempel, dessen Innenleben und die damit verbundenen Wunder wissen wollt, so lest hier weiter!

Duomo Santo Stefano

Kurz bevor ich meinen Ausgangspunkt bei den Due Torri wieder erreicht habe, kam ich noch am Duomo Santo Stefano vorbei. Auch diese Türen waren versperrt; möglicherweise habe ichnächsten Mal mehr Glück. Leider wirkt der Backsteinbau unfertig, aber vielleicht kommt das nur mir so vor. Das Gebäude ist über 1000 Jahre alt und soll innen barock sein.

Für meinen nächsten Besuch habe ich mir – je nach Wetterlage – entweder den Besuch der Museen vorgenommen oder (falls die Bauarbeiten bereits fertig sind) den Palazzo Angeli (gleich gegenüber der Due Torri) oder die Rotonda.

Bedenkt die Mittagspausen und auch, dass in Italien MONTAGS fast immer Sehenswürdigkeiten geschlossen sind.

Wer noch shoppen gehen will und bis jetzt nicht fündig wurde, kann nun noch den Corso del Popolo rauf und runter gehen. Etliche Lokale sind auch in dieser Gegend, also wird niemand hungrig die Heimreise antreten müssen 🙂

Falls ihr nicht mit dem Auto, sondern mit der Bahn unterwegs seid, so liegt Rovigo durchaus strategisch günstig, denn hier ist ein Eisenbahnknotenpunkt! Der Bahnhof befindet sich entlang der Linie Padua-Bologna. Rovigo-Verona und Rovigo-Chioggia sind nur 2 der Möglichkeiten.

Falls ihr nach Venedig auspendeln wollt, so ist das mit dem Auto etwas weniger als eine Stunde und mit der Bahn etwas mehr. wobei ich hier definitiv die Bahn empfehlen würde.

Ihr seht, dass auch die Thermen Gebiete von Abano Terme & Umgebung innerhalb von 40 km liegen und solltet ihr noch nie in Ferrara gewesen sein, so wäre das eine gute Gelegenheit, das Castello Estense und die Altstadt zu besichtigen.

Was ich definitiv in dieser Gegend auch noch auf meiner Liste habe sind die Villen in Fratta Polesine. Das ist zwar “nur” ein relativ kleines Dorf in der Nähe von Rovigo, doch es gibt dort viele sehenswerte Gebäude wie z.B. die Villa Badoer – ein Weltkulturerbe lt. Unesco.

Weiter Richtung Po Delta

Vor einiger Zeit habe ich euch schon auf die Schönheiten der Natur in dieser Region hingewiesen. UNSCO-prämiert! Falls ihr also nach so viel Kunst und Geschichte Meer braucht, dann ist Rovigo ein wunderbarer Ausgangspunkt dafür!

Aber Achtung: schmale Straßen und viele Radfahrer dürfen keine Problem für euch darstellen 🙂

Rovigo ist deutlich günstiger als manch andere Destination in Venetien und wie ihr sehen könnt, als Stützpunkt für Ausflüge in alle Richtungen – egal ob mit Auto, Bahn oder Rad – wunderbar zentral gelegen.

Tanti Saluti

Elena

♥♥♥

Offenlegung:

Dieser Artikel wurde nicht beauftragt und entstand nach mehreren Besuchen auf eigene Kosten.

♥♥♥

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