Mittelalterfest im Veneto: Am Weg nach Bassano del Grappa bin ich schon mehrfach durch San Zenone degli Ezzelini gekommen und mir sind Plakate aufgefallen, auf denen ein Ritter zu sehen war. Immer wieder war der Plan, stehen zu bleiben, doch wie so oft: man hat etwas vor und auch im Urlaub keine Zeit.

Doch diesen Juni nahm ich mir die Zeit und das war gut so, denn sonst hätte ich einiges verpasst!Wir sind also kurz entschlossen Richtung Ortszentrum und Hügel gefahren.

Villa Marini Rubelli

Villa Marini Rubinelli

Spontan – wie ich nun mal bin – habe beim Anblick der Villa Marini Rubelli sofort Halt gemacht und obwohl eigentlich nicht geöffnet, durfte ich (Dank der äußerst zuvorkommenden Reinigungskraft) zumindest das Erdgeschoss besichtigen. Üblicherweise finden dort Verkostungen und Ausstellungen statt. Die Villa selbst geht ca. auf 1400 zurück.

Speis und Trank


Teamwork

Wie wir bei unserem nächsten Besuch, der nun angemeldet war, sehen konnten, sind in den oberen beiden Stockwerken Ausstellungen von hiesigen Künstlern aller Stilrichtungen zu besichtigen. Das Kleid am Bild ist übrigens von unterschiedlichsten Personen, die alle andere Fähigkeiten haben, in einer Gemeinschaftsarbeit entstanden.

Trauungssaal

Was mir als Romantikerin natürlich auch besonders gefallen hat: im Nebengebäude – der Barchessa – finden die hiesigen Trauungen statt. Ich kann mir lebhaft vorstellen wie nett es sein muss, danach im Innenhof ein Gläschen auf das neue Glück zu trinken.

Als wir wieder Richtung Auto gingen, fiel mir natürlich sofort ein alter Turm am Hügel auf und wer mich kennt weiß, dass mir (fast) keine Straße zu schmal ist, um etwas Historisches zu erkunden.

Turm von unten

Wir also los und mit Hausverstand (und Navi zur Reserve) waren wir schon auf der kurvigen Straße aufwärts unterwegs. Doch da die Straße nicht wie erwartet beim Turm endete, fuhren wir weiter. Wir vermuteten noch etwas anderes am höchsten Punkt und genau so war es: die Kirche „Chiesetta rossa“, der heiligen Mutter Gottes geweiht, stand deutlich sichtbar am Ende eines großen Vorplatzes.

Chiesetta rossa

Kirchenvorplatz


Innenraum


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Kirchenvorderseite

Natürlich blieben wir stehen und erkundeten die Umgebung. Nicht nur, dass die Kirche innen von schlichter Eleganz war und bei unserem Besuch die Sonne optimal stand – der 360° Ausblick ins Land war auf jeder möglichen Seite nahezu unendlich!

Ante Portas


Campanile

Auch wenn der Ausblick toll war – unseren ursprünglichen Plan wollten wir dennoch realisieren und so machten wir noch letzte Bilder bevor wir uns Richtung „Torre degli Ezzelini“ auf machten.

Weitblick


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Torre degli Ezzelini

Nach einigen Kurven war er nun beim Turm und wir waren ein wenig enttäuscht, denn Turm und Garten waren versperrt. Doch wir konnten zumindest über die Mauer hinweg ein wenig erahnen, was sich dahinter verbirgt. Ich weiß inzwischen, dass eine Krypta unter dem Turm ist und ein aufgelassener Friedhof von längst vergangenen Tagen berichtet.

Natürlich gibt es in Dörfern wie hier auch Geschichten, die durchaus historische Wahrheit in sich tragen: Ezzelino III. da Romano aus dem 12. Jahrhundert, selbst für außerordentlicher Grausamkeit bekannt, musste mit ansehen, wie Frau und Kinder enthauptet bzw. lebendig verbrannt wurden. Er selbst wurde vor seiner Armee von Pferden in 4 Teile zerrissen. Sein Bruder Alberico da Romano wurde in Gefangenschaft in Treviso verbrannt.

Turm oben

Wo heute nur noch dieser Turm sichtbar ist, war früher die Burg, die 1260 nach dem Tod von Alberico niedergebrannt wurde.

Auch wenn wir diesmal nicht zum richtigen Zeitpunkt dort waren – ich komme wieder und werde mir alles genauer ansehen! Aber was ich bei meinem Besuch im Juni schon fix beschlossen hatte: Im Juli zum Ritterfest bin ich wieder da und so war es auch!

Nella Terra di Ezzelino

Rittersiesta


Kleiderkammer

Ich war noch nie auf einem Mittelalterfest und schon bei der Parkplatz Suche war ich positiv überrascht! Obwohl es sich um eine eher kleine Ortschaft handelt (ca. 7.500 Einwohner) waren Parkflächen auch auf Firmen-Arealen geöffnet, in die freundliche und deutlich gekennzeichnete Lotsen den Weg wiesen. Wer gleich am großen Dorf-Parkplatz stehen bleiben wollte, für den fuhren in kurzen Abständen Shuttle Busse.

Pfeil und Bogen


Papier schöpfen


Wahrsagerin

Wir waren gleich ab dem Eingang umgeben von vielen Rittern in Rüstung und allerlei anderen Leuten in unterschiedlichster Kleidung. Alles Mögliche konnte von Groß und Klein ausprobiert werden: Pfeil und Bogen schießen, Papier schöpfen oder zur Wahrsagerin gehen. Das alles und noch viel mehr wurde geboten. Natürlich gab es auch Marktstände um unterschiedlichste  Dinge kaufen zu können.

Doch uns interessierten mehr die kulinarischen Genüsse, wie zum Beispiel etwas, das ich in meiner Kindheit geliebt habe und heute nur noch selten bekomme: Apfelradl!

Apfelradl


Gaukler

Nach Gaukler Darbietungen, einer Greifvogelschau und äußerst beeindruckenden Fahnen-Schwingern formierten sich die vielen Mitwirkenden neu und wir erfuhren, dass nun bald der Höhepunkt – der Ritterkampf – beginnen sollte.

Fahnen schwingen


2x Fahnen

Mitten durch die Leute, ab in Richtung Festzelt und den unterschiedlichsten Ständen mit Erfrischungen zog der ganze Tross an uns vorbei.

Ein imposanter Mann mit rotem Gewand und kräftiger Stimme verkündete, dass sich nun die beiden Parteien auf die „Schlacht“ vorbereiten werden und wir waren sehr gespannt.

Sprecher


Lagebesprechung

Besonders den Kleinen war die Erwartung ins Gesicht geschrieben, denn vor den durchaus vielen Erwachsenen saßen sehr, sehr viele Kinder mit leuchtenden Augen. Was die Eltern erfreuen dürfte: Kinder bis 11 hatten freien Eintritt, jedoch waren die 3,– € pro Person auch mehr als moderat für diese Veranstaltung.

gleich geht's los


Einen kleinen Auszug von dem „Gemetzel“ habe ich euch mitgebracht und ich muss sagen: es hat mir insgesamt nicht schlecht gefallen. Wir sind viel länger geblieben als anfangs gedacht, denn es gibt immer wieder etwas Neues zu sehen, auch wenn man glaubt, man hätte schon alles durch. Wie ich erfahren durfte, gibt es die „Academia Sodalitas Ecelinorum“ und Veranstaltungen ähnlich wie diese finden in unterschiedlichen Städten und Dörfern immer wieder statt.

hinter den Linien


Waffenlager

Auch das schönste Fest sich einem Ende zu, die Lanzen stehen im Eck und Ritter, Edelfräulein und anderes Volk mischten sich nach Beendigung des Programmes unter die Zuschauer. Es war ein bunter Mix, wie ein Zeitsprung durch Epochen. Für uns hieß es nun langsam Abschied nehmen, denn der Heimweg war noch weit. Mir hat es gut gefallen und sollte ich wieder einmal auf ein Fest dieser Art stoßen, so werde ich sicher mehr Zeit und bequemere Schuhe einplanen 😉

Danke!

Mein besonderer Dank gilt abschließend Carlo von Pro Loco San Zenone degli Ezzelini, der mir alles geduldig erklärt hat, auch wenn meine italienisch Kenntnisse sehr zu wünschen übrig lassen. Danke auch für die persönliche Vorstellung verschiedenster Organisatoren und nicht zuletzt auch diverser Mitwirkende. Ich habe einiges über die Umgebung erfahren und weiß nun, dass nicht nur historisch Interessierte, sondern auch Naturliebhaber hier auf ihre Kosten kommen werden. So zum Beispiel bei den 4 unterschiedlich langen, Themen bezogenen Spazier-Routen (25 Minuten – 1 Stunde 45). Da sollte doch für jeden etwas dabei sein!

Ihr wart auch schon einmal umgeben von Rittern? Erzählt mir doch wo es war und wie es euch gefallen hat!

Tanti Saluti
Elena

[googlerouteplaner=17]

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