Passend zur heutigen Nacht von Allerheiligen auf Allerseelen möchte ich euch einmal etwas ganz anderes vorstellen: die Brion-Grabstätte. Wobei – Grab oder Mausoleum wäre hier eigentlich der falsche Ausdruck. Im Hotel hat man uns darauf aufmerksam gemacht, was auch sinnvoll war, denn üblicherweise halten wir nicht Ausschau nach Friedhöfen. In diesem Fall aber hat sich der kleine Abstecher gelohnt!

Wir sind also von Bassano del Grappa Richtung Süden nach San Vito d‘Altivole gefahren. In Italien sind Friedhöfe nicht bei den Kirchen (wie bei uns meist), daher haben wir nach Wegweisern (Cimitero oder Tomba Brion) gesucht und gefunden.

Mauer

1969 beauftragte die Witwe Brion-Tomasin einen der berühmtesten Architekten des 20. Jahrhunderts – Carlo Scarpa – eine Grabstätte für ihren Mann zu entwerfen, an der bis Mitte der 1970-er Jahre gebaut wurde.

Hauptgebäude

Giuseppe Brion

war übrigens der Gründer der Kult-Elektronikfirma Brionvega, einem Unternehmen das bekannt war für Designermodelle von Radios und Fernsehgeräten.

Allee

Das Grabmal liegt am Rande des Dorffriedhofs von San Vito d’Altivole und ist durch eine schöne Zypressenallee erreichbar. Parkplätze sind ausreichend vorhanden. Der unübersehbare Bau ist in L – Form angelegt und hat nicht nur eine wunderschöne Bergkette, sondern auch die Dorfkirche im Hintergrund.

Spiegelung

Wir haben das Areal durch den Seiteneingang betreten und waren damit gleich fasziniert von der mystischen Anlage! Die harmonische Eingliederung der Bauwerke in die umliegende Landschaft war dem Architekten ein besonderes Anliegen und beim Spaziergang durch die über 2000 m² große Grabstätte spürt man das.

Vereint

Bestimmt auch ein Grund, warum das Niveau der Anlage angehoben wurde; man kann somit leichter über die deutlich nach innen gekippten Betonmauer ins Land sehen.

Gesamtarrangement

Die vom Wasser umgebene Kapelle, der Pavillon der Meditation, der Ruheplatz der Verwandten (alle verschieden, um die unterschiedlichen Persönlichkeiten hervorzuheben), alles ist auf die 2 Sarkophage der Brions ausgerichtet, die von einem vereinenden Bogen überspannt werden.

Verbindungsbogen

Vor allem das viele Wasser mit den Seerosen fand ich für eine letzte Ruhestätte ungewöhnlich und soll den unaufhörlichen Fluss des Lebens darstellen. Überhaupt ist viel Symbolik vorhanden. Das ewige Prinzip von Yin und Yang haben den lange Zeit in Japan lebenden Architekten inspiriert.

Portal Details

Am meisten haben mich die beiden Grabstätten der Brions fasziniert.

Vereint im Leben und auch im Tod einander zugewandt.

Das Ganze – überspannt von einem einenden Bogen, mit der wunderschönen Landschaft im Hintergrund – soll der Architekt als den schönsten Platz in der Abendsonne bezeichnet haben.

Zweisamkeit

Nicht nur wir, sondern auch unzählige Salamander haben die wärmenden Strahlen genossen.

Salamander

Anfangs dachten wir, kalter Beton wirkt noch kälter in Verbindung mit einem Friedhof, jedoch ist so viel Grün auf dem Areal, dass es sehr harmonisch wirkt. Je nach Tageszeit fällt auch das Licht in festgelegte Bereiche des Innenraums der Säulenhalle und auch das bringt Lebendigkeit in diesen Raum der Ruhe.

Eingang Kapelle

Enge Übergänge enden auf einer großen Wiese und auch dieser Kontrast wirkte auf mich sehr stimmig. Gleich neben einem weiteren – nicht zugänglichen – Seerosenteich findet sich der Pavillon der Meditation. Hier sollen sich die Seelen der Verstorbenen zum Austausch treffen. Ein schöner Gedanke!

Seerosenteich

Durch zwei ineinander verschlungene Kreise erreicht man den eigentlichen Friedhof und verlässt somit diese ganz eigene Szenerie.

Ewigkeit

Carlo Scarpa

wurde in Venedig geboren und ist 1978 in Tokio an den Folgen eines Sturzes verstorben. In einer ruhigen Ecke findet man (wenn man ganz genau schaut) sein unscheinbares Grab. Auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin wollte der Künstler nicht nur außerhalb seines (wie er selbst meinte) Meisterwerkes, sondern auch außerhalb des Friedhofs begraben werden. Er sah sich nicht als Teil des Ganzen.

Künstlergrab

Scarpa schuf ein großartiges Gesamtkunstwerk, an dem wir zum Glück nicht vorbeigefahren sind. Dank der netten Rezeptionistin unserer Unterkunft Villa Scalabrini in Crespano del Grappa haben wir viel über diese Erinnerungsstätte erfahren.

Öffnungszeiten der Grabstätte

Sommer:

von 01/04 bis 30/09
Uhrzeit 08.00-20.00

Winter:

von 01/10 bis 31/03
Uhrzeit 08.00- 17:30

 

Tanti Saluti – Elena
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