Moderne Kunst in Venedig-Cannaregio 2022

Ich konnte es nicht lassen und bin schon wieder in Venedig gewesen – diesmal, um moderne Kunst zu sehen. Es ist tatsächlich für mich schwer, die Sommermonate in der Serenissima auszulassen. Aber wie ihr wisst, bevorzuge ich nicht nur die ruhigeren Ecken, sondern auch die kälteren Monate, um durch Bella Venezia zu spazieren. Wenn ich mal nicht so viel Zeit habe, dann genügt mir auch ein schneller Besuch, denn besser kurz als gar nicht!

Der Oktober ist dabei einer meiner bevorzugten Reisemonate, obwohl diesmal der Zwiebel-Look wirklich hilfreich war. Am Morgen war es schon sehr kühl, während es kurz nach Mittag richtig heiß wurde und am Weg zum Bahnhof war ich dann wieder froh, Schal und Jacke dabei gehabt zu haben.

Ich habe euch bereits bei meinem Spaziergang durch das Ghetto mitgenommen. Doch an diesem Tag war das bei Weitem noch nicht alles, was ich gesehen habe.

L’Atelier Nicolao

Gar nicht weit von meiner Vormittagsroute, direkt an der Fondamenta de la Misericordia, habe ich das Atelier von STEFANO NICOLAO entdeckt. Leider bin ich genau zur falschen Zeit dort vorbeigekommen – Mittags!

Aber für alle, die auch ein wenig historisches Venedig-Gefühl haben wollen: Man kann Besuche und einiges mehr buchen. Wieder ein Punkt mehr auf meiner Liste 🙂

Doch das war nur ein Zufallsfund – ein erfreulicher – zugegeben – aber eigentlich war der Grund meines Besuches ein anderer. Ich wollte wie schon 2019 moderne Kunst im ganzen Stadtgebiet suchen.

Ausstellungen während der Biennale

Seit ich entdeckt habe, dass man viele Ausstellungen zur Zeit der Biennale auch kostenlos und im ganzen Stadtgebiet besichtigen kann, zieht es mich natürlich auch (aber nicht nur) deswegen nach Venedig.

Ich liebe einfach die Spaziergänge entlang der Kanäle und wenn zufällig gefundene Kunstobjekte den Tag bereichern, umso besser!

Scuola Grande Della Misericordia

Zugegeben, ich absolut keine Expertin in moderner Kunst und ich verstehe die meisten Ansätze nicht. Vieles gefällt mir auch nicht, aber dennoch will ich offen bleiben und starte immer neue Versuche, meinen Horizont zu erweitern!

Oscar Murillo

mit seinem Gemeinschaftsprojekt mit Schülern „A storm is blowing from paradise“ wird in diesem Gebäude ausgestellt. Über 400 Schulen weltweit mit Schülern im Alter von 10 bis 16 Jahren waren daran beteiligt.

Ob es gefällt oder nicht muss jede:r für sich entscheiden, aber ich finde es schön, wenn alte Gebäude mit modernen Werken wiederbelebt werden.

Ponte de Chiodo

Die Ponte de Chiodo befindet sich im Viertel Cannaregio. Von der vorhin genannten Scuola Grande Della Misericordia gehen wir direkt über die Ponte della Misericordia weiter Richtung Rio San Felice. Genau in einer Linie stehen wir schon davor.

Die kleine Brücke ohne Geländer! Es ist in Venedig die einzig verbliebene ihrer Art. Nur auf Torcello gibt es noch eine, aber diese, genannt Teufelsbrücke, habe ich euch bereits vorgestellt. In unserem Fall führt die Ponte de Chiodo nicht in eine Gasse, sondern direkt zu einer Häuserzeile, wobei ein Eingang zum B&B 3749 Ponte Chiodo gehört.

Die Namen der Brücken leiten sich meist von den Familien der angrenzenden Häuser oder vom darunterliegenden Kanal ab. Im Laufe der Zeit bekamen alle Brücken Geländer aus Ziegeln, Schmiedeeisen oder Holz, damit niemand des Nachts ins Wasser stürzt. Oder bei einem Zweikampf, wobei der Sinn darin zu liegen schien, den anderen ins Wasser zu werfen. Na ja, wer’s mag …

Entlang Fondamenta S. Felice kommen wir nun zu unserem nächsten Palazzo mit unzähligen Kunstwerken auf 5 Etagen.

Palazzo Mora am Campo San Felice

Ich kann euch nur eine wirklich kleine Auswahl zeigen, aber schon vor 3 Jahren war ich von dieser Vielfalt besonders begeistert!

Sowohl die Werke als auch deren Präsentation waren ausgesprochen unterschiedlich.

Wunderschön fand ich diese Trilogie mit den sehr unterschiedlichen Frauen.

Etwas eigenartig fand ich jedoch die nachfolgenden Kunstwerke …

Auch die Bilder in naiver Malerei fand ich schön.

Wie ihr euch denken könnt, habe ich bei über 100 Künstlern aus der ganzen Welt auch nach Teilnehmer:innen aus Österreich gesucht – und ich wurde fündig: Von der Universität für angewandte Kunst stammt die nachfolgende düstere Installation.

Es scheint, als ob der morbide Charme, der Wien und seiner Bevölkerung von je her nachgesagt wird, auch hier um sich greift.

Dass in Venedig Kunst aus Glas nicht fehlen darf, versteht sich von selbst. Für mich war dieses Zimmer mit den bunten Objekten an den Wänden und am Tisch eines der Schönsten!

Nicht nur der Kunst wegen gehe ich immer wieder in den Palazzo Mora.

Die Aussicht ist einfach grandios und wenn man so wie ich nur selten in Venedig nächtigt, MUSS man Chancen wie diese einfach nutzen. Ich bin immer wieder ganz verzückt ♥

Cicchetti e ombra

Doch mein Weg ist noch lang nicht zu Ende!

Über die Strada Nova bin ich weiter zum Campo S.S. Apostoli – genau genommen zur Bar Ai Santi – gegangen. Ein Gläschen und ein Häppchen, das habe ich mir gegönnt!

Chiesa S.S. Apostoli

Natürlich habe ich nicht nur eine meine Beine kurz entlastet, sondern auch einen Blick in die namensgebende Kirche gemacht. Ihr könnt hier das letzte Abendmahl (Ultima Cena) von Cesare Conegliano im Altarraum der Kirche besichtigen.

Zu sehen sind auch Grabdenkmäler von Marco und Giorgio Corner, Vater und Bruder von Caterina Corner, Königin von Zypern. Sie selbst wurde ursprünglich auch hier bestattet, hat aber nach wenigen Jahren in der Chiesa di San Salvador (nur 150 m von der Rialto Brücke entfernt) ihre letzte Ruhe gefunden.

Caterina bekam übrigens für die Abdankung unter anderem die Burg von Asolo, die ich immer wieder gerne besuche. Stellt euch vor: Im Gebiet von Asolo hatte Caterina (fast) die gleichen Befugnisse wie ein Doge – und das als Frau vor über 500 Jahren!

Wir befinden uns immer noch in Cannaregio und ich mache an einem weiteren meiner Fixpunkte Kaffee-Pause.

Chiesa Santa Maria Assunta

Gleich neben der Jesuitenkirche befindet sich der Eingang zu einem ehemalige Kloster, das jetzt als Hotel genutzt wird. Hier im Combo trinke ich im Innenhof beim Kreuzgang oft Kaffee und nutze bei dieser Gelegenheit ein wirklich gutes WLAN.

Falls ihr schon müde seid oder an einer anderen Ecke von Venedig weiter spazieren wollt, so seid ihr in unmittelbarer Nähe der Vaporetto-Haltestelle Fondamenta Nuove, von der aus man den perfekten Blick zur Friedhofsinsel hat.

Ich spaziere jedoch noch weiter über die Ponte Donà Richtung Krankenhaus – einer Brücke, die einen für Venedig typischen Ausblick bietet.

Palazzo Donà dalle Rose

Direkt an der Fondamenta Nove (Cannaregio 5038) findet ihr den Palazzo Donà dalle Rose mit dem kleinen Garten an der linken Seite.

Auch hier durfte ich gratis durch Palazzo und Garten spazieren und das, obwohl es sich um den Pavillon der Republik San Marino handelte.

Es ist ein GESAMTKUNSTPROJEKT, bei dem 8 Künstler eingeladen wurden.

Doch beginnen wir nun, mit der Auswahl der Kunstwerke – ohne Reihung nach Wert und Gefallen.

Hinter diesem Kunstwerk steht die Firma Ciak Roncato, ein Unternehmen für Koffer und Taschen, geführt von den 3 Frauen (Federica, Francesca, Fabiana) der dritten Generation. Vor über 60 Jahren in der Nähe von Padua gegründet und inzwischen nicht nur in Italien bekannt.

Nicoletta Ceccoli verführt mit ihrem Bild  „Übergangsritus“ ein wenig in die Welt der Märchen.

„The Endless Transfiguration“ – eine Collage zwischen Mensch und Natur
Der Künstler Michelangelo Galliani zeigt uns seine „Imperfect Garden Skulptur“

Elisa Cantarelli zeigt im Garten eine Installation, die Nachhaltigkeit zum Thema hat. Ich selbst kann das Wort schon nicht mehr hören, denn gefühlt alle reden davon, aber nur ein Bruchteil tut etwas.

Doch auch wenn es NICHT die Zeit der Biennale ist, lohnt sich ein Besuch im Palazzo Donà dalle Rose.

Es ist an dieser Adresse auch der Sitz der Stiftung Donà dalle Rose, die sich nicht nur für Kunst und Kultur, sondern auch für die Achtung der Menschenwürde und der korrekten Anwendung der Menschenrechtskonvention engagiert.

Dass es für 2022 zu spät ist, ist klar, aber ich hoffe, ich konnte euch Lust auf die nächste Ausgabe der Biennale machen und vielleicht merkt ihr euch den Termin gleich im Kalender vor.

  • In den geraden Jahren könnt ihr zeitgenössischen Kunst bewundern;
  • in den ungeraden geht es um Architektur.

Wie ihr unschwer erkennen werdet, ist dieser Spaziergang auch OHNE die Ausstellungen sehr reizvoll. Dadurch bliebe mehr Zeit, um weitere Lokale auszuprobieren oder einfach mal links oder rechts abzubiegen und kleine Gässchen zu erkunden.

Die reine Gehzeit bei diesem Spaziergang liegt bei unter 1/2 Stunde und es sind keine 2 km! Cannaregio verlasse ich in Kürze, aber mein Rundgang ist noch nicht beendet …

Tanti Saluti

Elena


Offenlegung:

Bei diesem Beitrag handelt es sich um eine Sammlung subjektiver Empfehlungen, die bei einem privaten Spaziergang entstanden sind und nicht bezahlt bzw. schon gar nicht beauftragt wurden.


 

 

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2 Comments

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  1. says: Antonia

    Liebe Elena,
    danke für den tollen Beitrag, ich war diesen Herbst gleich zwei Mal in Venedig und habe ebenfalls ganz viel Kunst entdeckt! Danke für deine wertvollen Tipps!

    1. says: Elena

      Liebe Antonia,
      danke für deine netten Worte. Ich freue mich heute schon auf Januar, wenn ich wieder durch die engen Gassen und entlang der Kanäle spazieren werde.
      LG
      Elena