Venedig in 12 Stunden erkunden

Zuletzt aktualisiert am 23. März 2020 um 19:20

Kann man diese Stadt in einem Tag besichtigen?

Ich habe bereits über die Stadtteile und die wichtigsten Inseln von Venedig berichtet. Heute will ich euch einen Vorschlag machen, wie man in kürzester Zeit zumindest ein wenig von der Atmosphäre der Stadt in sich aufsaugen kann.

Ankunft am Bahnhof

Natürlich sind auch Schiff oder Flugzeug möglich, doch die meisten Besucher werden mit Bus, Auto oder mit der Bahn anreisen. Daher wollen wir unseren Rundgang früh am Vormittag beim Bahnhof „Venezia Santa Lucia“ bzw. der Piazzale Roma (keine 5 Minuten entfernt) beginnen.

Der Nachteil einer so kurzen Besichtigung ist zweifellos, dass viele die sehr frequentierten Wege gehen und mangels besserem Wissen den Pfeilen „Rialto – San Marco“ folgen. Alle wollen schließlich die bekanntesten Sehenswürdigkeiten „schaffen“ und vielleicht auch noch den ein- oder anderen „Geheimtipp“ einbauen.

Wie kann man den Touristenstrom umgehen und trotzdem in kurzer Zeit einiges erleben?

Um auf bequemen Weg zum Markusplatz zu gelangen, fahren wir mit einem Vaporetto der Linie 1 oder 2. Solltet ihr unterwegs NICHT aussteigen wollen, so reicht ein Einzel-Ticket. Falls ihr aber Unterbrechungen plant (was durchaus Sinn macht), so ist das Tagesticket um 20,– € empfehlenswert. Dieses ist bereits ab 3 Fahrten günstiger.

Canal Grande

Wer sein Ziel schnell erreichen will wählt Linie 2, denn hier sind nur 6/7 Stationen und der Canal Grande ist in ca. 30 Minuten geschafft.

Will man es gemütlicher angehen, dann ist die Linie 1 die bessere Wahl. Hier sind es +/- 15 Stationen, je nachdem wo man genau ein- bzw. aussteigt. Die Fahrzeit beträgt ca. 50 Minuten.

Für unser Beispiel wählen wir die langsame Tour und genießen nach der Anreise die Fahrt durch den Canal Grande mit seinen unzähligen Fotomotiven.

Vaporetto Fahrt 1
Vaporetto Fahrt 2

Falls ihr mehr über die Palazzi am Canal Grande lesen wollt, dann ist das gar kein Problem 🙂

Ein Museumsbesuch bei einer Ein-Tages-Tour?

Vermutlich werden Museumsbesuche bei dieser Ein-Tages-Tour nicht möglich sein, aber falls das Wetter nicht freundlich ist, so wären die 3 folgenden Möglichkeiten in der Nähe von Vaporetto Stationen.

Accademia

  • Von der Station Accademia (San Vio) aus „Galleria dell’Accademia“
  • und die „Collezione Peggy Guggenheim“ sowie das
  • „Museo Correr“ – direkt am Markusplatz

Peggy Guggenheim Collection

Wer möchte, kann bei der Station „Salute“ aussteigen und noch vor dem Markusplatz die „Basilica di Santa Maria della Salute“ direkt neben der „Punta della Dogana“ besichtigen.

Ich rate auch, ganz bis zum „Spitz“ vorzugehen, denn von hier aus hat man perspektivisch wunderschöne Möglichkeiten sowohl zum Markusplatz als auch zu San Giorgio. Wenn ich euch diesen Teil von Venedig am Stadtplan anseht, so hat das für mich ein bißchen etwas vom Bug eines Schiffes, findet ihr nicht auch?

S. Maria Salute

Für alle, die schnell mitten ins Geschehen kommen wollen, geht es weiter zur Station „San Marco-San Zaccaria“. Hier sind 5 der bekanntesten Sehenswürdigkeiten nebeneinander und jeder Besucher wird eine Auswahl treffen müssen.

Seufzerbrücke

  1. Unmittelbar nach der Station sieht man die weltberühmte Seufzerbrücke (Ponte dei Sospiri),
  2. direkt im Anschluss ist der Dogenpalast (Palazzo Ducale) mit der Loggetta, wo seinerzeit flaniert und diskutiert wurde;
  3. daneben der Markusdom (Basilica di San Marco) und
  4. davor der dazugehörige Campanile (einst auch als Leuchtturm genutzt).
  5. Auch der Uhrturm (Torre dell’Orologio) sollte nicht übersehen werden.
Dogenpalast
Markusdom
Uhrturm
Campanile

Nun gilt es noch, die Piazza San Marco samt Prokuratien als Ganzes auf sich wirken zu lassen. Die „kleine“ Verbindung zwischen Piazza und dem Wasser heißt übrigens Piazzetta. Egal ob man vom Wasser aus hin oder mitten drauf stehend Richtung Wasser fotografiert: Hier macht man einfach nichts falsch für schöne Erinnerungsfotos!

Wer sein Geld locker sitzen hat, könnte nun auf einen Bellini in die berühmte „Harry’s Bar“ gehen oder ins nicht weniger bekannte „Caffè Florian“, Italiens ältestes Kaffeehaus (seit 1720). Beides ist in unmittelbarer Nähe der genannten Sehenswürdigkeiten und für viele bei einem Venedig Besuch Pflicht. Aber sagt nachher nicht, ich hätte nicht auf die Preise aufmerksam gemacht!

Zeitsparend Venedig erkunden

Insgesamt würde ich mindestens 3 Stunden Zeit einplanen, denn sonst ist man zwar überall gewesen, hat aber nichts gesehen. Wer Wartezeiten vermeiden möchte, bucht Tickets vorher online, denn besonders bei den Sehenswürdigkeiten rund um San Marco verschwendet man so keine wertvolle Urlaubszeit.

Markusplatz Richtung Piazzetta

Fast jeder will einen schönen Gesamtüberblick von oben riskieren, aber oft ist die Schlange der wartenden Menschen beim Campanile sehr lang. Der Glockenturm von San Giorgio Maggiore auf der gleichnamigen Insel direkt gegenüber von San Marco wäre eine gute Alternative. Optimales Licht dafür ist zwar erst am späteren Nachmittag, aber es lohnt sich auch zu anderen Tageszeiten.

San Giorgio

2 Tipps nicht nur für den Markusplatz!

Dass Tauben füttern streng verboten ist, wird vermutlich inzwischen bekannt sein. Bitte wirklich nicht einmal „nur kurz“ für ein Foto füttern. Die Strafen dafür sind nicht unerheblich!

Generell, aber ganz besonders am Markusplatz gilt: Achtung auf Taschendiebstahl im Gedränge. Wo so viele Menschen sind, gibt es leider auch schwarze Schafe.

Fenice

Wer an einem historisch wertvollen Theater interessiert ist, geht weiter zum „La Fenice“ am Campo San Fantin. Es handelt sich dabei nicht nur um das größte, sondern auch um das berühmteste Theater Venedigs. Nach dem Brand 1996 wird das Gebäude seit 2004 wieder für die Opern Aufführungen genutzt.
Es kann jedoch auch ohne Vorstellung besucht werden; der Eintritt dazu kostet 10,– €.

Weiter geht es Richtung Corte Contarina zur „Scala Contarini del Bovolo“. Der sehenswerte Turm, der wie ein Schneckenhaus nach oben gedreht ist, kann von außen kostenfrei bewundert werden. Wer ganz nach oben will, muss 7,– € Eintritt bezahlen.

In dieser Gegend wäre eine gute Möglichkeit für ein Mittagessen, denn keine 500 Meter entfernt sehen wir 2 weitere Highlight unseres Venedig Besuches. Das bedeutet natürlich auch, dass die Gastronomie touristischer wird…

Gestärkt erreichen wir also die „Fondaco Dei Tedeschi“, wo wir vom Dach aus einen wunderschönen Überblick (fast) über die ganze Stadt haben. Die Reservierung eines Zeitfensters kann im Gebäude auf dafür vorgesehenen Tablets durchgeführt werden, falls man das vorher nicht schon online erledigt hat.

Fondaco dei Tedeschi und Rialto

Direkt daneben ist die berühmte „Rialto Brücke“. Hier muss wohl oder übel jeder die vielen anderen Touristen „ausblenden“, denn auch das ist einer der MUST-SEE Punkte.

Nun müsst ihr eine Entscheidung zu treffen: wie viel Zeit bleibt noch für diesen Tag in Venedig? Will man eine weitere Stunde Zeit investieren, so folgt ein kleiner Abstecher zur bekannten Buchhandlung „Libreria Acqua Alta“ in der Calle Lunga Santa Maria Formosa.

Nur 3 Minuten entfernt ist die „Basilica SS. Giovanni e Paolo“, bei der zwar ein Eintritt in Höhe von 3,50 € verlangt wird, aber diese Kirche ist jeden Cent wert (Dogengräber aller namhaften Adelsfamilien).

Basilica dei Santi Giovanni e Paolo

Condottiere Colleoni

Unübersehbar neben der Basilica dei Santi Giovanni e Paolo ist das berühmte, dem Condottiere Colleoni gewidmete, Reiterstandbild von Verrocchio. Ungewöhnlich für diese Zeit ist, dass das Pferd nur auf drei Beinen steht.

Der Söldnerführer vermachte sein Vermögen dem Staat und wollte vor San Marco sein Bildnis für die Nachwelt stehen sehen. Da dies aber abgelehnt wurde, griffen die Stadtoberen zu einer List und wählten den Platz vor der Scuola San Marco (ebenfalls sehenswert), neben der Basilica. So konnten Sie trotzdem über das Erbe verfügen.

Scuola San Marco

Wer jetzt eine Pause braucht oder unterwegs noch keinen Kaffee genossen hat, für den wäre der Platz um die Kirche oder unser nächster Halt ideal: Campo San Polo – der zweitgrößten Platz in Venedig.

Einige Kirchen wurden bereits erwähnt, aber da sich die „Santa Maria Gloriosa dei Frari“ – die Frarikirche – keine 5 Minuten entfernt befindet, muss auch dieser bedeutende gotische Sakralbau genannt werden. Definitiv eindrucksvoll!

Es gibt übrigens noch einige Kirchen, die einen Besuch absolut wert wären. Mehrere davon stelle ich euch in diesem Artikel vor. Vielleicht hilft das vorab, eine Entscheidung über die geplanten Besichtigungen zu treffen.

Mein Tipp: wählt nicht zu viele aus, denn sonst wisst ihr trotz Fotos daheim kaum mehr, was ihr in welcher Kirche gesehen habt!

Cicchetti und ein Glas Wein – einem Ombra?!

Langsam aber sicher wird es später Nachmittag und die Zeit wird jetzt vermutlich perfekt für einen Aperitivo sein. Am Weg zu unserer letzten Station, dem „Campo Santa Margherita“, sind unzählige Möglichkeiten dafür. Ich liebe diesen Platz, weil er trotz zentraler Lage nicht so touristisch ist wie man meinen könnte.

Campo Santa Margherita

Manchmal esse ich in einer der umliegenden Gassen auch zu Abend, denn in dieser von Studenten bevorzugten Gegend sind die Preise durchaus moderat. Der Heimweg Richtung Piazzale Roma bzw. dem Bahnhof dauert nur noch ca. 10-15 Minuten und das ist auch bei einer Abreise mit der Bahn gut planbar.

Man könnte die Liste der Sehenswürdigkeiten schier endlos fortführen, aber wir wollten uns auf das Wesentliche beschränken.

Canal Grande am Abend

Die Orientierung fällt durch dem Canal Grande relativ leicht, aber ohne Stadtplan oder entsprechendem App sollte niemand unterwegs sein. Ich bin mehrmals im Jahr in Venedig und abseits der Hauptrouten brauche ich auch immer noch meinen (inzwischen sehr zerknitterten) Plan. Venedig erkunden – das ist immer eine Reise wert.

Wer hat jemals genug von Venedig gesehen? Ich glaube wenige! Natürlich kann der Tagesausflug auch in umgekehrter Reihenfolge gemacht werden oder man übernachtet und dehnt den Aufenthalt aus.

Falls ihr momentan keine Zeit habt, nach Venedig zu fahren, dann lasst euch noch von Dichtern und Denkern aus vergangenen Tagen inspirieren. Gudrun von reisebloggerin.at hat einiges zusammengetragen, was die Sehnsucht bei mir noch größer gemacht hat! Der Spruch von Truman Capote ist übrigens einer meiner Favoriten…

Tanti Saluti

Elena


Offenlegung:

Bei diesem Beitrag handelt es sich um meine persönliche Empfehlung, die von Herzen kommt und nicht bezahlt bzw. schon gar nicht beauftragt wurde.


Venedig in 12 Stunden

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geschrieben von
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4 Kommentare

    • Lieber Jens,
      Venedig ist im Herbst wunderbar und in Mailand bin ich schon viel zu lange nicht gewesen. Ich folge gleich auf Instagram & Co, denn vermutlich werde ich irgendwann deinen Bericht über Mailand lesen können.
      Viele Grüße
      Elena

    • Hi,
      ich freue mich sehr, wenn dir der eine oder andere Tipp als Anregung dient, wieder einmal in die Serenissima zu fahren. Im Sommer ist es übervoll, aber sobald die Hitze-Monate vorbei sind, fahre ich auch wieder hin!
      Viele liebe Grüße
      Elena

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