„La Serenissima“ hat für mich Suchtfaktor! Nur nicht von Juni bis September – da will ich auf keinen Fall hin weil: zu viele Leute, zu heiß und der Geruch ist dann auch nicht so meins. Aber im restlichen Jahr kann ich es nicht lassen: ich muss schon wieder hin!

Venedig ist in 6 Stadtteile  gegliedert – die „Sestieri“.

Ich könnte euch natürlich jetzt Routen vorgeben, aber das macht keinen Sinn! Daher werde ich nur meine persönlichen Highlights erwähnen und viele Bilder sprechen lassen. Lest klassisch mit Bild zu Text, schaut euch die Bilder zuerst durch und lest dann den Text oder umgekehrt! Bei dem Artikel geht es mir nur darum, euch (wieder einmal) nach Venedig zu locken.

Bis vor wenigen Jahren sind wir immer mit dem Auto gefahren, weil wir lieber unabhängig sein wollten. Der Einfachheit halber habe ich gleich nach der „Ponte della Libertà“ (verbindet seit 1846 Venedig mit dem Festland) den „Venezia Tronchetto Parking“ gewählt. Denn den kann keiner übersehen: Zufahrtsstraße und danach gleich rechts. Der aktuelle Tarif beträgt 21,– € für den Tag und da man sowieso den ganzen Tag unterwegs ist machen die paar Meter auch keinen Unterschied mehr.

Wem der Weg zu Fuß doch zu weit ist, der kann gleich in ein Taxi-Boot oder ein Vaporetto steigen (Wasserbus – mehr darüber später). Als Alternative bietet sich auch der „People Mover Venedig“ an. Die österreichische Firma Doppelmayr hat die Bahn errichtet und aktuell kostet die ca. 3-minütige Fahrt 1,50 €.

Weniger weit zu gehen ist es vom „Parkhaus San Marco“ am Busbahnhof „Piazzale Roma“. Hier bezahlt man aber bereits 30,– € für einen Tag. Was uns überhaupt nicht gefallen hat: wir mussten den Schlüssel beim Parkwächter lassen, denn die Betreiber nutzen auch die Dauerparkplätze der Einheimischen während deren Abwesenheit für uns Touristen und daher muss bei Bedarf das Auto umgestellt werden.

Wie bereits angedeutet – in den letzten Jahren fahren wir kaum noch mit dem Auto, sondern nutzen die Bahn („Ferrovia“ ist häufig an den Häusern angeschrieben und erleichtert den Rückweg). Die Verbindung „Trieste – Venezia Santa Lucia“ fährt regelmäßig und mehr oder weniger parallel zur Autobahn. Der nächst gelegene Bahnhof von Lignano und Bibione ist Latisana, wo vor einiger Zeit auch ein großer Park&Ride Parkplatz angelegt wurde. Eine Fahrt kostet nur 7,– € und dauert etwas über eine Stunde.

Ich bin ja nicht so der Freund von Zügen, denn wie treue Leser sicher wissen, liebe ich Autofahren. Aber hier mache ich gerne eine Ausnahme! Bedenken muss man allerdings, dass man noch vor 22:00 Venedig wieder verlassen muss, also lohnt es sich, genau auf die Abfahrtszeiten zu schauen BEVOR man den Bahnhof verlässt. Die Züge fahren NICHT die ganze Nacht durchgehend!

Tickets kaufe ich übrigens gerne beim Schalter und diese müssen dann an einem kleinen Automaten vor der Fahrt abgestempelt werden (wie in Wien bei der U-Bahn).

Wenn Geld keine Rolle spielt, kann man sich auch einmal eine Fahrt im Luxuszug gönnen!

Endlich angekommen in Venedig besorge ich zuerst immer gleich Tagestickets für die Vaporetti. Der Name stammt übrigens daher, dass die Boote früher mit Dampf (vapore) betrieben wurden. Auch wenn heute längst Diesel zum Einsatz kommt – umgetauft hat sie keiner.

Achtung: auch diese Tickets sind VOR dem Einsteigen zu entwerten und Kontrolleure sind sehr häufig unterwegs!

Wem das zu teuer ist oder wer Venedig durch die engen Gassen erkunden möchte, kann auch Einzeltickets um 7,50 € kaufen oder sich mit einem Traghetto bei Bedarf über den Kanal bringen lassen, was auf Grund der kurzen Strecke deutlich weniger kostet. Ich habe 2,– € gehört – es aber selbst noch nie in Anspruch genommen, da ich wie bereits erwähnt immer ein Tagesticket habe.

Man kann Tickets natürlich auch vorher online kaufen, aber da ich meine Besuche immer spontan nach Laune und Wetter mache, ist das für mich nicht sinnvoll. Neuerdings funktioniert das sogar mittels App, was zumindest eine Alternative wäre, die ich bei Gelegenheit einmal ausprobieren will.

20,– € kostet es übrigens pro Nase

und das rechnet sich schon ab 3 Fahrten, die wir bei unseren Besuchen locker schaffen. Denn gleich zu Beginn brauche ich immer meine obligatorische Canal-Grande-Fahrt mit einer der Linien 1 oder 2, wobei die Linie 2 schneller ist, weil sie nicht bei jeder Station hält.

Ihr könnt es euch schon denken: ich nehme Linie 1, damit wie sonst auch der Weg schon das Ziel ist. 3800 Meter ist diese berühmte Wasserstraße übrigens und nur 4 Brücken gibt es auf dieser doch beachtlichen Länge. Die neueste wurde erst 2008 eröffnet und verbindet den Busbahnhof mit dem Bahnhof. Zu sehen gibt es unter anderem den wunderschönen (ehemals goldenen) Palazzo Ca‘ d’Oro sowie an die 200 weitere Palazzi; die hier aufzuzählen würde zu weit führen.

Die Linie 1 fährt wochentags übrigens alle 10 Minuten und daher mit seinen 15 Haltestellen perfekt für ein erstes Sightseeing. Der Vorteil, den die Tour am ENDE eines langen Tages hat, ist zweifellos die Beleuchtung in den Palazzi entlang des Kanals. Man kann wunderschöne Lüster an noch schöneren Zimmerdecken sehen!

Wer aber wie wir bei unserem letzten Besuch den Friedhof San Michele, Burano und/oder Torcello besichtigen will, dem rate ich OHNE Verzögerung die Linie 4.1 oder 4.2 zu nehmen, denn die Zeit wird hinten hinaus immer zu kurz. Bei mir zumindest 🙂 Die Fahrt an sich dauert schon über eine Stunde!
Entlang dieser Linie liegt übrigens auch die vorgelagerte Insel Giudecca mit der von Andrea Palladio entworfenen Kirche Il Redentore. Einmal im Jahr findet hier ein rauschendes Fest statt.

Über meine Nächtigung dort im Kloster „Foresteria Camplus Living Redentore“ habe ich euch bereits berichtet.

Noch eine wichtige Kleinigkeit: Solltet ihr zufällig Nebel in Venedig haben, so bedenkt bei der Zeitplanung, dass die Vaporetti weniger häufig fahren! Einen Plan, der die Routenwahl erleichtert, könnt ihr hier downloaden.

Außer der Hauptinsel gibt es noch viele weitere, von denen bestimmt Murano – Insel der Glasbläser am bekanntesten ist. Ich war vor (oh Gott) bestimmt 30 Jahren das 1.x dort und seither hat sich einiges geändert. Leider in diesem Fall nicht zum Guten! Einen kurzen Besuch ist es dort zwar noch wert, aber für den Fall, dass ihr Souvenirs kaufen wollt: achtet genau darauf, was man euch anbietet, denn es definitiv nicht mehr jedes Glas-Tierchen, jede Vase von hier und chinesische Ware wollt ihr doch wohl eher nicht, oder?

Burano, die Insel der Fischer und Spitzenklöpplerinnen

Was mir allerdings zum Spazieren gehen sehr gut gefallen hat ist Burano – ein Feuerwerk der Farben! Diesen Ausflug sollte man auf jeden Fall mindestens einmal machen. Nur vielleicht nicht gerade am Sonntag Vormittag, denn dann ist der Andrang deutlich größer als sonst.

Der Legende nach sollten die bunten Farben den heimkehrenden Fischern die Orientierung erleichtern. Nette Menschen erzählen, das sei wegen dem Nebel gewesen; weniger Nette begründen es mit Alkohol…

Torcello

Nur mit dem Essen würde ich warten und dann lieber auf Torcello, der kleineren Nachbarinsel gemütlich Rast einlegen. Man hat dort zwar nicht sooo viel Auswahl (Locanda Cipriani oder Osteria Al Ponte del Diavolo), aber wir haben uns geärgert, dass wir nicht gewartet haben. Es ist ruhiger, gemütlicher und die Preise sind angemessen.

Die Insel selbst ist nett, aber es gibt außer der Chiesa Santa Fosca sowie der Basilika Santa Maria Assunta nicht viel zu sehen und (falls nicht inzwischen noch weniger) nur 14 Einheimische.

6 „Sestieri“ gibt es zu entdecken:

  1. Castello
  2. Cannaregio
  3. Dorsoduro
  4. Santa Croce
  5. San Polo
  6. San Marco

Castello

Einen wirklichen Favoriten habe ich nicht, aber Castello ist sehr groß und ich kenne lange noch nicht alles, da es am weitesten vom Bahnhof und den Parkhäusern entfernt liegt. Die Ecke mit der Via Garibaldi und den unzähligen Lokalen dort ist für meinen nächsten Besuch geplant. Allem voran der Versuch, im Einheimischen Lokal Trattoria Alla Rampa, Via Garibaldi 1135, mittags einen Platz zu bekommen. Alternativ dazu Le Spighe, Via Garibaldi 1341, mit vegetarisch/veganer Küche.

Das Arsenal mit der großen Hafenanlage samt festungsartigen Mauern ist schon beim Vorbeifahren mit dem Vaporetto nicht zu übersehen. Im Grande Darsena wurde früher die Flotte gebaut und heute ist passenderweise das Marinemuseum hier zu finden, in dem Boote aus aller Herren Länder ausgestellt sind. Ein Großteil jedoch ist auch heute noch militärisches Sperrgebiet und kann nicht besichtigt werden. Bisher bin ich noch nie bei der Station „Bacini“ ausgestiegen und habe daher die dortige Flaniermeile noch nicht getestet. Das werde ich aber bei meinem nächsten Besuch nachholen!

Die Gärten der Biennale mit den Pavillons der einzelnen teilnehmenden Länder eigenen sich gut, wenn man nach den engen Gassen im Zentrum etwas Ruhe braucht. Wenn ihr hier in der Gegend seid, auf jeden Fall bei dem Café La Serra (Gewächshaus), Viale Garibaldi 1254, haltmachen.

2 der bedeutendsten Kirchen sind die Basilica dei Santi Giovanni e Paolo mit monumentalen Dogengräbern (in der Nähe vom Krankenhaus) sowie Santa Maria Formosa (wenige Schritte vom Palazzo Querini Stampalia, mit seiner bekannten Bildersammlung).

Der ruhige Stadtteil Sant‘ Elena, wo man fast auf den touristischen Rummel vergisst, ist noch eine richtige Arbeiter-Wohngegend. Wen ich unheimlich gerne einmal treffen würde ist die Schriftstellerin Donna Leon, die in diesem Stadtteil lebt. Ich gehe bei jedem Brunetti Film in Gedanken mit durch die Straßen und freue mich über jede Ecke, an der ich schon war.

Vielleicht muss ich mir überhaupt auf Grund unserer Familiengeschichte den Stadtteil genauer ansehen, weil dort sowohl die Kirche San Martino als auch Sant’ Elena zu finden ist. Als hätten meine Eltern seinerzeit in den Sechzigern in Venedig Urlaub gemacht 😉

Cannaregio

liegt gleich links vom Bahnhofsgebäude und hier befindet sich das Jüdische Ghetto, das den venezianischen Juden vor fast genau 500 Jahren (29. März 1516) zugewiesen wurde. Dieser Stadtteil wird immer wieder ‚mal von mir für einen ersten Spaziergang nach der Bahnfahrt genutzt. Am einfachsten geht man gleich beim Bahnhof, vorbei am Canale/Fondamento di Cannaregio und weiter Richtung Campo de Ghetto Novo. Kunstliebhabern gefällt sicher der Palazzo Labia mit dem Selbstbildnis des Malers Tiepolo im großen Saal (Campo San Geremia).

Falls ich mit dem Vaporetto unterwegs bin, dann steige ich bei „Fondamenta Nove“ aus und gönne mir erst mal Café, WC und WIFI in der kleinen Studenten-Bar nahe der Chiesa dei Gesuiti oder ich gehe Essen im Ogio, Corte dei Pali Testori 3489. Gestärkt und entspannt flaniere ich dann weiter zu der im Renaissancestil erbauten Santa Maria dei Miracoli. Diese Kirche gehört zu den 15 Kirchen Venedigs, für die man Eintritt bezahlen muss, der jedoch für die Erhaltung verwendet wird.
…und schon ist es wieder soweit, dass der letzte „caffè“ getrunken ist. Man schlendert zum Vaporetto und es wird Zeit zur Abreise.

Wenn ihr all das Gezeigte auf einmal machen wollt, dann ist ein Tagesausflug nicht genug! Verbringt ein langes Wochenende in Venedig und lasst euch einfach treiben.

Viele Male war ich schon um den Jahreswechsel hier. Ich liebe diese Jahreszeit in der Serenissima, da weniger Touristen dort sind und man mehr vom Alltag der Venezianer mitbekommt. Leider hat Venedig inzwischen weniger als 60.000 Einwohner, da die Mietpreise durch den „Ausverkauf“ an Ausländer beinahe unerschwinglich geworden sind; und besser wird es in den kommenden Jahren sicher nicht werden!

Das sind nun 2 von 6 Stadtteilen gewesen! Aber keine Angst…

Die Fortsetzung findet ihr hier!

Tanti Saluti
Elena

[googlerouteplaner=1]

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