Tettuccio Terme – ein Juwel in Montecatini

Sorgente naturale di benessere – eine natürliche Quelle des Wohlbefindens

Bei Thermen stellen sich die meisten ÖsterreicherInnen ein Hotel der oberen Klasse mit einem großen Relax-Bereich und allen möglichen Annehmlichkeiten vor. In Montecatini Terme habe ich eine historische Anlage vorgefunden, die mir im wahrsten Sinne die Sprache verschlagen hat 🙂 und das kommt selten vor (Werbung | Pressereise).

Wir befinden uns übrigens in der Provinz Pistoia zwischen Lucca und Prato, keine Stunde von Florenz entfernt. Wenn ihr euch die Karte anseht, so ist das ein idealer Ausgangspunkt, wenn man mehrere Städte und Dörfer in dieser Gegend besichtigen möchte.

Es leben hier ca. 20.000 Menschen und bei unzähligen Hotels und Pensionen wird auch bestimmt für jeden die passende Unterkunft dabei sein. Damit ist die Stadt groß genug, um sich nicht zu langweilen und klein genug, um die Übersicht zu behalten.

3 Habsburger haben zum Erfolg beigetragen

Nach den Römern entdecke man nach längerer Pause im Mittelalter wieder die Heilkraft des salzigen Wasser. Im Jahr 1370 belegen Aufzeichnungen des Arztes Ugolino Simoni Caccini – Vater des Wassers genannt – etwas, das mit heutigem Kurbetrieb vergleichbar wäre. Doch die eigentliche Blütezeit des Kurortes war nicht zu Zeiten der Medici, sondern deutlich später.

  • Franz Stephan von Lothringen, der Gatte unserer Kaiserin Maria Theresia, wurde Gründer der Kurstadt.
  • Die Geschichte der Bäder begann erst dank des Großherzogs Pietro Leopoldo, vielen besser bekannt als Leopold II., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, 1780 so richtig in Fahrt zu kommen. Er war ein typischer Regent der Aufklärung und unter seiner Herrschaft gab es seit 1787 (als erstes Land der Welt) keine Todesstrafe mehr.
  • Ferdinand III. war gleich 2x Großherzog der Toskana. Zwischendurch war er unter anderem Kurfürst in Salzburg, doch beim Wiener Kongress wurde seine Rückkehr nach Italien beschlossen.

Gleich 2 berühmte Komponisten liebten diese Stadt

Noch bevor Montecatini Terme zum Zentrum der Art-Nouveau-Architektur (Jugendstil) wurde, erfreute ich der Komponist Giuseppe Verdi an den Thermalquellen. Nabucco, Rigoletto und La Traviata kennen sicher viele Liebhaber der klassischen Musik. An ihn erinnert heute noch die Viale Verdi, der zentrale Boulevard des Kurortes.

In der Belle Époche kam es zum Höhepunkt! Die pompöse Stile-liberty-Bäderarchitektur hat auch Giacomo Puccini des Öfteren hier her geführt. La Bohème, Tosca und Madama Butterfly sind nur 3 seiner Werke, die sicher einige von euch schon genossen haben.

Eine der 11 bedeutenden Kurstädte Europas

Montecatini Terme hat es 2021 als einzige Kurstadt Italiens in die UNESCO Liste der bedeutenden Kurstädte Europas (Great Spas of Europe) geschafft. Nicht ganz unbeteiligt dürfte das Glanzstück sein, das mich sprachlos gemacht hat.

Terme Tettuccio

Die Anfänge dieses Heilbades geht bis ins 14. Jahrhundert zurück. Damals wurde es aber noch Bagno Nuovo (neues Bad) genannt.

Diese jetzige Anlage, erbaut um 1780, ist eine der berühmtesten Thermalbäder von Montecatini Terme, wenn nicht DAS berühmteste! Es gehört nicht viel Fantasie dazu, sich die feinen Damen und Herren der damaligen Zeit mit Sonnenschirm und Perücken beim Lustwandeln vorzustellen.

In den 1920er Jahren erhielt dieses Gesamtkunstwerk sein jetziges Aussehen. Ich fand es hier schlichtweg atemberaubend!

Zu bestaunen gibt es Säulengänge, Exedren (nischenartige Räume, die sich auf einen Hof hin öffnen), einen Springbrunnen und vieles mehr, wie ihr an den nachfolgenden Bildern erkennen könnt.

Das Hauptportal

Allein schon beim spektakulär schönen Eingang erkennt man am Tor einen großen schmiedeeisernen Baldachin und polychrome Glasfenster.

Kunstwerke am Dach & beim Entrée

Bei den Statuen aus Carrara-Marmor an der Hauptfassade wurde ebenfalls das Thermen-Thema aufgegriffen. Sie zeigen Quelle, Medizin, Hygiene und natürlich die Gesundheit.

Leider mussten wir so schnell hineingehen, dass ich kein gutes Bild machen konnte.

Das Deckengemälde jedoch konnte ich genauer ansehen, während wir die ersten Erklärungen erhielten.

Bronzegruppe von Meeresfiguren

Die Muschelquelle aus Granit wird von Bronzefiguren (ein großer Krake, einer große Krabbe, zwei Fische, zwei Krokodile, einige Frösche) getragen. Mir haben aber die Seepferdchen besonders gefallen 🙂

Ein besonderes Highlight bei dieser Besichtigung

Es fließt Wasser aus 4 unterschiedlichen Quellen, die tatsächlich verschiedene mineralische und heilende Eigenschaften haben.  Die Quellen wurden sogar benannt, und zwar heißen sie Leopoldina (stark), Regina (mittel), Rinfresco und Tettuccio (beide schwach). Die Namen sind auch gut zu lesen, wenn man sich Wasser nimmt.

Sie speisen nicht nur die Tettuccio Terme, sondern auch noch Excelsion und Redi.

Bilder hinter den Quellen

Mitte der 1920er Jahre wurden die sieben großen und sehr farbenfrohen Allegorien aus Keramikfliesen entworfen. Jede Tafel ist von Marmor umrandet, in dem der Titel der verschiedenen Darstellungen gelesen werden kann. Die Bilder stellen den Lauf des Lebens dar: Kindheit; Adoleszenz (Endphase des Jugendalters); Schönheit; Quelle; Kraft; Reife; Alter. Ich befinde mich dann wohl schon zwischen Kraft und Reife, na ja…

Tribüne für Konzerte

Auf der rechten Seite des inneren Platzes befindet sich eine erhöhte kreisförmige Tribüne. Man stelle sich hier ein Orchester vor, dass die Gäste bei Kaffee oder Nachmittagstee unterhält. Auch wenn die Bilder schon verblassen und teilweise kahle Stellen sichtbar sind – ein Blick in die freskengeschmückte Kuppel lohnt sich. Es sind verschiedenste Instrumentalisten und jede Menge mehr dargestellt. Wenn man genau schaut, findet man an verschiedenen Stellen auch Inschriften.

Kongresshalle aus den 1990ern

Relativ neu ist eine Halle für Kongresse und Veranstaltungen. Der Stil ist sehr speziell, aber wer weiß, ob nicht in 100 Jahren Besucher auch hier staunend davor stehen werden?

Wir gehen wieder zurück Richtung großer Platz, ohne dabei jedoch zu vergessen, auf die Details zu achten!

Ein Lokal darf auch nicht fehlen!

Last but not least ist natürlich auch für das leibliche Wohl gesorgt und dieses Raum ist nicht minder schön gestaltet. Nehmt euch bei einem Besuch Zeit für einen ausgiebigen Blick nach oben. Wir hatten Glück mit dem Wetter und konnten noch die Tische auf der Terrasse nutzen.

Die Anlage befindet sich in einem Park mit Palmen, Zedern, Mammutbäumen, aber auch blühenden Schönheiten wie Akazien und Glyzinien und bevor ihr wieder hinausgeht, solltet ihr definitiv noch einen Blick mit etwas Abstand riskieren!

Doch auch andere Thermen sind einen Besuch wert!

Weitere historische Thermen sind die Excelsior, La Fortuna, Regina, Tamerici, Torretta, Leopoldine (geht nachweislich auf die Römer zurück), aber auch die nicht ganz so exklusiven La Salute und die Redi-Thermen (seit 1964 neu), deren Bilder hier den Abschluss bilden. Dass es bei so vielen Thermen-Anlagen auch mehrere Kurparks gibt, ist selbstredend.

Bis zu den 1970er Jahren waren die Bäder sehr beliebt, doch nach einer Zeit des Rücklaufes wird nun wieder intensiv an Modernisierungen gearbeitet. Das schwefel- und sodahaltige Wasser soll vor allem bei Stoffwechselstörungen sowie Leber, Magen und Darm Leiden helfen.

Gerne wäre ich mit der historischen Standseilbahn nach Montecatini Alto mit dem gleichnamigen Castello gefahren, doch wie so oft, war die Zeit zu knapp. In Salzburg haben wir zwar auch eine Bahn dieser Art (die zur Festung hinauffährt), aber diese ist die älteste in ganz Italien!

Was gibt es außer Thermen?

Bereits erwähnt habe ich das Castello am Berg, wobei es in Montecatini Alto (Val di Nievole) auch noch einen Uhrturm (Torre dell’Orologio), das Kloster samt Kirche Santa Maria a Ripa und natürlich die Piazza Giusti zu sehen gibt.

Mehere Kirchen verstehen sich von selbst, aber noch zu erwähnen sind die Villa Forini Lippi, der Palazzo Comunale (Municipio = Rathaus)und der Padiglioncino Tamerici.

Das Rathaus ist auch innen sehenswert.

Wer an Kunstwerken aus der Natur Interesse hat, findest gleich außerhalb der Stadt die Tropfsteinhöhle Grotta Maona, die man aber nur in der warmen Jahreshälfte besichtigen kann.

Ihr seht also: EINE Stunde nach Florenz und ebenfalls nur EINE Stunde ans Meer mit jeder Menge Geschichte und landschaftlicher Schönheit dazwischen, da lässt sich ein toller Urlaub draus machen. Inklusive Wellness sowohl zur Heilung, als auch zur Vorsorge versteht sich! Und wer noch ein Geschenk für daheim braucht oder sich selber das Urlaubsgefühl verlängern möchte: Eine Haut-Pflegeserie gibt es in Montecatini Terme ebenfalls!

Wenn ich wieder in der Gegend bin, werde ich mir sicher die Zeit nehmen und all das ansehen, was bei diesem, meinen 1. Besuch zu kurz gekommen ist.

Habt ihr übrigens schon meine anderen Beiträge von dieser Reise gelesen? Falls nicht, dann holt das doch gleich nach, denn auch Chianciano Terme und Bagni di Pisa in San Giuliano Terme sind einen Besuch wert!

Tanti Saluti
Elena


Offenlegung:

Dieses Erlebnis durfte ich auf einer Rundreise machen, auf die ich eingeladen wurde. Danke für die informativen Unterlagen und die Erklärungen während des Rundganges. Mein Beitrag ist wie immer trotzdem ehrlich.


 

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