Ein Spaziergang in Venedig-Castello

Zuletzt aktualisiert am 6. September 2020 um 16:15

Ich habe schon einige Beiträge über Venedig geschrieben, weil ich diese Stadt einfach liebe. Auch über die hinteren Ecken habe ich euch schon einiges erzählt.

Heute jedoch – in Zeiten, wo wir NICHT in die Serenissima reisen dürfen – will ich euch gedanklich entführen und hoffe, dass ihr vor eurem geistigen Auge einfach mit mir gemeinsam durch die Gassen spaziert.

Castello – das größte Sechstel

Wir starten im Parco delle Rimembranze

…den wir aus Zeitgründen mit dem Vaporetto erreichen. Da unser geplanter Weg zurück zwar kürzer, aber trotzdem lang genug ist, nehmt entweder eine 24-Stunden-Karte oder kauft zumindest gleich 2 Tickets im Vorverkauf. Das macht es einfacher, den Rückweg anzutreten falls eure Beine schwer werden.

Es gibt 2 mögliche Ausstiegsstationen: Giardini Biennale (wie die gleichnamige Veranstaltung) oder S. Elena, was ich meist nehme, damit ich mich zuerst ein wenig im Grün des Parks akklimatisieren kann.

Wir sind im nordöstlichen Teil der Stadt und ziemlich weit von den Parkhäusern bzw. dem Bahnhof entfernt. Der Name Castello leitet sich vom Fondamenta di Castel Olivolo, dem alten Sitz der venezianischen Bischöfe, ab.

Lasst uns entlang der Riva dei Partigiani am Biennale Gelände vorbei spazieren.

Mein erster Stopp ist oft das Café La Serra (Gewächshaus), Viale Garibaldi 1254. Hier im Giardini Pubblici einen Macchiatone zu trinken ist für mich fast ein MUSS.

Dieser weitläufige Park wurde zu Napoleons Zeiten errichtet, indem sumpfiges Land trocken gelegt und neben dieser Grünzone auch eine Bebauung möglich wurde.

Eine Straße, die ehemals Via Eugenia hieß

Durch das schöne Eisentor gelangen wir in die Via Garibaldi mit den unzähligen Lokalen und Geschäften.

Besonders gern konsumiere ich in dieser Straße nichts, denn sie ist doch sehr touristisch und bis jetzt habe ich noch kein Lokal entdeckt, das mich wirklich überzeugt. Solltet ihr ein gutes Lokal in dieser Straße kennen, schreibt es bitte unbedingt in die Kommentare – danke!

Es gibt auch einen Markt in der Via Garibaldi

Wann: 7.00 – 14.00 Uhr
Was: Obst, Gemüse, Fisch & Schalentiere, anderer Krimskrams, der auf Märkten erwartet werden kann

Weiter geht’s auf die Riva San Biagio mit der gleichnamigen Kirche und dem Museo Storico Navale. Ich war zwar noch nicht drinnen, aber wenn man sich für Nautik interessiert, dann ist das bestimmt einen Besuch wert!

Aber genießt hier am Campo San Biagio unbedingt vorher noch einen Blick in die Lagune und Richtung San Marco. Wenn das Licht genau passt ist es mystisch!

Mich hat das Arsenal gleich in der Nähe immer sehr fasziniert, auch wenn es größtenteils militärisches Sperrgebiet ist und daher nicht besucht werden darf. Kurz nach 1100 wurden bereits die ältesten Teile erbaut und somit ist diese riesige Schiffswerft über 900 Jahre alt!

In unmittelbarer Nähe ist der kleine Campo San Martino mit der Martinskirche. Langjährige Leser wissen sicher, dass ich bei Kirchen dieses Namens immer kurz um Schutz und Glück für meinen Bruder bitte – wenn möglich mit Kerze anzünden, aber ich glaube fest daran, dass es auch ohne geht. Der Gedanke zählt!

Campo Bandiera e Moro (auch: Campo San Giovanni in Bragora)

Durch etwas verwinkelte Gassen (Calle Erizzo/Calle Crosera) kommt man zu San Giovanni in Bragora. Der Barock-Komponist Antonio Vivaldi wurde hier getauft. Gestorben ist er übrigens in Wien, also hat er in 2 ziemlich schönen Städten gelebt 😉 Am berühmtesten sind seine Violinkonzerte “Die vier Jahreszeiten”.

Hinter dem großen Baum befindet sich der Palazzo Gritti Morosini Badoer Partecipazio, in dem heute ein Hotel untergebracht ist. Im Inneren ist eine opulente Empfangshalle, die mit antiken Möbeln, schönen Teppichen und Gemälden aus dem 18. Jahrhundert bestückt ist. Kronleuchter aus Muranoglas und natürlich Stuckarbeiten dürfen in einem venezianischen Palazzo nicht fehlen.

Als schön habe ich auch die orthodoxe Kirche San Giorgio dei Greci (und dem leicht geneigten Campanile) empfunden. Für das Ikonen Museum hatte ich leider keine Zeit mehr.

Und schon – quasi um die Ecke – sind wir “beim nächsten Georg”, Scuola di San Giorgio degli Schiavoni (bedeutendes Gemälde von St. Georg mit dem Drachen – ein Besuch ist empfehlenswert). Es ist am Bild übrigens das weiße Gebäude, während man im roten Palazzo nächtigen kann.

Wir kommen zur Salizada de le Gate, einer Gasse mit kleinen Geschäften des täglichen Bedarfs. In dieser Gegend befindet sich auch der Ex-Konvent der Malteser Ritter, wie man mehrfach am Malteserkreuz erkennen kann.

Wer jetzt keine Lust mehr hat weiterzugehen, der kann mit wenigen Schritten die Vaporetto-Station Celestia erreichen und wieder zurückfahren. Wir jedoch gehen zum Campo della Celestia mit dem Sitz des historischen Archivs der Gemeinde Venedig, das leider in einem sehr traurigen Zustand ist.

Im ehemaligen Zisterzienserinnenkloster wurden unter anderem Töchter aus gutem Hause untergebracht, wenn sich die Väter die Aussteuer sparen wollten. Da viele also nur unfreiwillig Nonnen wurden, sollen hier sehr lockere Sitten, ja sogar Ausschweifungen üblich gewesen sein.

Auf Commissario Brunettis Spuren

Weiter geht’s zur ehemaligen Klosterkirche San Francesco della Vigna, die mir irgendwie bekannt vorgekommen ist. Ich hatte das Glück, dass die Pforte zum Kreuzgang offen war, jedoch wage ich nicht zu behaupten, dass das immer so ist. Jetzt wußte ich warum mir die Sil­hou­et­te geläufig war: Den Innenhof kannte ich von einer Brunetti Folge!

In dieser Gegend habe ich auch die allseits bekannten Säulen bei der Questura und die kleine Brücke entdeckt, auf die Signorina Elettra meinem Lieblings-Commissario häufig nachläuft! Momentan leider (oder Gott sei Dank) mit Renovierungsarbeiten, aber vielleicht tausche ich bei Gelegenheit das Bild aus.

Bei Santa Giustina habe ich ein wenig Pause gemacht, denn zu meinem Glück war genau zum richtigen Zeitpunkt eine Gesangsprobe und das hat sich so himmlisch angehört, dass mir diese Rast gerade recht kam.

Auf dem Weg zu einer der bedeutendsten Kirchen Venedigs, der Basilica dei Santi Giovanni e Paolo mit den monumentalen Dogen Gräbern, kommen wir durch die Barbaria delle Tole an 3 Palazzi vorbei, die eines Blickes wert sind.

  • Gradenigo (private Brücke über den Kanal)
  • Muazzo (5-Sterne-Luxus Unterkunft)
  • Morsini

In dieser Gasse hatte ich nicht nur eine schöne Ausstellung im Complesso dell’Ospedaletto während der Biennale besucht, sondern auch die nette Pasticceria Dal Conte entdeckt.

Wir befinden uns nun beim Eingang vom Krankenhaus, das durch die Scuola Grande di San Marco erreichbar ist. Am Campo Santi Giovanni e Paolo, volkstümlich genannt San Zanipolo, ist wieder eine gute Möglichkeit, um Pause zu machen. Beachtet unbedingt auch die unübersehbare Statue von Bartolomeo Colleoni von Verrocchio. Die ungewöhnliche Geschichte hinter dem Reiterstandbild habe ich in meinem Artikel Venedig in 12 Stunden bereits erklärt.

Vorbei am spätgotischen Palazzo Soranzo – Van Axel mit den beiden Innenhöfen, dem wunderschönen Portal aus dem 15. Jahrhundert und den L-förmigen Porteghi kommt man zu einer ebenfalls sehr sehenswerten, aber etwas versteckten Kirche.

Santa Maria dei Miracoli, die zu den ca. 15 Kirchen Venedigs gehört, für die man Eintritt bezahlen muss. Da der wirklich kleine Betrag aber für deren Erhaltung verwendet wird, finde ich das nicht schlimm.

Vorbei an San Canciano kommen wir schon zum Ende unseres Spazierganges, zum Palazzo Donà dalle Rose an der Fondamente Nuove. Der Doge Nicolò Donà war unter anderem Statthalter in Udine und wirkte bei der Gründung der sternförmigen Stadt Palmanova in Friaul mit, die als Festungsstadt der Republik Venedig zum Schutz vor den Türken angelegt wurde.

Ich genieße es vor der Vaporetto Fahrt immer noch ein wenig, in die Kanäle zu schauen und die letzten Stimmungen abzuspeichern.

Nun geht es wieder zum Ausgangspunkt zurück

Von hier hat man noch einen guten Blick zur Friedhofsinsel San Michele, bevor es mit dem Vaporetto wieder zurück zu Parkhaus oder Bahnhof geht.

Ich hoffe, euch hat dieser Tag in Venedig auch gefallen und glaubt mir: mehr schafft man an einem Tag nicht, wenn man ab und zu gemütlich pausieren will und die eine oder andere Sehenswürdigkeit auch von innen betrachten.

23 Inseln sind im Stadtteil Castello zusammengefasst, das durch die starke Präsenz vom Arsenal ehemals vor allem Arbeiter und Matrosen Familien (genannt Arsenalotti) beherbergt hat. Leider verfallen viele der großen, alten Wohnhäuser zusehends.

Touristen sind mir nur in einer überschaubaren Zahl untergekommen, was wohl auch daran liegt, dass hier die Dichte von Lokalen und Geschäften deutlich geringer ist als in anderen Stadtteilen. Jedoch sind bei den Verbliebenen die Preise moderat und die Bedienungen sind sehr nett (zumindest habe ich das abseits der Via Garibaldi so erlebt).

Diese Route bin ich das letzte Mal im Herbst 2019 genau vor dem großen Hochwasser gegangen. Jetzt – wo ich es niederschreibe – erlebe ich den Tag so real, als wäre ich wieder dort. Deshalb werde ich bestimmt immer wieder mal in Castello (mit kleinen Ausreißern nach Cannaregio) spazieren gehen.

Ihr seid noch nie in Venedig gewesen? Dann solltet ihr unbedingt diesen Artikel noch lesen und vielleicht für den ersten Besuch die klassische Route einplanen.

Venedig für Anfänger

Eine Vaporetto Fahrt durch den Canal Grande gehört zu Venedig absolut dazu. Alle Palazzi wird sich selbst ein Historiker nur schwer merken können – es sind zu viele. Auf die Wichtigsten sollte man allerdings schon achten. Welche das sind, habe ich bereits zusammengefasst.

Die Prunkgebäude der Dogen in Venedig

Tanti Saluti

Elena


Offenlegung:

Angeregt zu diesem Spaziergang wurde ich durch ein über 20 Jahre altes Prospekt vom TCI (Touring Club Italiano), das ich als Lesezeichen in einem alten Buch gefunden habe.

Es war spannend, einmal nicht absichtlich planlos, sondern wirklich wie früher mit einem Folder samt Plan in der Hand seinen Weg zu suchen. Kleine Abweichungen konnte ich mir natürlich nicht verkneifen.


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