Udine – die wichtigste Stadt im Herzen von Friaul

Zuletzt aktualisiert am 21. November 2020 um 17:33

…viel zu schade, um daran vorbei zu fahren

Udine

Jedes Jahr strömen unzählige Urlauber aus dem deutschsprachigen Raum Richtung obere Adria. Die meisten davon erreichen den östlichsten Teil Italiens über den Grenzübergang bei Arnoldstein. Ob man entlang der „Alpe-Adria-Autobahn“ vorbei an Pontebba und Gemona Richtung Udine fährt oder lieber auf der Bundesstraße SS13 fährt – meist parallel dazu – bleibt Geschmackssache.

Im Herzen von Friaul

Ich empfehle bei Udine NORD Richtung Stadtzentrum zu fahren. Mein bevorzugter Parkplatz ist in der “Via Anna Muratti Moretto”. Hier und in den angrenzenden Straßen gibt es kostenfreie und zeitlich unbegrenzte Parkplätze.

Moretti

Aber Achtung: ein Teil davon ist Kurzparkzone, also auf die Bodenmarkierung achten! Sollte hier nichts frei sein – auch kein wirkliches Problem: Der gebührenpflichtige Parkplatz “Luigi Moretti” ist mehr als vernünftig im Preis und daher lohnt es sich nicht, Alternativen zu suchen.

Wie ihr bei der Karte sehen könnt, gibt es in Udine auch so etwas wie einen RING. Meine Empfehlungen befinden sich fast ausnahmslos innerhalb des Ringes bzw. in unmittelbarer Umgebung.

Parrocchia di S. Nicolò Vescovo al Tempio Ossario

Direkt beim Kreisverkehr kommt ihr zur Kirche “Parrocchia di S. Nicolò Vescovo al Tempio Ossario”. In diesem Gotteshaus ruhen die Gebeine von an die 25.000 Gefallenen aus dem 1. Weltkrieg.

Mir wird jedes Mal ganz schaurig zu Mute, wenn ich an die vielen verschwendeten Leben dieser jungen Männer denke.

Weiter geht es von hier aus LINKS auf der Via Poscolle Richtung Innenstadt. Nach wenigen Minuten sieht man bereits die Galleria “Bardelli” – den Durchgang zum eigentlichen Zentrum.

Via Poscolle

Galleria Bardelli

Der wichtigste Platz zum Relaxen – Piazza Giacomo Matteotti

Nun befinden wir uns in unmittelbarer Nähe der Piazza Matteotti, ein MUSS bei jeder Udine Besichtigung. Durch die geschlossenen Häuserfronten auf allen Seiten fühle ich mich irgendwie beschützt, obwohl der Platz sehr groß ist.

Tajut – ein netter Brauch: ein Glas Friulano, am besten mit Freunden genossen

Spritz Aperol

Meine liebste Gewohnheit hier ist es, mich zuerst einmal auf einen Kaffee oder Drink in oder vor eines der Lokale zu setzen. Dann lasse ich den Platz und die Menschen auf mich wirken.

Piazza Matteotti

Viele der Häuser haben Dachterrassen aufgesetzt und die Vermutung drängt sich auf, dass es wohl nicht immer baurechtlich so ganz korrekt zugegangen sein kann. In den letzten Jahren habe ich viele Renovierungen auf diesem Platz bemerkt, was offensichtlich auch dringend notwendig war. so wird die Piazza Giacomo Matteotti von jahr zuu Jahr noch schöner!

Fahrräder

In den letzten Jahren (Jahrzehnten) habe ich schon vieles hier erlebt:

  • Faschingsumzüge
  • Antiquitätenmarkt (am ersten Sonntag im Monat)
  • Weihnachtsmarkt
  • Hochzeiten
  • politische Versammlungen

Dass es da noch einiges mehr geben würde, da bin ich mir ganz sicher. Solltet ihr noch weitere Veranstaltungen hier erlebt haben, so freue ich mich, wenn ihr mich in den Kommentaren darüber informiert.

Chiesa di San Giacomo

Dieser Platz hatte im Lauf der Zeit schon mehrere Namen. Wenn ich ein wenig mehr Zeit habe, gehe ich auch gerne in die barocke Kirche “Chiesa di San Giacomo”, die bereits vor 1400 erbaut wurde.

S. Giacomo

Kirchen besuche ich natürlich nicht bei jedem Besuch, aber eine kleine Lokal-Runde ist ein MUSS. Ein Häppchen hier, ein Gläschen dort…

Absacker im Advent

Mercato del Pesce - zu
Mercato del Pesco - offen

Sbarco dei Pirati

Doch nun geht es über die Via Mercatovecchio zum ältesten Platz von Udine und gleichzeitig dem schönsten venezianischen Platz auf dem Festland.

Einkaufsstraße

Piazza Libertà

Wir sehen hier

  • die weiß-rosa gestreifte Loggia del Lionello in feinster venezianischer Gotik (erbaut vor 1500)
  • den Uhrturm / Torre dell’Orologio, auf dem 2 Mohren die Stunden schlagen
  • der Tempietto di San Giovanni
  • den Arco Bollani, einen Gedenkbogen, der Mitte des 16. Jahrhunderts von Andrea Palladio errichtet wurde
  • Herkules und Cacus, von den Einheimischen “Florèan und Venturin” genannt
  • die Statuen der Gerechtigkeit und der Friedensgöttin (gestiftet von Kaiser Franz I.)
  • weiters einen Brunnen von Giovanni Carrara sowie
  • last, but not least der obligatorische Löwe, der mehrfach auf dem Platz zu sehen ist.
Cacus
Herkules
Loggia del Lionello Aufgang

Eigentlich kann ich euch kaum sagen, was mir am besten gefällt. Immer wenn ich hier bin, gehe ich einfach über diesen Platz, lasse die Kunst und Architektur auf mich wirken.

Piazza Libertà

Erstaunlicherweise entdecke ich auch nach unzähligen Besucher immer wieder Details, die ich vorher noch nie bemerkte. Daher zeige ich euch einfach noch ein paar Bilder und hoffe, dass ihr dieses Platz genauso wunderschön findet wie ich (und ganz viele andere Besucher).

Römerin
Arkaden
Mariensäule
Ecke der Loggia

Arco Bollani

Castello di Udine

Beim Arco Bollani gibt es 3 Möglichkeiten auf den Schlossberg (=Hügel) zu kommen.

  1. Ganz links die Giustiniana Treppe (eher steil, dafür kurz),
  2. Die gepflasterte Straße – auch ziemlich steil, aber durchaus für Senioren geeignet,
  3. oder rechts davon in den Arkaden (Portikus di Lippomano). Diese sind weniger steil, dafür immer wieder von Stufen unterbrochen. Falls ihr diesen Weg wählt, beachtet auch die Malereien in den Arkaden.
Giustiniana Treppe
Aufstieg zum Schloss
Portikus di Lippomano

Der Hügel selbst ist übrigens der Rest einer eiszeitlichen Moräne (Schuttablagerung). Egal welchen Weg ihr hinaufgeht: bleibt unbedingt immer wieder stehen und schaut Richtung Piazza Libertà und Altstadt. 

(Endlich) oben angekommen gehe ich immer zuerst eine Runde und schaue auf allen Seiten hinunter. Als Erstes sieht man auf die Piazza I. Maggio, wo übrigens auch viele Parkmöglichkeiten sind. Vorbei am Restaurant sieht man jede Menge Reste alter Bauwerke und nicht zuletzt die Dächer des Stadtzentrums. Vor allem kurz vor dem Sonnenuntergang ist dieser Ausblick ganz unglaublich schön!

Piazza Primo Maggio
Alte Reste von Gebäuden
Blick in die Altstadt

Erstmals erwähnt wurde Udine übrigens schon vor dem Jahr 1000! Das heutige Castello wurde vor 1600 beendet, nachdem der ursprüngliche Bau bei einem Erdbeben zerstört wurde. Heute sind Museen unterschiedlicher Ausrichtung und eine Galerie in dem Renaissance-Schloss untergebracht.

Der Legende nach haben die Soldaten von Attila dem Hunnenkönig mit ihren Helmen Erde aufgehäuft, um besser sehen zu können, wie Aquileia niederbrennt. Aber wie das mit Legenden so ist: Man weiß es nicht genau, aber das Gegenteil ist auch nicht bewiesen. Was allerdings fix belegt ist: Attila war in Aquileia und hat dort auch gewütet!

Rückseite vom Castello

Die Rückseite des Gebäudes ist leider schon renovierungsbedürftig, aber das habe ich schon bei unzähligen Schlössern und Villen so erlebt. Wen das stört, der kann sich auch in die Gastwirtschaft “Casa della Contadinanza” setzen, die in einem schönen Nebengebäude untergebracht ist.

Gastwirtschaft beim Schloss

goldener Engel

Chiesa di Santa Maria al Castello

Wie in jeder Schloss-Anlage gibt es natürlich auch eine Kirche; diese hier ist der Mutter Gottes geweiht. Sie ist das älteste Sakralgebäude der Stadt Udine, aber leider konnte ich sie innen noch nie besichtigen, weil die Tür immer verschlossen war.

Eines Tages wird es zeitlich passen, da bin ich mir sicher! Der frühchristliche Charme wird mich immer und immer wieder auf den Hügel locken, bis es endlich klappt! Mein aktuelles Highlight ist der goldene Engel über der Kirche, den man aus vielen Perspektiven bewundern kann, weil er sich im Wind dreht.

Ich rate euch auf jeden Fall NICHT den gleichen Weg hinunterzugehen, wie ihr heraufgekommen seid. Man übersieht nämlich sonst leicht einige der Details.

Der Dom – Santa Maria Annunziata

Diese imposante Kathedrale liegt gleich in der Nähe der Piazza Libertà; der Glockenturm ist nicht zu übersehen, wenn man so steht, dass man die Loggia del Lionello rechts von sich hat.

Will man vorher noch KURZ einen Abstecher machen, so geht man links gleich nach den Treppen in die Via Manin und man gelangt zu einem der ältesten Stadttore von Udine. Würde man hier weiter gehen, käme man auf die Piazza 1. Maggio, die wir schon von oben, von Schoßberg aus, gesehen haben.

Weg zum Dom

Achtet auf die Öffnungszeiten der Kirche, die von außen nicht vermuten lässt, dass sie innen Barock ist. Die unglaublich schönen Fresken (ca. 1725) von Giambattista Tiepolo, dessen Werke in Udine öfter zu bewundern sind, sind ebenfalls ein Muss, daher das Oratorio della Purità (rechts vom Dom) bei der Besichtigungstour nicht auslassen.

Nach letzten Wissensstand sind die Öffnungszeiten Donnerstag und Freitag von 10.00-12.00. Das Dommuseum im Glockenturm mit dem Marmorsarkophag vom heiligen Bertrand ist ebenfalls einen Besuch wert. Wer noch mehr sakrale Kunst verträgt, für den sind 2 weitere Kapellen in unmittelbarer Umgebung.

Sehr cool finde ich, dass man die Messe auch streamen kann und eifrig auf Twitter, Facebook und Tripadvisor geantwortet wird. Eine Kirche, die mit der Zeit geht!

Dom

Von hier aus geht unser Rundgang weiter Richtung Piazza XX Settembre, wo samstags der Markt abgehalten wird.

Piazza XX Settembre

Für alle, die bis jetzt noch nicht SHOPPING in die Stadtrunde eingebaut haben, wäre jetzt der richtige Zeitpunkt dafür. Wir gehen bei der Casa Veneziana wieder zurück in Richtung Ausgangspunkt.

Kaffeepause

Das Rathaus der Stadt (Palazzo del Comune) liegt nun auf unserem Rückweg und ein Blick nach oben zu den Figuren (Liberty-Stil) sollte nicht versäumt werden.

Nach einer kleinen Kaffeepause oder einem Aperol Spritz (hier besonders gut) neben dem Palazzo D’Aronco (im schönsten Jugendstil) richtet sich der Blick nun nicht mehr auf architektonische Kunstwerke, sondern bleibt an den Schaufenstern hängen. Es gibt für jede Preisklasse etwas und ich kann euch nur raten: lasst euch treiben! Das Zentrum von Udine ist dermaßen übersichtlich, dass ihr euch eigentlich nicht verlaufen könnt.

Shopping

Langsam aber sicher bewegen wir uns wieder zurück Richtung Parkplatz und somit endet unser Rundgang hier.

Innenstadt

Aber: Vielleicht wollt ihr aus einer Stadtbesichtigung einen Kurzurlaub machen? Dann habe ich in jeder Himmelsrichtung einen Tipp für euch (N-O-S-W):

Letzte Blick auf UdineAusflugsmöglichkeiten in der Umgebung von Udine

  • Venzone, eines der schönsten Dörfer Italiens und seit 1965 komplett unter Denkmalschutz gestellt
  • Cividale, Teufelsbrücke, Kloster und Langobardischer Tempel
  • Aquileia, Basilika und Ausgrabungen
  • Spilimbergo mit der Mosaik Schule

Falls ihr noch weitere Tipps zu Udine wisst, so freue ich mich, wenn ihr mir in den Kommentaren davon berichtet.

Tanti Saluti – Elena


Offenlegung:

Der Artikel entstand nach unzähligen Besuchen auf eigene Kosten und wird bestimmt noch des Öfteren überarbeitet werden 🙂


Udine - das Herz von Friaul

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geschrieben von
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8 Kommentare

  • Liebe Elena, welch eine schöne Stadt, von der wir noch nie zuvor gehört haben (wir waren aber in den letzten Monaten auch eher südlicher unterwegs). Gerade der Platz, an dem du zu Beginn immer dein Getränk einnimmst, erinnert uns sehr an einen der Hauptplätze unserer Lieblingsstadt Lucca mit seinen gelben Häusern! Viele Grüße, Andre & Jil

    • Hallo Ihr beiden,
      ja, Lucca hat mir auch sehr gut gefallen und diese Hauptplätze in Italien liebe ich wirklich – auch in kleineren Städten/größeren Dörfern sind die sehr reizvoll. Danke für die netten Worte!
      Herzliche Grüße aus Salzburg
      Elena

  • Eine wunderschöne Beschreibung einer Stadt, die ein Besuch absolut wert ist. Viel Kultur, Geschichte, italienisches Flair, das wir lieben. Wir werden Udine mit Neugier begegnen und die Stadt erkunden. Danke Elena!

    • Danke für die netten Worte lieber René!
      Ein Tag oder Nachmittag/Abend in Udine ist zu jeder Jahreszeit die Fahrt wert und von Lignano aus wirklich gut machbar!
      Liebe Grüße
      Elena

    • Liebe Christine,
      da ich weniger als 1 Stunde von Udine entfernt wohne, habe ich noch nie eine Unterkunft gebraucht. Tut mir leid, dass ich dir nicht helfen konnte.
      Viele Grüße
      Elena

  • Liebe Elena, ich habe deine Seite vor einem Udine-Besuch entdeckt; deine Beschreibungen sind wirklich toll und hilfreich. Werde in Zukunft bestimmt öfter bei dir reinschauen! Liebe Grüße Anita

    • Liebe Anita,
      es freut mich sehr, wenn du mich virtuell auf meinen Spaziergängen begleitest. In Udine speziell fühle ich mich fast wie daheim. Das ist für mich als Salzburgerin so, als würde ich in Hallein oder Bad Reichenhall, also netten Städten in der Umgebung, flanieren.
      Viele liebe Grüße
      Elena

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