Die Top 5 Badeorte an der oberen Adria

Wie meine große Liebe begann

Ich gebe es zu – ich war als Kind nie mit meinen Eltern an den Sandstränden der Adria, daher kannte ich diese 5 Badeorte nicht. Auch als Teenager habe ich eher österreichische Seen genossen. Als ich jedoch mit Anfang 20 Grado kennenlernte, fand ich Gefallen an der Gegend. Obwohl dann eine Phase der Fernreisen diese junge Liebe zu ersticken drohte, war es in den frühen 1990-er Jahren Lignano-Sabbiadoro, das endgültig mein Herz für Italien samt Sonne, Sand und Meer erobert hat. Doch nicht nur diese beiden sind einen Urlaub wert!

Es gibt viele Gemeinsamkeiten

Allen Stränden gemeinsam sind der feine Sand und das relativ flache Wasser im Uferbereich, das vor allem bei einem Urlaub mit kleinen Kindern sehr angenehm ist. Die Blaue Flagge, ein geprüftes Zeichen der Sauberkeit, ist ebenfalls seit Jahren für jeden der Strände gültig.

In jedem der 5 Badeorte gibt es belebte Teile, aber auch ruhigere und schmälere Sandstreifen. Diese werden meist „Pineta“ benannt, weil es deutlich mehr Pinien gibt als in den zentralen Teilen der Strände. Ein Vorteil ist die ruhigere Umgebung vor allem abends und nachts; ein Nachteil sind deutlich häufigere Attacken von Gelsen (Steckmücken), in Italien Zanzare genannt. Vor allem bei Einbruch der Dämmerung empfiehlt es sich, einen zuverlässigen Mückenschutz dabei zu haben!

Ebenfalls in relativer Nähe aller genannten Urlaubsorte gibt es Golf-Clubs und verschiedene Marinas, falls man ein Boot sein eigen nennen kann oder sich zumindest tageweise eines ausleihen möchte.

In Friaul-Julisch Venetien durfte ich für euch bereits einige Marinas besuchen:

Dass jede dieser Badeorte über eine Fußgängerzone mit Geschäften und Lokalen für jede Preisklasse verfügt versteht sich von selbst. Nicht zu vergessen: Inzwischen gibt es auch in allen Top 5 Strandbereiche, die für unsere vierbeinigen Freunde erlaubt sind.

Mit oder ohne Strandmaterial

Die meisten Abschnitte sind mit Strandmaterial bestückt, das tage- oder wochenweise zu mieten oder bereits direkt im Preis des Hotelzimmers bzw. Apartments für die Dauer des Aufenthaltes enthalten ist. Sollte das nicht der Fall sein, so ist dringend angeraten, bereits VOR Urlaubsantritt online im passenden Strandabschnitt einen Schirm mit 2 Liegen zu reservieren. Denn manchmal ist die Nachfrage höher als das Angebot! Wer häufig in den gleichen Badeort fährt, sollte durchaus auch Preise vergleichen und sich die Kosten für die ganze Saison durchrechnen.

Immer wieder werden diese einheitlichen, aber farblich unterschiedlichen Strandabschnitte von sogenannten „Freien Stränden“ unterbrochen. Hier darf man eigene Schirme und Sonnenliegen aufstellen ohne dafür zu bezahlen. Beim Aufbau ist vor allem in der Ferienzeit und an Sonntagen sinnvoll, bereits SEHR früh am Morgen zum Strand zu gehen. Die Plätze sind begrenzt und niemand ist erfreut, wenn der Abstand zu gering ist.

Ganz ohne Schirm und Liegestuhl – also mit einem Liege- bzw. Handtuch – darf man sich nur an einigen ausgewiesenen Stellen in die Sonne legen. Diese Regeln sollte man respektieren! Niemand möchte mit einem Bagnino (Bademeister, der über die korrekte Bezahlung und Zuteilung der Liegestühle wacht) und Salvataggio (Rettungsschwimmer, der auf das Meer samt Uferbereich achtet) diskutieren.

Nach all diesen Gemeinsamkeiten kommen wir nun zu den Unterschieden, damit in den wertvollsten Wochen des Jahres auch wirklich niemand enttäuscht wird.

Grado – die Sonneninsel mit dem historischen Stadtkern

Wie bereits eingangs erwähnt, habe ich zu Grado eine besondere Beziehung. Der Weg nach Grado führt durch die kleine Stadt Aquileia, in der mein Patenkind wohnt und daher bin ich entsprechend oft hier zu Besuch und auch am Strand.

Unzählige Male bin ich die lange Straße am Damm, die seit Jahrzehnten die Zufahrt erleichtert, gefahren. Zumindest die meisten Urlauber werden auch diese Route von Norden kommend wählen. Wenngleich man auch über Monfalcone (bereits nahe der slowenischen Grenze) diesen Badeort erreichen kann, falls man über die malerische Hügellandschaft des Weingebiet Collio anreist.

Unübersehbar haben die Römer in Grado Spuren hinterlassen! Aber es ist nicht zuletzt dem wohlhabenden Adel und Bürgertum der ausgehenden Habsburger Zeit zu verdanken, dass diese kleine Stadt der westlichste Teil der Österreichischen Riviera war.

Der historische Ortskern ist zwar übersichtlich, doch wer sehr alte Häuser aus Stein liebt, wird hier richtig sein. Ebenfalls besonders reizvoll sind die Angebote

  • von unterschiedlichsten Bootstouren zu den ruhigen Sandbänken,
  • der Insel Barbana mit der Wallfahrtskirche Beata Vergine Maria oder
  • einfach zum Essen nach Porto Buso mitten in die Lagune von Grado.

An sonnigen Wochenenden tummeln sich in Grado ganzjährig Besucher an der Promenade im Zentrum und so kann die östlichste unserer Top 5 auch perfekt für eine kleine Auszeit außerhalb der Badesaison genutzt werden.

Lignano Sabbiadoro – das Florida Italiens

Deutlich größer als mein 1. Vorschlag ist Nummer 2! Aufmerksame LeserInnen wissen bestimmt schon, dass meine Familie hier seit Jahrzehnten ein Apartment besitzt und ich daher in jeder freien Minute meine Zeit auf MEINEM Strand verbringe. Ja, ich gebe es zu: Ich habe sogar bevorzugte Quadratmeter, wenn ich es mir aussuchen kann. Was im Sommer natürlich nur der Fall ist, wenn ich seeeehr früh aus den Federn hüpfe, um meinen Schirm aufzustellen 🙂

Die Halbinsel Lignano Sabbiadoro ist dreigeteilt, wobei der östlichste und zugleich belebteste Teil Sabbiadoro ist. Ganz im Westen, direkt an der Mündung des Tagliamento in die Adria, befindet sich der Ortsteil Riviera, der gleichzeitig Friaul-Julisch Venetien begrenzt. Das Highlight hier ist für viele bestimmt der Parco Zoo Punta Verde, der von Anfang April bis Ende Oktober geöffnet ist. Für einen Besuch sollte man unbedingt mindesten 2,5-3 Stunden einplanen.

Wie Lignano zu seinem Beinamen kam

Zwischen diesen beiden Ortsteilen erstreckt sich Lignano Pineta, das in den 1950er Jahren durch die spiralförmige Straßenführung und einiger interessanter Villen internationale Aufmerksamkeit erregte. Der visionäre Architekt Marcello d‘ Olivo war für das Stadtbild verantwortlich.

Noch heute ist der Bereich um den „Treno“, dem Zug, wie diese Geschäftszeile im Zentrum der Spirale genannt wird, die beliebteste Flaniermeile und Partyzone dieses Stadtteils. Der Ausspruch „Florida Italiens“, stammt übrigens von Ernest Hemingway, der nicht nur ein Freund dieses Architekten war, sondern häufig die Familie Kechler in deren Villa in Fraforeano besucht hat.

Die Trennung zwischen Riviera und Pineta bildet die Terme Di Lignano und gleich daneben der „Kursaal“. Dieser Club bietet seit Jahrzehnten jungen und jung-gebliebenen Gästen tolle Partynächte. Auch ich habe hier ganze Nächte verbracht, die ich nicht missen möchte.

Für die noch jüngeren Gäste sorgen mehrere Freizeitparks (jeweils unterschiedliche Altersstufen) für Abwechslung vom Strandalltag.

In den letzten Jahren hat sich das Angebot von Bootsausflügen deutlich erweitert, wobei die Ausflüge mit dem singenden Kapitän Adriano Zentilin auf der „Nuova Saturno“ legendär sind.

Während Pineta und vor allem Riviera außerhalb der warmen Jahreszeit sehr ruhig bis fast geisterhaft sind, entwickelt sich Sabbiadoro in den letzten Jahren mehr und mehr zu einem Ausflugsziel auch außerhalb der Badesaison.

Special Tipp: Seit einigen Jahren gibt es ein Fährboot über den Tagliamento – speziell (aber nicht nur) für Radfahrer – das Lignano Riviera mit Bibione verbindet.

Bibione – der erste rauchfreie Strand in Italien

Mit meinem 3. Vorschlag befinden wir uns bereits in der Region Venetien. Bibione ist deutlich jünger als alle anderen Badeorte, daher gibt es außer den Fischerhütten und dem Leuchtturm keine älteren Gebäude.

Der Strand ist ähnlich lang wie beim unmittelbaren Nachbarn Lignano, jedoch haben die Stadtväter geschafft, was niemand für möglich gehalten hätte: Der erste Strand in Italien OHNE Zigarettenstummel im Sand. Am gesamten Strand bis hin zum Leuchtturm herrscht seit Sommer 2019 absolutes Rauchverbot. Die Ausnahmen davon bilden die Gastronomie im Freien sowie gekennzeichnete Bereiche hinter den Sonnenschirmen.

Der Strand ist in 4 große Abschnitte geteilt, wobei Bibione Spiaggia, direkt auf gleicher Höhe mit dem belebtesten Teil des Badeortes, der Breiteste ist. Die beiden äußeren Teile sind entsprechend ruhiger und Lido del Sole ist dem Ferienresort „Villaggio Turistico Internazionale“ vorgelagert. Generell gibt es in Bibione besonders viele Campingplätze, Mobilheime und Apartments.

Wer gern am Wasser unterwegs ist für den empfehle ich, ganz ans westliche Ende von Bibione zu fahren (Viale Laguna 12) und vom Hafen Porto Baseleghe aus mit einem Boot einen Ausflug ins Valle Vecchio zu machen. Alternativ konnen Naturliebhaber einen der Spazier- und Radwege (auch entlang des Nationalparks Val Grande) nutzen.

Während ganz Bibione im Winter fast zur Geisterstadt wird, gibt es doch einen einizgen Ort, der Besucher auch aus der Umgebung hierher lockt: Der dreigeteilte Gebäudekomplex der Bibione Thermae bietet nicht nur Entspannung in schönen Pools mit Thermalwasser (drinnen und draußen), sondern auch unterschiedlichste Therapie-Möglichkeiten sowie Wellness & SPA Angebote.

Aus dieser Mischung ergibt sich auch der Beiname – 5 Aquae (Gewässer), was den Fluss Tagliamento, das adriatische Meer, das Thermalwasser, die Brackwasser-Lagune und die unzähligen Wasserwege in sich vereint.

Caorle – ein buntes Fischerdorf mit Charme

Obwohl die beiden Hauptstrände von Caorle im Vergleich zu den vorgenannten „nur“ ca. 3 Kilometer lang sind, lohnt es sich absolut, das malerische Fischerdorf zu besuchen. Der östliche Spiaggia Levante wird vom westlichen Spiaggia di Ponente durch die Altstadt und den Lungomare Petronia getrennt.

Besonders auffällig sind die bunten Häuser, die an Burano, einer viel besuchten Insel bei Venedig, erinnern. Viele der Gassen dieses Badeorts waren früher Kanäle und verbinden heute die unzähligen kleinen Plätze.

Direkt am Meer und ein beliebtes Foto-Objekt ist die Kirche Madonna dell’ Angelo, von der aus alle 5 Jahre eine Prozession am Meer stattfindet. Ich war leider noch nie dabei, doch irgendwann wird das klappen. Freunde haben mir jedenfalls berichtet, dass es ein Erlebnis ist!

Fast am Meer befindet sich die Kathedrale von Santo Stefano mit dem freistehenden Glockenturm auf dem Campo del Duomo / Piazza Vescovada, in unmittelbarer Nähe der Promenade mit den „Lebenden Klippen“ (ScoglieraViva). Dank dieser Open-Air-Kunstgalerie gehört sie zu den schönsten Promenaden der oberen Adria.

Nur wenige Schritte davon entfernt (Piazza San Pio X 4) gibt es die wahrscheinlich beste Gelateria weit und breit: A Botega Del Geato. Hier wird seit Generationen Eis selbst gemacht und allein deswegen würde sich ein Besuch in Caorle lohnen.

Dieses ehemalige Fischerdorf ist nicht ohne Grund ein Teil der Vereinigung historischer Küstenstädte (Borghi Storici Marinari). Wer mehr über die Geschichte erfahren will kann dies im Meeresmuseum (Museo Nazionale di Archeologia del Mare) in der Via Strada Nuova 80 tun.

Lido di Jesolo – mit der längsten Fußgängerzone Europas

Als letzten Badeort an der oberen Adria stelle ich euch nun Jesolo vor, der zugleich der Größte ist. Mit über 25.000 Einwohnern, verteilt auf alle zum Gemeindegebiet gehörenden Teile, darf man hier ganzjährig reges Leben erwarten. Auf ca. 14 km Strand reihen sich Schirm an Schirm, wobei es natürlich auch hier belebte und in den Randzonen ruhigere Abschnitte gibt.

Mit der längsten Fußgängerzone Europas bleibt auch an Regentagen oder nach einem Strandtag kein Wunsch offen. Egal für welches Portemonnaie – Einkaufen und Ausgehen gibt es hier in jeder Preisklasse. Immer mehr bestimmen sehr moderne Hochhäuser und Wohnblöcke das Stadtbild.

Viele Gäste lieben es, in italienischen Städten und Dörfern direkt am Bauernmarkt Obst, Gemüse, Käse und mehr zu kaufen. Durch die Größe der Stadt gibt es dieses Angebot vom 1. Juni bis 30. September nicht nur an einem Vormittag, sondern auf der Piazzetta Casa Bianca auch Mittwochabends von 18:00 bis 23:00 Uhr. Dadurch kann man den Strandtag bis zur letzten Minute genießen und muss nicht auf dieses Erlebnis verzichten.

Doch abseits des Strandes wird ebenfalls einiges geboten, damit auf keinen Fall Langeweile aufkommt. Zu nennen ist hier das Riesenrad ist im Bereich der Piazza Brescia, um sich einen Blick von oben auf die Stadt zu gönnen oder gleich in der Nähe den Tropicarium Park und das SEA LIFE Aquarium für große und kleine Tierliebhaber. Wenn man sich schon beim Info-Büro auf dem vorhin erwähnten Platz befindet, sollte man die Chance nutzen und sich auch den Tiepolo-Raum des Fremdenverkehrsamtes ansehen, sofern man an Ausgrabungen interessiert ist.

Trotz allem gibt es auch in Jesolo eine Hauptsaison, doch auch in kälteren Jahreshälfte bleiben genügend Geschäfte und Lokale geöffnet, um einen schönen Tag zu verbringen. Besonders hier kann es sich lohnen, auch schon die Vorsaison zu nutzen und so dem Sommer einen Schritt voraus zu sein.

Wie findet man den für sich perfekten Urlaubsort?

Nach dieser kurzen Zusammenfassung der Gemeinsamkeiten und vor allem der wesentlichen Unterschiede habt ihr vielleicht schon eine Präferenz?! Ich freue mich, wenn ihr mir eure Gründe hier in den Kommentaren oder auf einem meiner Social Media Kanälen verratet. Ich habe meinen bereits gefunden ♥

Sollte keiner der genannten 5 Badeorte für euch in Frage kommen, weil zu viele Ablenkungen die Entspannung nicht stören sollen, so lest meine Geheimtipps

Tanti Saluti – Elena


Offenlegung:

Alle 5 Badeorte habe ich mehrfach in den letzten Jahrzehnten auf eigene Kosten besucht.


 

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2 Comments

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  1. says: Sabiene

    Das ist ja schon sehr interessant! Ortsnamen wie Grado, Bibione und Jesolo kenne ich noch aus den 60ern bis 80ern, in denen ganze Unmengen an Deutschen Touris dahin gepilgert sind, um dort mit anderen Deutschen Touris ihren Urlaub zu begehen. Kinofilme, wie „Man spricht Deutsch“ sind vor dieser (auch spirituellen) Kulisse entstanden. Ich kenne Hausfrauen, die wochenlang Rouladen und Braten gekocht und eingeweckt haben, damit sie dann dort vor Ort und vor dem Wohnwagen gute Hausmannskost zu essen haben.
    Das war dann der Grund, warum ich dort niemals hinfahren wollte.
    Und jetzte interessiert es mich und du bist Schuld!
    LG
    Sabiene

    1. says: Elena

      Liebe Sabiene,
      Diese Schuld nehme ich gerne auf mich und ich muss dir recht geben: Auch ich hatte in meinen jungen Jahren wenig positive Gedanken, wenn ich an die Adria Strände dachte. Doch das hat sich wirklich ganz erheblich geändert! Wobei ich gerne 2 Generationen früher hier gewesen wäre, denn wenn ich die alten Fotos aus den späten 1950ern/frühen 60ern sehe. Dann weiß ich, dass es mir noch viel besser gefallen hätte. Aber das Leben ist kein Wunschkonzert!
      Ich liebe die Gegend 365 Tage im Jahr, wenngleich ich im Hochsommer die Einkaufsstraßen meiden. Da sind mir dann auch ohne Pandemie schon zu viele Menschen. Für mich geht es in wenigen Tagen wieder los und ich freue mich wie ein Kind auf Weihnachten. Jedes Mal wieder 🙂
      Herzliche Grüße
      Elena