An der Adria außerhalb der Saison
Ihr habt mich bereits bei 3 Adria-Touren begleitet, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
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Die Top 5 Badeorte an der oberen Adria, die bestimmt viele von euch schon besucht haben.
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Sandstrände, die kaum einer kennt und die trotzdem an der oberen Adria liegen.
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Italiens Ostküste entlang des oberen Stiefels entdecken.
Bei all diesen Sommerdestinationen kann Spaß und Entspannung erwartet werden – und doch lohnt sich auch ein Blick darauf, wenn die Sonnenschirme und Liegestühle schon wieder im Depot sind.
Eine Tagestour meines Roadtrips
Wir sind entlang der Adriaküste und dann ein Stück ins Hinterland gefahren, immer wieder stehen geblieben, haben uns treiben lassen. Herausgekommen ist eine Route in der Nähe von Ancona, die Euch zeigt, wie vielseitig die Marken abseits der Hauptsaison wirklich sind.
Meine Route im Überblick zwischen Senigallia und Jesi
Ein kurzer Überblick über unsere Stopps, die Ihr gut als Inspiration oder für die eigene Planung nutzen könnt:
- Senigallia
- Belvedere Ostrense
- Jesi
Dabei legen wir keine 30 Kilometer zurück, eine Strecke, die man in gut 40 Minuten schaffen könnte. Aber wie ihr mich kennt, haben wir daraus eine eigene Etappe in unserem Urlaub gemacht und bewusst zwischen die beiden größeren Städte ein kleineres Dorf, ein Borgo, zur Entspannung eingeschoben.

So entstehen aus kurzen Distanzen plötzlich ganze Reisetage, weil wir unterwegs immer wieder anhalten, um uns Orte genauer anzusehen, einen Kaffee zu trinken oder einfach den Blick über die Landschaft wirken zu lassen. Genau diese Mischung aus Bewegung und kleinen Pausen macht für mich den Reiz solcher Strecken aus.
Wir sind im mittleren Drittel der Marken unterwegs, für mich eine der unterschätztesten Regionen Italiens. Gereist sind wir in der Nachsaison, aber diese Route funktioniert genauso gut im Frühling oder auch in umgekehrter Richtung.
Und vielleicht ist genau das der Punkt: Roadtrips außerhalb der Hauptsaison bringen einige Vorteile mit sich. Die Preise sind oft angenehmer, und es sind deutlich weniger Menschen unterwegs.
Wenn ihr also nicht nur am Strand liegen wollt, sondern auch ein Stück echtes Italien erleben möchtet, dann lest unbedingt weiter.
Senigallia – zwischen Fluss, Altstadt und Adriastrand
Mein letzter Beitrag endete in Fano. Keine halbe Stunde später erreichen wir Senigallia. Die Stadt liegt dort, wo der Fluss ins Meer mündet, und genau das prägt ihr Bild.

Das erste, was wir sehen sind sind die Arkaden in der Via Potici Ersolani entlang des Flusses Misa. Wir haben auf der anderen Seite des Centro Storico geparkt. Dadurch ist der Blick ein wunderschöner und Brücken gab es ausreichend.


Doch bevor wir den Miso überqueren fällt uns noch die Porta Lambertina alias Porta Fano aus dem 17. Jahrhundert auf. Wunderschön und stimmig im Ortsbild! Man kann sich richtig vorstellen, wie es zu dieser Zeit hier umtriebig zugegangen ist.

Wir gehen durch den Corso II Giunio, der Einkaufsstraße von Senigallia, und sind gleich mitten drin im Centro Storico.

Nach einer kleinen Kaffeepause könnte man von hier aus bequem über die Piazzale della Libertà zur berühmten Rotonda aus den 1930er Jahren gelangen und entlang der Lungomare-Promenade flanieren.
Wir wollten aber im mehr Zeit im Zentrum verbringen, daher gingen wir kreuz und quer ohne Plan durch die alten Gassen.
Wenig später stehen wir vor der Rocca Roveresca, der markanten Festung mitten in der Stadt.






Am kreisrunden Foro Annonario wurde bei meinem Besuch gerade gearbeitet, doch auch so lässt sich ihre Schönheit gut erkennen.

Zwischen Fluss und Meer zeigt sich Senigallia in klaren, kurzen Wegen.



Parken war kein Problem und ich muss sagen, der Strand ist bestimmt im Sommer fein. Wir haben im HR Hotel genächtigt und unser Dinner im Ristorante Da Carlo war ganz wunderbar.
In Senigallia bin ich bestimmt nicht das letzte Mal gewesen, denn ich bin mir sicher, dass es noch viel mehr zu entdecken gibt.
Am nächsten Tag, nach weniger als 30 Minuten Fahrzeit, ist unser nächstes Ziel bereits in Sichtweite. Hätten wir mehr Zeit gehabt, wäre Ancona noch dazwischen gewesen, doch da wir uns auf der Suche nach kleinen Städten waren, fiel Ancona, die Hafenstadt mit Geschichte, raus.
Belvedere Ostrense – der Name ist Programm
Belvedere Ostrense liegt ziemlich genau zwischen Senigallia und unserem nächsten geplanten Ziel. Dadurch ist eine Pause hier ideal als kurzer Zwischenstopp. Der Name passt dabei fast schon ein bisschen zu gut.

„Belvedere“ bedeutet ja sinngemäß schöner Ausblick, und genau das gibt es hier auch, wenn du in einem der oberen Stockwerke wohnen würdest. Der Ort selbst ist ruhig und sehr überschaubar.

Wir merken schnell, wie wenig es manchmal braucht: ein paar Schritte durch den historischen Kern, entlang der alten Gassen, und schon beginnt die Suche nach einem passenden Platz für eine Kaffeepause oder ein schnelles Mittagessen.


In so kleinen Orten findet ihr meist eine Café-Bar am Hauptplatz, unweit der größeren Kirche oder vom Gemeindeamt (Municipio). Dort, wo sich die Einheimischen schnell einen Espresso holen, kaum jemand sich wirklich setzt. Das liebe ich am italienischen Lebensgefühl, denn der Preis von caffè und cornetti macht (im Gegensatz zu Österreich) auch häufigere Pausen möglich.

Kurz gesagt: Belvedere Ostrense ist kein Ort für lange Listen an Sehenswürdigkeiten, sondern ein kleiner Halt mit Aussicht und genau der richtigen Portion Ruhe zwischendurch.

Für diese Pause war es perfekt, doch wir waren auf der Suche nach etwas mehr Stadt-Gefühl. Darum haben wir uns Jesi angesehen. Ihr habt noch nie davon gehört? Wir vorher auch nicht.
Jesi – eine Stadt mit Geschichte
Jesi liegt etwas im Hinterland der Adria, eingebettet in die Hügel der Marken.

Gleich bei unserer Ankunft wurden wir beim Parken positiv überrascht: Zwischen 13:00 und 16:00 mussten wir nichts bezahlen.
Entsprechend waren auch einige Parkplätze frei, denn viele Italiener:innen fahren um diese Zeit nach Hause zum Kochen und Essen.
Das hatte natürlich zwei Seiten: Einerseits war die Parkplatzsuche angenehm unkompliziert, andererseits war auch einiges geschlossen. Trotzdem hat sich unsere Pause hier absolut gelohnt!
Wenn ihr allerdings ein klassisches Parkhaus bevorzugt, so kann ich auch damit dienen: Parcheggio Mercantini, Viale della Vittoria.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, ins Zentrum zu gelangen. Egal ob über eine ansteigende Straße oder über Treppen; wenn es warm ist, kann der Weg durchaus anstrengend werden.


Aber: Es gibt auch mehrere Aufzüge und eine Rolltreppe. Da es aber zum Glück nur ein kurzer Spaziergang bis zum Hauptplatz und den wichtigsten Sehenswürdigkeiten ist, haben wir Jesi zu Fuß erkundet. Die Wege sind überschaubar und man findet sich schnell zurecht.
Ein wenig Geschichte
Kurz vor 1200 wurde hier der spätere Kaiser Friedrich II. geboren, was der Stadt bis heute eine besondere historische Bedeutung verleiht.


Das Zentrum ist von einer gut erhaltenen Stadtmauer umgeben, die schon bei der Ankunft ins Auge fällt und Jesi klar von vielen anderen Orten unterscheidet, nicht zuletzt, weil sie fast nahtlos in die darüber gebauten Häuser übergeht.
Ich schlage euch für einen ersten Spaziergang die Piazza della Repubblica, mit der Chiesa dell’Adorazione (auch bekannt als Chiesa della Morte) und dem Löwenbrunnen als Ausgangspunkt vor.

Von dort geht es weiter zum Arco del Magistrato, einem der vier wichtigsten Stadttore.
Piazza Federico II.
Besonders gefallen hat mir der Palazzo Baldeschi-Balleani, genauer gesagt die 4 Telamone, die den Balkon tragen.

Links davon findet ihr die ehemalige Kirche und das Kloster San Floriano mit interessanten Details am Portal und rechts San Settimio, den Dom der Stadt, der bei mir persönlich nicht ganz den gleichen Eindruck hinterlassen hat wie andere Kirchen vor Ort. Man möge mir meine persönliche Meinung nachsehen, aber ich bevorzuge ältere, klassischere Gotteshäuser.


- Jedes Jahr, am Wochenende nach dem 4. Mai, findet die Nachstellung des Palio di San Floriano im historischen Zentrum statt.
- Von 23.-25. September findet ein Fest zu Ehren des Heiligen Settimo statt.
Beides wäre bestimmt interessant!

Und wer Geschichte ganz genau erleben möchte, geht in das Museo Federico II. Stupor Mundi oder das Museo Diocesano. Der Eingang zum ersten ist gleich hinter der vorher gezeigten Statue; der andere gegenüber.


In den Gassen dieses römisch-mittelalterlichen Kerns lohnt es sich, einfach ohne Plan unterwegs zu sein und mit offenen Augen nach kleinen Details aus der Vergangenheit zu suchen.

Dieser Weg würde nur etwa fünf Minuten dauern, wenn ihr ihn direkt und ohne Fotopausen zurücklegt. Doch es reiht sich ein Palazzo an den nächsten, und man bleibt immer wieder stehen.
Nach dieser ersten Erkundung sind wir selbst hungrig geworden und haben den Rückweg angetreten. Entlang der Hauptstraße, dem Corso Matteotti, haben wir uns auf die Suche nach einem Lokal gemacht.

Nahe der Kirche San Nicolò (mein persönlicher Favorit) sind wir schließlich fündig geworden.

Im Yume, wo wir uns gestärkt haben, haben wir gemerkt, dass sich auch die Gassen wieder füllen. Falls ihr in der Gegend Pause macht, verabsäumt nicht ein Glas Verdicchio zu trinken. Der Weißwein, der hier aus der Gegend stammt.

Die Mittagszeit war vorbei, die Geschäfte öffneten langsam wieder, und die Stadt wurde spürbar lebendiger. Jesi wirkt insgesamt ruhig und gleichzeitig belebt. Es lohnt sich, auch in Seitengassen zu gehen.

Zwischen alten Mauern, kleinen Gassen und offenen Plätzen zeigt sich eine Stadt, die ihre Geschichte nicht versteckt, sondern ganz selbstverständlich Teil ihres Alltags sein lässt.

Tourismus gibt es, aber er bleibt angenehm im Hintergrund und ist nicht so dominant wie in anderen Kleinstädten.

♥
Besonders positiv bleibt uns Annalisa von der örtlichen Touristeninformation in Erinnerung. Ihre Beratung dort war nicht nur hilfreich, sondern auch ausgesprochen freundlich, direkt herzlich, so wie wir es auf dieser Reise sonst nicht erlebt haben.
♥
Der Weg ist das Ziel
Ich hatte einen Reiseplan gemacht, doch den haben wir auf Grund der Wettervorhersage und der unerwartet hohen Anzahl von schönen Dörfern schon nach wenigen Tagen ignoriert.
Hoffentlich kann ich es mir in nicht zu ferner Zukunft einteilen und alle 3 hier genannten Ziele genauer besichtigen.
Schönes kann man (fast) überall entdecken, wenn man mit offenen Augen und interessiertem Geist unterwegs ist.

Tanti Saluti
Elena
Offenlegung:
Diese Reise “an der Wade des Stiefels” entstand gänzlich ohne Auftrag und auf eigene Kosten.
